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RECS-Zertifikate

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Aussteller und Ziele


Mit RECS wurde ein europaweites Handelssystem geschaffen, das den Kauf und Verkauf von Grünstromzertifikaten ermöglicht. An RECS scheiden sich die Geister.

Die Abkürzung RECS steht für Renewable Energy Certificate System, zu Deutsch etwa: Zertifikatssystem für erneuerbare Energien. Mit RECS wurde ein europaweites Handelssystem geschaffen, das den Kauf und Verkauf von Grünstromzertifikaten ermöglicht. RECS selbst ist kein Ökostrom-Gütesiegel oder -Zertifikat. Die dahinter stehende Vereinigung besteht international aus über 200 Mitgliedern, von denen Stand Januar 2013 38 im Verein RECS Deutschland organisiert sind. Neben Ökostrom-Anbietern wie NaturWatt und dielekker Energie GmbH und den drei großen TÜV-Holdings stehen auch alle großen Energiekonzerne auf der Mitgliederliste. Formal sind so genannte Issuing Bodies (etwa: Ausstellende Institutionen) für die Ausgabe der Zertifikate zuständig. In Deutschland übernimmt diese Aufgabe das Freiburger Öko-Institut, das in der praktischen Prüfung wiederum mit den verschiedenen TÜV-Gesellschaften zusammenarbeitet.

Wie bei Anbietern von Ökostrom-Gütesiegeln hat sich auch RECS die Förderung regenerativer Energien zum Ziel gesetzt. Der Weg dorthin ist aber ein anderer. Da Strom im Netz immer das gleiche Erscheinungsbild hat, kann man faktisch nicht zwischen Strom aus verschiedenen Quellen unterscheiden. Die RECS-Zertifikate verbriefen den ökologischen Mehrwert, den Strom aus erneuerbaren Energien darstellt. Das System trennt den erzeugten Strom von seinem Umweltnutzen. Beide können unabhängig voneinander auf dem Markt ge- und verkauft werden. Dadurch soll der Unterschied zwischen Angebot von und Nachfrage nach Ökostrom reguliert werden. Ökostrom kann mit RECS-Zertifikaten als konventioneller Strom verkauft werden, während man den ökologischen Nutzen separat vermarktet – und umgekehrt.

Zertifizierungsmerkmale der RECS Zertifkate

Am Handel mit RECS-Zertifikaten nehmen Produzenten von Ökostrom, Energiehändler sowie Energieversorger teil, wobei für jede ökologisch erzeugte Megawattstunde Strom ein Zertifikat ausgestellt wird. Der Produzent muss seine Anlage zunächst von einem unabhängigen Gutachter prüfen und sie dann als regenerativ registrieren lassen. Registriert werden können unter anderem Wasserkraftwerke oder Windräder, jedoch keine Anlagen, die nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) vergütet werden. Nachdem der nationale Issuing Body, in Deutschland also das Freiburger Öko-Institut, die Angaben bestätigt hat, erhält der Produzent ein Konto bei dem EECS. Auf diesem Konto werden die Zertifikate für den jeweils erzeugten Ökostrom verbucht. Die Zertifikate sind damit vom Strom getrennt und können auf andere Marktteilnehmer übertragen werden.

Käufer dieser Zertifikate, zum Beispiel regionale Energieversorger, können nun konventionellen Strom in dem Umfang als Ökostrom vermarkten, für den sie entsprechende Nachweise am RECS-Markt gekauft haben. Der Verkäufer dagegen darf seinen ökologisch erzeugten Strom nicht mehr als Ökostrom verkaufen, da er die Nachweis-Zertifikate nicht mehr besitzt. Verlässt eine bestimmte RECS-zertifizierte Menge Strom den Handelsmarkt, indem sie an den Endverbraucher geliefert wird, so wird das entsprechende Volumen an Zertifikaten ungültig. Die Entwertung soll sicherstellen, dass kein Zertifikat doppelt vermarktet wird.

Verbreitung der RECS Zertifikate

Stand Januar 2013 waren auf dem deutschen Markt weit mehr als 150 Ökostrom-Tarife erhältlich, deren Umweltnutzen durch RECS-Zertifikate untermauert wird. Allerdings sind die Zertifikate nicht mit Gütesiegeln zu vergleichen, da sie nichts über die Qualität des erzeugten und gelieferten Stroms aussagen. Die Anforderungen der Gütesiegel sind qualitativer Art und können nicht, zumindest nicht ohne Anstrengungen und Investitionen, von jedem Anbieter nachgewiesen werden. Kurz gesagt: RECS-Zertifikate sind käuflich.

Beurteilung der RECS Zertifikate

An den RECS-Zertifikaten scheiden sich die Geister. Verfechter sehen das System als Garant für aussagekräftige Herkunftsnachweise für ökologisch produzierten Strom und loben seine Transparenz, da sämtliche Stationen der Zertifikate von der Erzeugung über den Transfer bis zur Entwertung protokolliert werden. Kritiker dagegen reiben sich vor allem an der Trennung von Ökostrom in Öko und Strom, da sie vielfältige Probleme aufwirft. Darüber hinaus sorgt das RECS-System lediglich zu einer Umverteilung, ein zusätzlicher ökologischer Nutzen wird damit nicht erreicht. RECS-Zertifikate sind Verbrauchern als Entscheidungsgrundlage daher nicht zu empfehlen.

Das System krankt, zumindest in seiner jetzigen Form, an einem Konzeptionsfehler. Grundsätzlich ist die Idee, Angebots- und Nachfrageschwankungen durch virtuelle und handelbare Zertifikate auszugleichen, keine schlechte. Wie so oft macht aber die Realität der theoretischen Idee einen Strich durch die Rechnung. Nach Angaben der unabhängigen Stiftung Warentest wird alleine in Skandinavien so viel Ökostrom aus Wasserkraft gewonnen, dass sämtlicher Kohle- und Atomstrom für Deutschlands Haushalte durch den Bezug entsprechender Zertifikate als Ökostrom verkauft werden könnte. Auch auf absehbare Zeit wird sehr viel mehr Ökostrom angeboten werden, als es dafür Nachfrage geben wird. Die Folge: der Preis der Zertifikate ist aufgrund des großen Angebots niedrig und ermöglicht es vielen Anbietern, Ökostrom anzubieten und Atomstrom zu liefern. Selbst wenn die Preisgestaltung keine großen Unterschiede aufweist, so bleibt es fragwürdig, ob Anbieter mit einem derartigen ökologischen Engagement werben sollten. Im Zweifelsfall beschränkt es sich lediglich auf den Ankauf sauberer Zertifikate.

Besonders Interessenten von Ökostrom sind oftmals darauf bedacht, mit ihrer Konsumentscheidung Ideen zu unterstützen, die sie als nachhaltig beurteilen. Zu den 38 Mitgliedern des RECS Deutschland e.V. zählen die vier großen Energiekonzerne in Deutschland, die nach wie vor einen großen Teil ihrer beträchtlichen Gewinne mit Atomstrom erzielen. Entscheidet sich ein Kunde für einen RECS-Ökostrom-Tarif von einem dieser Anbieter, so unterstützt er auch ihre Geschäftspolitik, ohne etwas für den Ausbau regenerativer Anlagen zu tun. Zu den Anforderungen vieler Gütesiegel zählt dagegen die Verpflichtung, einen Anteil des erzielten Umsatzes in neue Anlagen und Projekte zu investieren. Wirbt ein Versorger für seinen Ökostrom-Tarif lediglich mit den RECS-Zertifikaten, so sollten kritische Verbraucher misstrauisch werden.

Überdies sind die Tage der RECS-Zertifikate ohnehin gezählt. Die Bundesregierung hat zum 1. Januar 2013 ein Herkunftsnachweisregister beim Umweltbundesamt in Betrieb genommen und damit eine EU-Richtlinie in nationales Recht umgesetzt. Als Begründung wurde angegeben, dass der privatwirtschaftlich organisierte Handel nicht habe sicherstellen können, dass Strom aus erneuerbaren Energien im Rahmen der Stromkennzeichnung nicht doppelt gezählt werde. Für den Handel mit Zertifikaten gilt somit in Deutschland verpflichtend das European Energy Certificate System (EECS), das das RECS-System sowie weitere bisher gängige Zertifikate ablöst.

Zusammenfassung wichtiger Fakten zu den RECS Zertifikaten


Faktoren

RECS-Zertifikate
Aussteller RECS Deutschland e.V. / RECS International
Wer steht dahinter? 38 Stromproduzenten, Versorger und Händler (in Deutschland)
Geforderter Anteil
an Strom aus
regenerativen Quellen
100 %; Trennung in erzeugten Strom und in Zertifikaten verbrieftem Umweltnutzen
Verpflichtende Förderung
des Ausbaus
regenerativer Energien?
Nein
Kritikpunkte # Lediglich Umverteilung, kein zusätzlicher ökologischer Nutzen
# Atomkonzerne sind Mitglied
# Möglichkeit des Greenwashings
Urteil Nicht empfehlenswert

Weiterführende Informationen

Wikipedia-Artikel zum Renewable Energy Certificate System
Informationen zu allen Ökostrom Gütesiegel und Zertifikaten
Ökostrom Tarifrechner



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