Energiekonzerne erhöhen Strompreise um zwölf Prozent

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Deutsche Verbraucher werden im kommenden Jahr eine unliebsame Premiere erleben: 2013 können sie sich auf einen Strompreisanstieg gefasst machen, wie es ihn noch nie zuvor gegeben hat. Wie das Vergleichsportal Verivox berichtet, planen 614 Energieerzeuger, die Preise ab 1. Januar 2013 um durchschnittlich zwölf Prozent anzuheben.

Das bedeutet für private Kunden bei einem Verbrauch von 4.000 Kilowattstunden eine Mehrbelastung von rund 125 Euro im Jahr. Im Schnitt liegen die Erhöhungen bei 11,7 Prozent. Bei manchen Versorgern steigen die Preise sogar bis zu 20 Prozent.

Stromfresser © Frank Eckgold, fotolia.com
Stromfresser © Frank Eckgold, fotolia.com

Energieriesen sind dabei, aber auch regionale Anbieter

Unter den Anbietern, die die Preise anheben werden, sind die Energieriesen E.on und RWE, Vattenfall, EWE, Mainova und EnBW (zum 1. Februar), aber auch Anbieter von Ökostrom sowie diverse Stadtwerke und regionale Versorger. Schon durch die Preiserhöhung von E.on und deren Tochterunternehmen sind über sechs Millionen deutsche Haushalte von den Preiserhöhungen betroffen.

Bei E.on, so teilte das Unternehmen gemäß dem Nachrichtenmagazin ‚Der Spiegel‘ mit, liege die Erhöhung bei rund 8,7 Prozent und damit unter dem Schnitt von zwölf Prozent. E.on will den Markt weiter beobachten und rechnet damit, dass im kommenden Jahr eine weitere Preislawine ins Rollen kommen wird.

Preiserhöhungen waren angekündigt – aber in dem Ausmaß?

Bei RWE müssen rund 500.000 Festpreiskunden sowie etliche hunderttausend Nachtstromkunden mit Preissteigerungen von neun bis 17 Prozent im Vergleich zum Vorjahr rechnen. Auch Kunden des RWE-Discounter Eprimo sind betroffen. Verbrauchern, die die Grundversorgung gebucht haben, hat der Energieversorger laut der ‚Financial Times Deutschland‘ eine Preisstabilität bis ins Jahr 2013 garantiert. Das schließt aber nicht aus, dass das Essener Unternehmen seine Preise im Laufe des kommenden Jahres auch hier noch anhebt.

Seit Monaten ist klar, dass die Preise wegen der Energiewende steigen werden, aber dass dies so flächendeckend und drastisch geschieht, kommt doch unerwartet und dürfte für viele Stromkunden ein Schock sein. Über die Hälfte der rund 1.000 Energieanbieter ziehen bei den Erhöhungen mit.

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Vor allem EEG-Umlage und Befreiung der Netzumlage verantwortlich

Woran liegt es genau, dass die Preise gerade jetzt so durch die Decke schießen? In erster Linie werden die Erhöhung der Ökostromumlage im Rahmen des EEG (Erneuerbare Energien Gesetz) und ansteigende Netzkosten für die Preissteigerung verantwortlich gemacht. Darüber hinaus haben sich die Haftungsregeln für die Anbindung von Offshore-Windkraft geändert. Hier wird erstmals eine Umlage fällig.

Hinzu kommen höhere Steuern, durch die die Kassen der Privathaushalte zusätzlich belastet werden. Doch vor allem die Befreiung der Netzumlage schlägt zu Buche. Hierbei werden besonders Unternehmen, die viel Strom verbrauchen, von den Netzentgelten nahezu oder sogar komplett befreit.

Seit August 2011 ist die umstrittene, von der Regierung beschlossene, Regelung in Kraft, nach der Unternehmen mit einem Verbrauch von bis zu zehn Millionen Kilowattstunden nur geringe Netznutzungsgebühren und solche mit mehr als zehn Millionen Kilowattstunden Energieverbrauch gar keine Gebühren bezahlen.

Auf diese Art hat die Industrie im Jahr 2012 440 Millionen Euro gespart. 2013, so prognostiziert ‚tagesschau.de‘, wird sich die Entlastung der Industrie mit 805 Millionen Euro sogar fast noch verdoppeln. Eine Summe, auf die Staat natürlich nicht verzichten will und den er sich indirekt wiederholt. Die Zeche für diese Art von Großzügigkeit zahlt demnach der Verbraucher: Auf ihn werden die Kosten für den Betrieb der Netze, die den Großbetrieben erlassen werden, umgelegt.

Hierin sehen viele den Hauptverursacher des Preishochs. Solange der Staat an der Energiewende durch Sonderregelungen für die Industrie sowie hohe Steuern so gut mitverdient, wird er kaum eine Veranlassung sehen, daran etwas zu ändern. Schon die Mehrwertsteuer auf die EEG-Umlage soll 2013 Steuergelder in Höhe von 1,4 Milliarden Euro in die leeren Staatskassen spülen, schreibt der ‚Spiegel‘.

Vermutlich erst der Anfang

Branchenkenner schätzen die Lage so ein, dass sich auf Dauer kein Energieversorger aus dem Preispoker heraushalten kann. Im Februar, März und April erwarten sie bereits die ersten Nachzügler, die dann die Preise erhöhen werden, so der ‚Spiegel‘.

Der Einkauf gibt vor, zu welchem Preis der Strom später „weiterverkauft“ werden kann. Und nach derzeitigem Stand sind die Möglichkeiten, gute Konditionen auszuhandeln angesichts der zusätzlichen Belastungen durch die Energiewende denkbar ungünstig. Über kurz oder lang kann sich kaum ein Anbieter dem Kostendruck widersetzen.

Vergleichen und Wechseln kann Hunderte von Euro sparen

Über die Hälfte aller deutschen Haushalte werden von der Preiserhöhung betroffen sein. Dennoch wird es weiterhin Unterschiede geben, die abhängig vom Anbieter sind. Tatsächlich bestehen große Preisunterschiede, so dass sich ein Vergleich und gegebenenfalls Wechsel lohnen kann. Zeit genug haben Verbraucher: Die Stromanbieter sind verpflichtet, ihre Kunden sechs Wochen vor Jahreswechsel über die Änderung zu informieren. Mehrere hundert Euro kann man bisweilen im Falle eines Wechsels sparen.

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