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Strompreis-Dossier Teil 6: Die Strombörse und der Strompreis

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Strompreis
Strompreis © Sergej Toporkov, fotolia.com

Angebot und Nachfrage bestimmen die Preise an der Börse schon seit dem 16. Jahrhundert, als die Kaufmannsfamilie van der Burse den ersten Treffpunkt dieser Art für Kaufleute etablierte. Heute gibt es Tauschbörsen, Aktienbörsen – und Strombörsen. Über diese Marktplätze können Überkapazitäten verkauft oder Nachschub besorgt werden. In Deutschland nimmt diese Aufgabe die European Energy Exchange (EEX) in Leipzig wahr.

Ihr Einfluss ist nicht einfach zu beurteilen. Dem Monitoring-Bericht der Bundesnetzagentur zufolge wurden beispielsweise im Jahr 2011 lediglich etwa sieben Prozent des in Deutschland gehandelten Stroms tatsächlich über die Börse umgesetzt. Der große Rest wird über Lieferverträge und indirekte Vermarktung gehandelt. Diese orientieren sich offiziell meist an den an der Börse aktuell gültigen Preisen. Es ist allerdings schwerlich nachzuprüfen, ob die Preisgestaltung für die rund 93 Prozent des Stromvolumens, das außerhalb der Leipziger Strombörse gehandelt wird, tatsächlich immer fair ist. Außerdem ist der Börsenpreis als Referenzwert nur bedingt geeignet, da er nur einen Bruchteil des Handels abbildet.

Über kurz oder lang – der Stromhandel in Leipzig

Mit dem Preis, den Verbraucher für ihren Strom zahlen müssen, haben die Preise an der Strombörse nur wenig gemein. Der Endpreis, den ein Haushalt auf seiner Stromrechnung findet, setzt sich aus vielen verschiedenen Faktoren zusammen. Die Beschaffungs- und Transportkosten spielen dabei eine wichtige, aber bei weitem nicht die wichtigste Rolle. Lesen Sie hierzu bitte auch das Kapitel „Wie setzt sich der Strompreis für Privathaushalte zusammen?“. An der Strombörse werden große Mengen des Produktes Strom gehandelt. Dabei sind vor allem zwei Handelsarten zu unterscheiden.

Am Terminmarkt können sich die Energieversorger langfristig mit den benötigten Kapazitäten eindecken. Dies sichert zum einen die Grundversorgung für die kommenden Monate und eventuell sogar Jahre, hat jedoch auch einen Nachteil. Sollten die Beschaffungspreise in der Zwischenzeit sinken, zahlen die Versorger unter Umständen mehr für ihren Strom, als nötig wäre. Viele Versorger haben ihre Tarife trotz geringerer Beschaffungskosten nicht senken können, weil sie sich langfristig verpflichtet hatten. Für eine verantwortungsvolle Absicherung der Grundkapazitäten müssen solche Minusgeschäfte jedoch in Kauf genommen werden.

Am Spotmarkt werden dagegen Verträge mit kurzen Laufzeiten gehandelt. Diese können schneller an sich verändernde Preissituationen angepasst werden. Umgekehrt bieten sie keine langfristige Planungssicherheit. Wer sich nur auf den Spotmarkt verlässt, muss die Preisentwicklungen notgedrungen mitgehen – auch wenn sich der Preis nach oben entwickelt. Rund ein Fünftel der Geschäfte an der Strombörse werden über den Spotmarkt abgewickelt, vier Fünftel über den Terminmarkt.


Handelsraum an der Strombörse EEX © Bild Christian Hüller


Handelsraum an der Strombörse EEX © Bild Christian Hüller

Der Einfluss der Erneuerbaren auf die Preisfindung

Stellen Sie sich vor, Sie möchten Strom kaufen und sie bekommen ihn nicht nur umsonst, sondern erhalten dafür noch Geld obendrauf. Klingt kurios, ist jedoch an der Strombörse kein Einzelfall. Das entspricht dem Grundprinzip an der Börse: Angebot und Nachfrage.

Atomkraftwerke lassen sich nicht innerhalb von Minuten herunterfahren. Sie stehen für die Grundlast- und Spitzenlastversorgung zur Verfügung. Wenn nun beispielsweise an einem sonnigen Tag sehr viel Solarstrom in die Netze eingespeist, gleichzeitig aber wenig Strom verbraucht wird, kann das Angebot die Nachfrage schnell übersteigen. Zu dem ohnehin produzierten Atomstrom kommt ein großes Angebot an Ökostrom hinzu. Die Folge: Der Preis sinkt, unter Umständen auch weit unter Null.


Strompreisdämpfender Effekt Erneuerbarer Energien © Bild Agentur für erneuerbare Energie

Die Mischung macht‘s

Dieser Mechanismus wird sowohl von Ökostrom-Erzeugern als auch von den großen Energieversorgern benutzt, um Kritik an der Gegenseite zu äußern. Und beide haben Recht. Erneuerbare Energien haben eine strompreissenkende Wirkung, da sie mit ihrem wachsenden Angebot zunehmend teure Spitzenlast-Kraftwerke aus dem Netz drängen. Sinkt der Preis aufgrund eines großen Überangebots jedoch in den negativen Bereich, entstehen Kosten. Die Stromanbieter müssen Prämien zahlen, um ihren Strom loszuwerden. Dadurch steigt zum einen die EEG-Umlage, ohne dass der Ökostrom einen positiven Nutzen bringen würde. Zum anderen steigen die Betriebskosten der Energieversorger, die diese erfahrungsgemäß an die Verbraucher weitergeben.

Anfang 2010 ging die Bundesnetzagentur mit Plänen an die Öffentlichkeit, eine negative Preisbildung zu deckeln. Bisher ist jedoch noch keine verbindliche Regelung getroffen worden, und das wohl aus gutem Grund. Wer nämlich über Stromspeicher verfügt, könnte dem Markt ein Schnippchen schlagen und erst dann verkaufen, wenn die Preise wieder gestiegen sind. Der Bau von Stromspeichern wird als Schlüsselelement der Energiewende angesehen. Gut möglich, dass die Bundesnetzagentur mit der Duldung negativer Strompreise Anreize schaffen will, diese Stromspeicher schneller zu bauen.

Die Strombörse ist kein perfektes System

Die Leipziger Strombörse EEX versucht, ein größtmögliches Maß an Transparenz zu gewährleisten. Trotzdem muss sie sich auch mit Kritik auseinandersetzen. So wird beispielsweise von einigen Fachleuten darauf hingewiesen, dass die Anzahl der Marktteilnehmer verhältnismäßig klein ist. Im Gegensatz zur Aktienbörse, wo theoretisch mehrere Millionen Kleinanleger, Investmentgesellschaften und Bankhäuser aktiv sind, beschränkt sich die Zahl an der Strombörse auf rund 250 Händler. Je geringer ihre Anzahl, desto geringer ist im Falle des Falles auch der Aufwand, Preise im eigenen Sinne beeinflussen zu können. Hier greift wieder das berühmte Beispiel mit den Tankstellen. Wenn bestimmte Preise im Sinne weniger beherrschender Marktteilnehmer sind, dann sind offene – und verbotene – Absprachen unter Umständen gar nicht nötig.

Darüber hinaus argumentieren viele Energieversorger bei Preiserhöhungen mit den gestiegenen Beschaffungskosten. Ähnlich wie bei der EEG-Umlage ist der Einfluss dieser Kosten auf den Strompreis begrenzt und in den wenigsten Fällen geeignet, um die Notwendigkeit stetiger Preissteigerungen zu belegen.

Weitere Informationen

Strompreis-Dossier Übersicht
Strompreis-Dossier Teil 1: Die Strompreis Entwicklung bei Privathaushalten
Strompreis-Dossier Teil 2: Strompreis Zusammensetzung für Privathaushalte
Strompreis-Dossier Teil 3: Vergleich Strompreise Industrie und Privathaushalt
Strompreis-Dossier Teil 4: Sind die erneuerbaren Energien für den Preisanstieg verantwortlich
Strompreis-Dossier Teil 5: Strompreise im europäischen Vergleich
Strompreis-Dossier Teil 6: Die Strombörse und der Strompreis
Strompreis-Dossier Teil 7: Die wichtigsten Tipps zur Senkung des Strompreises



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