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Netzausbau lässt Strompreise weiter steigen

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Netzausbau lässt Strompreise steigen

Strompreis
Strompreise © electricity pylons, fotolia.com

Als die Energiewende im Jahr 2011 beschlossen wurde, war schon klar, dass es sie nicht „umsonst“ geben wird. Nun zeichnet sich immer deutlicher ab, dass die Abkehr vom Atomstrom für den Verbraucher nicht ganz billig wird. So werden die Stromkosten in Privathaushalten in den kommenden Jahren um 5 bis 7 Prozent steigen. Das berichtet die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ und bezieht sich dabei auf Angaben der Bundesnetzagentur.

Grund für die Erhöhung der Strompreise ist demnach, dass wegen der Nutzung alternativer Energien mehr in den Ausbau der Netze investiert werden muss. Diese Kosten schlagen sich in höheren Netzentgelten – und damit höheren Strompreisen – nieder.

Im Industriebereich sogar noch höhere Steigerungen beim Strompreis

Die Bundesnetzagentur geht davon aus, dass die Netzentgelte um 16 bis 24 Prozent steigen werden. Im gewerblichen Bereich wird sogar eine Erhöhung um bis zu 54 Prozent erwartet. Hier wird der Strompreis vermutlich sogar um 8 Prozent steigen.

Wie die Bundesnetzagentur auf diese Hochrechnung kommt? Laut der Behörde spielt vor allem die Investitionsspanne eine Rolle dabei, inwieweit die Strompreise künftig steigen werden. Weil der Anteil erneuerbarer Energien bei der Stromerzeugung rasant gestiegen ist – während der Anteil von Atomstrom kontinuierlich sinkt – müssen nun innerhalb relativ kurzer Zeit die bestehenden Stromnetze auf den neuesten Stand gebracht werden.

Oft müssen Wind- und Solarenergie über weite Strecken befördert werden, bevor sie beim Verbraucher ankommen. Neue Verteilerleitungen müssen gelegt werden, um eine bessere und solidere Infrastruktur des Stromnetzes zu schaffen und so die Stromversorgung, zum Beispiel an windstillen Tagen, zu gewährleisten. Die Bundesnetzagentur geht davon aus, dass zwischen 30 und 47,4 Milliarden Euro nötig sein werden, um das Netz zu modernisieren.

Nach einem jahrelangen Rückgang der Netzinvestitionen zwischen 1993 und 2003 steigen die Ausgaben der Netzbetreiber für neue Netzprojekte erst seit 2005 wieder langsam an. In der Vergangenheit wurde hier zu wenig investiert. Das Stromnetz muss nun fit gemacht werden für die Herausforderungen der Energiewende.


Netzinvestitionen deutscher Stromversorger – Bildquelle Agentur für erneuerbare Energien

Konkrete Zahlen erst im Laufe des Jahres

Daher werde die Energiewende unausweichlich „zu einer weiteren Erhöhung der Netzentgelte und damit des Strompreises führen“, zitiert die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ aus einem Bericht für eine Sitzung des politischen Beirates der Netzagentur, der am 19. März 2012 in Berlin zusammenkam. Andere Faktoren der Energiewende, die Kosten verursachen, wie zum Beispiel die höhere Umlage für erneuerbare Energien oder Kosten, die durch den Bau neuer Kraftwerke entstehen, werden in dem Bericht nicht berücksichtigt.

Wie viel genau investiert werden muss, kann die Agentur nach eigenen Aussagen aber erst dann sagen, wenn der Bundesbedarfsplan für die Stromnetze steht. Das wird im Laufe des Jahres 2012 sein.

Netzentgelt – was ist das überhaupt?

Rund ein Viertel des Strompreises entfällt auf Netzentgelte. Der Rest entfällt auf Steuern und Abgaben sowie Ausgaben für die Strombeschaffung. Unter Netzentgelten versteht man die Gebühren, die Betreiber von Stromnetzen berechnen, dass sie den Strom durchs Netz transportieren und verteilen. Die Netzentgelte werden zunächst von den jeweiligen Stromanbietern gezahlt. Die geben die Kosten dann an ihre Kunden weiter.


Zusammensetzung des Strompreises in Deutschland – Bildquelle Agentur für erneuerbare Energien

Zusätzliche Belastung durch Stromnetzentgeltverordnung

Ein weiterer Kostenverursacher ist die Stromnetzentgeltverordnung. Sie trat im Sommer 2011 in Kraft und gewährt Unternehmen mit hohem Energieverbrauch niedrigere Zahlung bzw. die komplette Befreiung von Netzentgelten. Über 1.600 Unternehmen haben bereits einen Antrag auf Befreiung bei der Netzagentur gestellt.

Rund 400 Millionen Euro weniger werden jährlich durch die Stromnetzentgeltverordnung in die Kassen der Stromerzeuger gespült. Diese Summe wird auf den Endverbraucher umgelegt, so dass die Aussichten auf konstante Strompreise für Privatkunden eher düster aussehen. Sie werden die entstandenen Einnahmelücken der Stromanbieter wohl auch künftig durch höhere Strompreise kompensieren müssen.

Ob die Verbraucher bei diesen Perspektiven nicht gar ganz die Lust an der Energiewende verlieren? Schon jetzt ist erkennbar, dass das Interesse an der Energiewende gesunken ist. So hat das Meinungsforschungsinstitut Allensbach herausgefunden, dass nur 40 Prozent der Bürger die Sicherung der Energieversorgung als zentrale Aufgabe der Bundesregierung sehen.



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