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Strompreis-Dossier Teil 3: Vergleich Strompreise Industrie und Privathaushalt

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Vergleich der Strompreise für Privathaushalte und Industriekunden

Strompreis
Strompreise © Volker Werner, fotolia.com

In den vorangegangenen Kapiteln haben Sie gelesen, aus welchen Komponenten sich der Strompreis für Privathaushalte zusammensetzt und wie er sich in den vergangenen Jahren entwickelt hat. Die deutsche Wirtschaft, seit jeher als stark und robust angesehen, ist in sehr viel stärkerem Maße auf Energie angewiesen. Ohne Strom laufen keine Fließbänder, keine Maschinen und keine Produktionsstätten. Wie passt das mit den stetig steigenden Strompreisen zusammen? Die Lösung ist einfach: Der Strom für Industriekunden ist wesentlich billiger, da sie von einer Vielzahl an Belastungen befreit sind oder zumindest in geringerem Maße zur Kasse gebeten werden.

Darüber hinaus gilt auch hier das Prinzip von Angebot und Nachfrage. Je mehr Strom benötigt wird, desto geringer fällt in der Regel der Kilowattstunden-Preis aus. Energieversorger haben dafür spezielle Tarife im Programm, die meist schon in ihrem Namen deutlich machen, dass es sich um „Gewerbestrom“ oder „Strom für Sondervertragskunden“ handelt. Meist wird eine Staffelung angeboten, bei der sich der Strom ab einer bestimmten Abnahmemenge verbilligt.

2015 zahlte ein durchschnittlicher Industriekunde nach Angaben des BDEW 13,70 Cent Cent pro Kilowattstunde. Damit betrug der Gesamtpreis noch nicht einmal die Hälfte dessen, was Privatkunden für die Kilowattstunde bezahlen müssen. Ein Blick auf die einzelnen Kostenfaktoren erklärt, wo den Gewerbetreibenden Privilegien eingeräumt werden. Die Angaben schwanken in gewissem Rahmen, je nach dem Verbrauch des zugrunde gelegten Industriebetriebs.


Entwicklung des Strompreises für Industriekunden, © Bild BDEW

Erzeugung und Vertrieb

Ähnlich wie bei den Privatkunden tragen die Produktion und der Transport des Stroms durch die Netze bis zu 50 Prozent zum Gesamtbetrag des Arbeitspreises bei. In der Industrie ist Energie ein Kostenfaktor, der ökologische Aspekt hat sich im Vergleich zu Privatkunden oftmals noch nicht so stark durchgesetzt. Daher greifen Energieanbieter bei der Versorgung von Gewerbekunden meist auf die billigsten verfügbaren Stromquellen zurück. Dies waren bisher meist Atomstrom oder Strom aus fossilen Quellen.

Interessant im Hinblick auf die Diskussionen um die Verteuerung des Stroms aufgrund der Energiewende ist die Entwicklung der Energiekosten für Industriekunden. Mit 10,70 Cent pro Kilowattstunde (ohne Steuern) war nach Angaben des BDEW 2008 ein Höhepunkt erreicht. In den vergangenen Jahren sind die Kosten stetig auf 7,19 Cent im Jahr 2015 gesunken.

Mehrwert- beziehungsweise Umsatzsteuer

Gewerbekunden verbuchen die Mehrwertsteuer als durchlaufenden Posten, da sie sie an den Endverbraucher weitergeben. Privatverbraucher müssen dagegen 19 Prozent auf den Nettopreis des Stroms zahlen. Während dies beim Haushaltsstrom unter dem Strich etwa 16 Prozent des Gesamtarbeitspreises ausmacht, taucht der Posten bei den Stromkosten für Industriekunden nicht auf.

EEG-Umlage

Die EEG-Umlage soll den Ausbau der erneuerbaren Energien fördern und beträgt 6,354 Cent pro Kilowattstunde im Jahr 2016. Um energieintensive Industrien im internationalen Wettbewerb nicht zu benachteiligen, gilt für sie eine Sonderregelung. Ab einem bestimmten Stromverbrauch wird für sie unter Umständen lediglich eine Umlage von 0,05 Cent pro Kilowattstunde fällig. Der Haken an der Sache: Die Bedingungen, um in den Genuss der Deckelung zu kommen, wurden sukzessive gelockert. Kamen 2011 lediglich 570 Unternehmen in den Genuss der Befreiung, sind es 2013 rund 3000. Den Preis dafür haben diejenigen zu bezahlen, die keine Befreiung in Anspruch nehmen können. Ihnen werden die von der energieintensiven Industrie eingesparten Kosten auferlegt. „Die Solidargemeinschaft für die Energiewende wird zunehmend kleiner“, so BEE-Präsident Dietmar Schütz. Schätzungen der Bundesnetzagentur führen diese Entwicklung deutlich vor Augen. Nachdem die Umlage für die Netzentgeltbefreiung stromintensiver Betriebe 2012 zum ersten Mal mit 0,15 Cent pro Kilowattstunde auf der Stromrechnung der Nicht-Privilegierten auftauchte, stieg sie im Folgejahrauf 0,33 Cent an. 2014 sank sie zwar auf 0,09 Cent, doch ist dies mit Verrechnungen aus den vergangenen Jahren begründet. Mit der gleichzeitig steigenden EEG-Umlage wird damit ein großer Teil der Kosten für die Energiewende von den Großverbrauchern auf die Privathaushalte umgelegt.

Lesen Sie hierzu bitte auch das Kapitel Erneuerbare Energien für Strompreisanstieg verantwortlich?.

Stromsteuer

Der Strom von Privathaushalten wird mit einer Stromsteuer in Höhe von 2,05 Cent pro Kilowattstunde belastet. Auch hier gibt es Vergünstigungen für die Industrie, beispielsweise für das produzierende Gewerbe. Ab einem Verbrauch von 25.000 Kilowattstunden reduziert sich die Abgabenlast von 2,05 Cent auf 1,23 Cent pro Kilowattstunde. Grundlage für die Entlastung ist zum einen die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit, da der Gesetzgeber davon ausgeht, dass die produzierenden Branchen in besonders starkem Wettbewerb stehen. Zum anderen haben führende Spitzenverbände der Branche im Jahr 2000 eine Klimaschutzvereinbarung unterzeichnet. Eine EU-Energiesteuerrichtlinie lässt es zu, Unternehmen zu entlasten, mit denen eine solche Vereinbarung besteht.

Konzessionsabgabe

Bei Privatkunden ist die Höhe der Konzessionsabgabe hauptsächlich nach der Größe der Kommune gestaffelt und beträgt zwischen 1,32 und 2,39 Cent pro Kilowattstunde. Für Sondervertragskunden gilt ein anderer Tarif. Ab einem Verbrauch von 30.000 Kilowattstunden im Jahr und der Erfüllung weiterer Bedingungen darf die Belastung nach der Konzessionsabgabenverordnung höchstens 0,11 Cent pro Kilowattstunde betragen.

KWK-Aufschlag

Beim KWK-Aufschlag besteht kein wesentlicher Unterschied zur Behandlung von Privatkunden. Sie fällt bei der Betrachtung des Gesamtstrompreises jedoch nicht ins Gewicht, da sie weniger als einen Prozent der Kosten ausmacht.


Vergleich Strompreis Industrie und Privathaushalt © Bild Agentur für erneuerbare Energie

Fazit

Der Preis für Industriestrom liegt nicht einmal halb so hoch wie der Preis, den Privatkunden zu zahlen haben. Grund dafür sind nicht nur wesentlich geringere in Rechnung gestellte Erzeugungskosten. Nahezu alle zusätzlichen Kostenfaktoren wie Steuern und Abgaben sind für Gewerbekunden reduziert oder fallen gänzlich weg. Hinzu kommt, dass die Stromnetzentgeltverordnung von 2011 Großverbraucher von der Zahlung sämtlicher Netznutzungsentgelte befreit. Dabei sind gerade sie es, die die Netze intensiv nutzen.

So einleuchtend die Argumente für eine Sonderstellung der Industriekunden aus Gründen der Wettbewerbsfähigkeit sind, ist eine gleichzeitig übermäßige Belastung der Privatkunden eine heikle Angelegenheit. Schließlich sind sie es, die die Treiber der Energiewende waren und sind.

Weitere Informationen

Strompreis-Dossier Übersicht
Strompreis-Dossier Teil 1: Die Strompreis Entwicklung bei Privathaushalten
Strompreis-Dossier Teil 2: Strompreis Zusammensetzung für Privathaushalte
Strompreis-Dossier Teil 3: Vergleich Strompreise Industrie und Privathaushalt
Strompreis-Dossier Teil 4: Sind die erneuerbaren Energien für den Preisanstieg verantwortlich
Strompreis-Dossier Teil 5: Strompreise im europäischen Vergleich
Strompreis-Dossier Teil 6: Die Strombörse und der Strompreis
Strompreis-Dossier Teil 7: Die wichtigsten Tipps zur Senkung des Strompreises



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