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Strombörse

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Die Strombörse in Deutschland – noch gar nicht so alt

Strompreise
Strompreise © Gourmecana, fotolia.com

Unter einer Strombörse versteht man einen Handelsplatz, an dem Strom angekauft und verkauft wird, ganz ähnlich einer Wertpapierbörse. Über die Energiebörse in Leipzig, auch EEX (European Energy Exchange) genannt, wird letztlich der Preis bestimmt, den Verbraucher für ihren Strom zahlen. Die Preise ergeben sich, wie immer in der freien Marktwirtschaft, aus dem Zusammenspiel von Nachfrage und Angebot. Bis zu 200 Handelsteilnehmer aus 19 Staaten kaufen und verkaufen in Leipzig Strom, Kohle, Gas und Emissionszertifikate. Dadurch, dass ausschließlich Energie gehandelt wird, bestehen bessere Vergleichsmöglichkeiten zwischen einzelnen Produkten.

Die deutsche Energiebörse hat seit 2002 ihren Sitz in Leipzig. Zuvor war die EEX in Frankfurt am Main ansässig, wo sie im Jahr 2000 gegründet worden war. Zwei Jahre später siedelte die EEX nach der Fusion mit der Strombörse Leipzig Power Exchange (LPX) nach Sachsen um. Gemessen an ihrem Handelsvolumen gilt die Leipziger Strombörse heute als größte kontinentaleuropäische Energiebörse.

Wie kommt der Strompreis an der Strombörse zustande?

Der Index, der für den Strompreis maßgeblich ist, nennt sich „Physical Electricity Index“, kurz „Phelix“. Er bildet den Referenzpreis für unterschiedliche Zeiträume.

Es gibt zweierlei Arten, auf die Elektrizität an der Strombörse gehandelt wird: das Spot- und das Termingeschäft. Der Unterschied zwischen beiden liegt im unterschiedlichen Lieferzeitraum. Spotgeschäft bezeichnet den kurzfristigen Handel mit Strom. Bis 75 Minuten vor dem Liefertermin können Börsenteilnehmer noch hinzukaufen. So können sie plötzlich aufgetretene Strom-Engpässe ausgleichen, aber auch Überkapazitäten abstoßen. Ab 15 Uhr können Teilnehmer mit dem Handel für den Folgetag beginnen. Rund 20 Prozent des Stromverbrauchs wird über den Spotmarkt umgeschlagen. Die Preise variieren von Tag zu Tag, gemessen an Angebot und Nachfrage.

Am Terminmarkt setzen die Teilnehmer dagegen auf langfristige Geschäfte. Hier werden so genannte „Phelix-Futures“ gehandelt. Das sind Verträge mit Laufzeiten von bis zu sechs Jahren. Stromerzeuger bzw. –lieferanten, die am Terminmarkt kaufen, können so mit sichereren Preisen kalkulieren und haben mehr Sicherheit und geringere Risiken. Der Preis, der für Terminverträge zugrunde gelegt wird, orientiert sich am Spotmarkt.

Übrigens, die Vorstellung, dass die gesamte Strommenge, die in Deutschland produziert und verbraucht wird, an der Strombörse gehandelt wurde, ist falsch. Lediglich 13 Prozent des Stromes werden an der EEX umgeschlagen. Die restlichen 87 Prozent stammen aus direkten Lieferverträgen zwischen Stromerzeugern und -abnehmern. Dabei wird auch oft der Begriff OTC-Handel verwendet, was für „Over The Counter“ steht und übersetzt bedeutet: über den Ladentisch. Diese Verträge werden außerbörslich geschlossen und haben eine mittel- bis langfristige Laufzeit.

Wenn Energieversorger als Argument für Strompreiserhöhungen die gestiegenen Preise an der Strombörse ins Feld führen, dann ist dies also nicht ganz zutreffend, da nur ein kleiner Teil der Elektrizität über die Strombörse gehandelt wird. Den meisten Strom bekommen sie durch Direktverträge, über deren Inhalte und Konditionen sich die Energieversorger erwartungsgemäß bedeckt halten.

Und das Argument von Preissteigerungen an der Strombörse wird sogar noch unglaubwürdiger, wenn es von Versorgern kommt, die ihre eigenen Kraftwerke betreiben. Denn die sind dadurch noch unabhängiger von Preisentwicklungen. Letztlich macht der Großhandelspreis ohnehin nur ein Drittel des Endpreises aus. Der größte Kostenanteil fällt demzufolge auf Transport, Steuern und Netznutzung.


Handelsraum an der Strombörse EEX © Bild Christian Hüller


Handelsraum an der Strombörse EEX © Bild Christian Hüller

Energiebörsen – nicht immer ein sauberes Geschäft

Energiebörsen stehen durchaus in der Kritik. Vor allem viele Verbraucher beäugen die Handelsgeschäfte oftmals mit argwöhnischen Augen. Zu undurchschaubar sind die Geschäfte, zu willkürlich und unglaubwürdig erscheinen Stromkunden die Preiserhöhungen. Und in der Tat hat die Geschichte gelehrt, dass Energiebroker bei ihren Geschäften nicht unbedingt nur das Wohl des Verbrauchers im Blick haben.

So meldete der US-Konzern Enron 2001 Insolvenz an. Das Unternehmen hatte Mitte der 80er Jahre für Furore gesorgt, weil es das erste Unternehmen war, das Energie kaufte und verkaufte. Später jedoch verstrickte es sich zunehmend in Marktmanipulationen. Enron hatte durch fingierte Spekulationen und gefälschte Bilanzen vermeintliche Strom-Engpässe geschaffen und so künstlich die Preise in die Höhe getrieben. Das Unternehmen hatte bei seinem Tun nahezu freie Hand, eine staatliche Kontrolle gab es nicht. Schließlich verspekulierte sich das Unternehmen und ging 2001 in Konkurs.

Auf Grund stärkerer Kontrollen halten viele derartige Manipulationen in Europa für unwahrscheinlich. Dennoch gab es auch in Deutschland schon mal Gerüchte um Preisabsprachen. So gerieten Mitte 2005 die vier Energieriesen E.ON, EnBW, Vattenfall Europe und RWE ins Visier der Kritik, Preise manipuliert zu haben.

Und 2007 berichtete das ZDF-Magazin „Frontal21“ über Marktmanipulationen im großen Stil am britischen Energiemarkt, woraufhin der Strompreis auf der Insel in die Höhe schnellte. Zwar beeilten sich die Verantwortlichen zu erklären, dass die Preise am deutschen Strommarkt eher unauffällig seien, bzw. dass sie generell überall gestiegen seien. Jedoch ist es nach Meinung von Fachleuten ein Leichtes, das Preisniveau hoch zu treiben. Für einen Strommarkt, der Angebot und Nachfrage realistisch abbilde, müssten sich mehr Händler auf dem Parkett der Strombörse bewegen als die derzeitigen 200 Teilnehmer.

Nicht immer sind die Entwicklungen an der Strombörse für den Verbraucher durchschlagend. Das Jahr 2015 war davon geprägt, dass die Börsen Strompreise gefallen sind. Die Verbraucher profitierten hiervon allerdings nicht, da viele Stromanbieter die günstigen Preise nicht weitergaben und zudem die EEG Umlage die letzten Jahre deutlich gestiegen war.



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