Strompreis-Dossier Teil 2: Strompreis Zusammensetzung für Privathaushalte
Wie setzt sich der Strompreis für Privathaushalte zusammen?

Strompreise © P.C., fotolia.com
Der Strompreis setzt sich aus zahlreichen Komponenten zusammen. Daher ist es wichtig, zu verstehen, welchen Anteil die einzelnen Kosten am Gesamtpreis haben und von welchen Faktoren sie beeinflusst werden. Grundsätzlich gliedern sich so gut wie alle Stromtarife für Privatkunden in einen festen, vom Verbrauch unabhängigen Grundpreis und einen variablen Arbeitspreis. Dieser wird in Cent pro Kilowattstunde angegeben. Die Gesamtsumme auf der Stromrechnung setzt sich in der Regel aus dem Grundpreis und dem Arbeitspreis, multipliziert mit der verbrauchten Strommenge in Kilowattstunden, zusammen.
Mit dem Grundpreis finanzieren die Energieversorger unter anderem die Kosten für die Lieferung, die Verbrauchsmessung, die Zähler sowie die Rechnungsstellung. Die Infrastruktur wird immer benötigt, unabhängig davon, ob ein Kunde viel oder wenig Strom verbraucht. Folglich kann der Verbraucher diese Größe auch nicht direkt beeinflussen. Bei der Auswahl eines neuen Stromanbieters sollte zwar auf den jeweiligen Grundpreis der Angebote geachtet werden. Jedoch ergibt sich erst im Gesamtvergleich mit den Arbeitskosten ein vollständiges Bild. Die Arbeitskosten sind die Kosten für den tatsächlich verbrauchten Strom und setzen sich aus folgenden Komponenten zusammen:
Erzeugung und Vertrieb
Den größten Einzelposten beim Strompreis bildet die eigentliche Produktion des Stroms mitsamt den Dienstleistungen, die für den Transport zum Verbraucher benötigt werden. Der prozentuale Anteil am Gesamtarbeitspreis schwankt je nach der zugrunde liegenden Datenbasis und der Höhe der Marge des Anbieters. Das Verbraucherportal Verivox ermittelte im November 2011 einen Anteil von 54,1 Prozent für Beschaffung und Netznutzung. Laut einer Prognose der Agentur für Erneuerbare Energien aus dem Februar 2012 liegt der Anteil von Erzeugung, Transport und Vertrieb im Jahr 2012 bei 55,9 Prozent. Das Gleichgewicht verschiebt sich aufgrund der EEG- und der sogenannten §19-Umlage zunehmend in Richtung Steuern und Abgaben. 2013 werden sie bereits rund 48,8 Prozent des Strompreises ausmachen. Das heißt im Umkehrschluss, dass knapp die Hälfte des verbrauchsabhängigen Strompreises nicht für den Strom selbst fällig wird, sondern für Steuern, Umlagen und Abgaben. Allerdings bleiben auch die Vertriebskosten nicht konstant: Für 2013 rechnet die Bundesnetzagentur mit einer Steigerung der Netzentgelte um etwa 5 Prozent.

Strompreis Zusammensetzung, Bildquelle Agentur für erneuerbare Energie
Mehrwert- beziehungsweise Umsatzsteuer
Anders als bei Büchern oder Hundefutter gilt der ermäßigte Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent nicht für Elektrizität. Sie wird mit dem vollen Satz, der derzeit bei 19 Prozent liegt, besteuert. Allerdings bezieht sich der Steuersatz auf den Nettopreis, so dass der Anteil der Mehrwertsteuer am Gesamtarbeitspreis bei rund 16 Prozent liegt. Abhängig von Ihrem Stromtarif und dem Arbeitspreis, den Ihr Versorger verlangt, betragen die Kosten der Steuer etwa zwischen 3,9 und 4,2 Cent pro Kilowattstunde. Die Mehrwertsteuer ist vom Gesetzgeber festgeschrieben. Das heißt, dass dieser Kostenfaktor nicht direkt beeinflussbar ist. Je geringer jedoch der Nettopreis ist, desto weniger Steuern fallen insgesamt gesehen dafür an.
EEG-Umlage
Die EEG-Umlage bringt es angesichts stetig steigender Strompreise immer wieder in die Schlagzeilen. Von vielen Kritikern wird sie als Preistreiber bezeichnet. In der Tat ist die Umlage, mit der Strom aus regenerativen Energiequellen gefördert werden soll, seit ihrer Einführung von Jahr zu Jahr angestiegen. Die Umlage wird jährlich unter Aufsicht der Bundesnetzagentur von den vier großen Übertragungsnetzbetreibern in Deutschland festgesetzt. Sie richtet sich nach den von ihnen erwarteten Ausgaben für die Vermarktung des EEG-Stroms und den „voraussichtlichen Einnahmen aus dem Verkauf des EEG-Stroms an der Strombörse EEX“, so das Bundesumweltministerium.
Lag die EEG-Umlage im Jahr 2009 noch bei 1,13 Cent pro Kilowattstunde, stieg sie in den folgenden drei Jahren auf 3,592 Cent im Jahr 2012 an. Für 2013 gaben die Übertragungsnetzbetreiber im Oktober 2012 eine Steigerung auf 5,27 Cent im Jahr 2013 an. Damit hat die Umlage jedoch nach wie vor nur einen begrenzten Anteil am gesamten Preis für Haushaltsstrom. Sollte der Arbeitspreis Ihres Stromversorgers beispielsweise zwischen 2009 und 2012 um mehr als rund 2,5 Cent pro Kilowattstunde gestiegen sein, kann unmöglich die EEG-Umlage alleine als Begründung herangezogen werden. Denn um diesen Betrag stieg die Umlage im genannten Zeitraum. Allerdings bot sie den großen Energieversorgern, die einen Großteil ihres Stroms in der Vergangenheit nicht aus regenerativen Energiequellen bezogen haben, ein willkommenes Argument, um Preissteigerungen zu begründen. Was viele Anbieter dabei verschwiegen haben: Sie sind keinesfalls verpflichtet, die EEG-Umlage, ob teilweise oder in voller Höhe, an ihre Kunden weiterzugeben.
Lesen Sie hierzu bitte auch das Kapitel Erneuerbare Energien für Strompreisanstieg verantwortlich?
Stromsteuer
Während die EEG-Umlage keine Steuer ist und somit nicht den Staat, sondern die Betreiber von EEG-Anlagen unterstützt, fließt die Stromsteuer dem Bund zu. Sie wurde seit dem Jahr 2003 nicht mehr verändert und beträgt seitdem konstant 2,05 Cent pro Kilowattstunde. Das gesamte Aufkommen aus der Stromsteuer beziffert sich auf jährlich rund sechs Milliarden Euro. Wiederholt wurde dieser Posten von verschiedenen politischen Seiten in der Diskussion um zu hohe Strompreise ins Gespräch gebracht. Zuletzt war es die CDU/CSU im November 2011, die die Verbraucher mit einer Senkung der Stromsteuer entlasten wollte. Der Anteil der Stromsteuer am gesamten Arbeitspreis beträgt in der Regel zwischen sieben und acht Prozent.

Anteil von Steuern, Abgaben und Umlagen am Strompreisen, © Bild BDEW
Konzessionsabgabe
Auch Städte und Gemeinden erhalten Einnahmen aus dem Geschäft mit dem Strom. Für das Wegenutzungsrecht, das den Energieversorgern zur Verlegung ihrer Stromleitungen eingeräumt wird, erhalten die Kommunen die sogenannte Konzessionsabgabe für Strom. Sie richtet sich nach der Größe der Gemeinde, ist aber auch vom gelieferten Strom abhängig. Die Abgabe wurde seit 1992 nicht mehr modifiziert und beträgt derzeit zwischen 1,32 Cent pro Kilowattstunde für Kunden in Gemeinden bis 25.000 Einwohnern und 2,39 Cent für Kunden in Gemeinden mit über 500.000 Einwohnern. Für Strom im Rahmen eines Schwachlasttarifes werden 0,61 Cent pro Kilowattstunde fällig. Im Durchschnitt beträgt der Anteil der Konzessionsabgabe am gesamten Arbeitspreis rund sieben Prozent.
KWK-Aufschlag
Über die hier dargestellten Kosten hinaus wird zusätzlich ein KWK-Aufschlag erhoben, der Anlagen zur Kraft-Wärme-Kopplung fördern soll. Die Höhe des Aufschlages ist mit einem Satz von 0,002 Cent und 0,05 Cent pro Kilowattstunde für das Jahr 2012 jedoch vernachlässigbar. Nach Angaben von Verivox trägt der Aufschlag etwa 0,1 Prozent zum gesamten variablen Strompreis bei.
§19-Umlage
Mit der Änderung der Stromnetzentgeltverordnung (StromNEV) im Jahr 2011 ist für die Verbraucher ein weiterer Kostenposten hinzugekommen. Die Umlage legt die Kosten für die Energiewende für besonders energieintensive Betriebe aus Wettbewerbsgründen auf die Gesamtheit der Verbraucher um. Im Kern eine sinnvolle Idee, doch wurden in den vergangenen zwei Jahren so viele Betriebe unter diese Regelung, dass man §19 bei der Betrachtung der Stromkosten mittlerweile auch berücksichtigen muss. Im Startjahr 2012 betrug die Umlage 0,15 Cent, 2013 prognostiziert die Bundesnetz eine Steigerung auf etwa 0,45 Cent.
Weitere Informationen
Strompreis-Dossier Übersicht
Strompreis-Dossier Teil 1: Die Strompreis Entwicklung bei Privathaushalten
Strompreis-Dossier Teil 2: Strompreis Zusammensetzung für Privathaushalte
Strompreis-Dossier Teil 3: Vergleich Strompreise Industrie und Privathaushalt
Strompreis-Dossier Teil 4: Sind die erneuerbaren Energien für den Preisanstieg verantwortlich
Strompreis-Dossier Teil 5: Strompreise im europäischen Vergleich
Strompreis-Dossier Teil 6: Die Strombörse und der Strompreis
Strompreis-Dossier Teil 7: Die wichtigsten Tipps zur Senkung des Strompreises














