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Übersicht Ökostrom Gütesiegel und Zertifikate

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In Deutschland gibt es kein einheitliches Gütesiegel oder Zertifikat für Ökostrom, sondern es existieren vier verschiedene Arten von Ökostrom Gütesiegeln sowie ein Ökostrom Zertifikat, die im Folgenden vorgestellt werden. Sie sollen dazu dienen, den Markt für Ökostrom transparenter und die Qualität der Angebote überprüfbar zu machen. Für die Vergabe solcher Zertifikate ist die Zusammensetzung des Stroms entscheidend. Wie viel Prozent des Stromes kommen wirklich aus regenerativen Energiequellen. Manche Ökostrom Gütesiegel setzten voraus, dass ein bestimmter Anteil der Einnahmen in den Bau neuer Anlagen investiert wird und dass die Anlagen ein gewisses Alter nicht überschreiten. Wer sich für Strom aus alternativen Energien entscheiden möchte, sollte prüfen, welche Ökostrom Gütesiegel der Wunschtarif vorweisen kann.

Inhaltsübersicht

ok-Power Label
Grüner Strom Label
Siegel der Landesgewerbeanstalt Bayern
TÜV Gütesiegel
RECS Zertifikate
Zusammenfassung und Fazit

Ökostrom Siegel „ok Power Label“

Der Verein Energievision e. V., welcher vom WWF Deutschland, der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen e.V. und dem Öko-Institut e.V. im Jahr 200 gegründet wurde vergibt das ok Power Label. Im Mittelpunkt der Vergabekriterien des Gütesiegels ok-power steht die Garantie, dass die mit dem Gütesiegel ausgestatteten Produkte zu einem „zusätzlichen Umweltnutzen“ führen. Der zusätzliche Nutzen wird dabei folgendermaßen definiert: Ein „zusätzlicher Umweltnutzen“ entsteht dann, wenn die Nachfrage nach einem Ökostromprodukt zu einer Ausweitung der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien führt, die über die Strommenge hinausgeht, die aufgrund öffentlicher Fördermaßnahmen ohnehin erzeugt wird. Um einen zusätzlichen Umweltnutzen sicherzustellen, muss der Ökostromanbieter den Neubau von Kraftwerken auf der Basis erneuerbarer Energien oder effizienter gasbetriebener Kraft-Wärme-Kopplung nach quantifizierten Mindestbedingungen fördern. Es wird zwischen einem sog. Händlermodell und einem sog. Fondsmodell unterschieden. Beim Händlermodell muss mindestens ein Drittel des Stroms aus Anlagen kommen, die nicht älter sind als sechs Jahre. Ein weiteres Drittel des Stroms muss aus Anlagen kommen, die nicht älter als zwölf Jahre sind. Beim Fondsmodell regelt das Gütesiegel die Verwendung der Fördermittel und stellt Mindestanforderungen an die Förderwirkung solcher Angebote. Das ok-Power-Label enthält keine Einschränkungen für den Betrieb von Kernkraftwerken oder den Einsatz fossiler Brennstoffe durch die Stromlieferanten oder deren Anteilseigner. Kritiker bemängeln, dass somit unter anderem auch Vattenfall und NaturEnergie (Mehrheitsbeteiligung von EnBW) das ok-Power-Label für ihre Ökostromprodukte tragen, obwohl beide Energiekonzerne eher für Atom und Kohlestrom stehen als für Ökostrom. RECS Ökostrom Zertifikate (siehe unten) sind zum Leidwesen vieler Kritiker zugelassen. Generell kann das Siegel als ausreichendes Qualitätskriterium für sauberen Ökostrom empfohlen werden, da ein positiver Umweltnutzen garantiert wird.

Weitere Informationen zum ok-power Gütesiegel

Das ok Power Label besitzen beispielhaft folgende Anbieter:

Grüner Strom Label

Der Grüner Strom Label e.V. wurde von verschiedenen Natur-, Umwelt- und Verbraucherschutzverbänden im Jahr 1999 gegründet. Gründungsmitglieder sind u.a. der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), der Naturschutzbund Deutschland (NABU), der Bund der Energieverbraucher sowie EUROSOLAR. Zentrales Kriterium der Zertifizierung ist, dass die Stromanbieter einen bestimmten Teil der Kundengelder in neue regenerative Anlagen investieren, in der Regel mindestens 1 Cent je verkaufter kWh Ökostrom, denn nur durch diese Förderung umweltfreundlicher Anlagen bewirkt Ökostrom tatsächlich einen zusätzlichen Umweltnutzen. Rund 600 neue regenerative Anlagen konnten durch die Kunden von GSL-zertifiziertem Ökostrom bisher realisiert werden. Die Zertifizierung erfolgt in den Kategorien „Gold“ und „Silber“. Für das silberne Logo müssen mindestens 50 Prozent des gelieferten Stromes aus erneuerbaren Energien erzeugt werden, der restliche Anteil kann aus Anlagen mit Kraft Wärme Koppelung kommen. Um das goldene Label zu erhalten muss der Strom komplett aus erneuerbaren Energiequellen stammen. Große Stromlieferanten können das Label aufgrund des Ausschlusses von Atomstrom häufig nicht erwerben. Auch RECS Ökostrom Zertifikate (siehe unten) sind nicht zugelassen. Das Grüner Strom Label setzt strenger Kriterien an die Zertifizierung von Ökostrom. Das Gütesiegel kann empfohlen werden und ist bei Verbraucherschützern als Ökostromgütesiegel anerkannt.

Weitere Informationen zum grünen Strom Label

Das Grüner Strom Label besitzen beispielhaft folgende Anbieter:

Ökostrom Gütesiegel Landesgewerbeanstalt Bayern


Die Landesgewerbeanstalt Bayern hat ein eigenes Gütesiegel für Ökostrom geschaffen. Nach Abschluss eines Überwachungsvertrages überprüfen die Sachverständigen der LGA, ob der angebotene ”Öko-Strom” entweder aus regenerativen Quellen wie Windkraft, Wasserkraft, Biogas, Sonnenenergie, Geothermie (Öko-Strom, regenerativ) oder aus der effektiven Kraft-Wärme-Kopplung (Öko-Strom, effektiv) stammt und sich so gegenüber den konventionellen Energiequellen aus ökologischer Sicht deutlich hervorhebt. Weiterhin müssen die zertifizierten Betriebe erkennen lassen, dass entsprechend der Nachfrage ein Ausbau der Versorgung mit Ökosttrom vorgesehen wird. Das Label „Ökostrom regenerativ“ wird an Anbieter vergeben, die Strom zu 100 % aus erneuerbaren Energien gewinnen. Das Label „Ökostrom effektiv“ wird verliehen, wenn Strom zu mindestens 25 % aus erneuerbaren Energien gewonnen und die restliche Menge aus Kraft-Wärme-Kopplung gewonnen wird. Bei beiden Siegeln werden außerdem eine Investition in Neuanlagen auf Basis einer Marktprognose sowie der Nachweis einer ausreichenden Versorgungssicherheit gefordert. Kritiker bemängeln, dass beide Zertifikate nicht darauf eingehen, ob es sich bei den Anlagen zur Stromerzeugung um ältere oder neuere Modelle handelt.

Weitere Infos zu den Ökostrom Siegeln der Landesgewerbeanstalt Bayern

Das Ökostrom Label besitzen beispielhaft folgende Anbieter:

TÜV Ökostrom Gütesiegel

Die Technischen Überwachungs-Vereine haben eine gemeinsame „Basisrichtlinie Ökostromprodukte“ erarbeitet, in der die Grundsätze zur Zertifizierung von Ökostromtarifen festgelegt werden. Der TÜV Nord zertifiziert nach dieser Richtlinie, während der TÜV Süd vier verschiedene Zertifikate anbietet, deren Kriterien sich teilweise unterscheiden. Nach der Richtlinie müssen mindestens 50 Prozent des gewonnenen Stromes aus erneuerbaren Energiequellen kommen, der restliche Anteil kann aus umweltfreundlichen Anlagen zur Kraft-Wärme-Kopplung stammen. Die Förderung der erneuerbaren Energien muss eine wesentliche Zielsetzung des Stromangebots des anbietenden Unternehmens sein und der im Rahmen des Ökostromproduktes bereitgestellte Strom kann auf eindeutig beschriebene und identifizierbare Quellen zurückgeführt werden. Aufschläge des Ökostromprodukts gegenüber einem vergleichbaren Standardtarif dürfen nicht zur weiteren Erhöhung der Einnahmen verwendet, sondern kommen der Förderung Erneuerbarer Energien, insbesondere dem Neubau von regenerativen Anlagen, zugute. RECS-Zertifikate (siehe unten) sind dabei unter bestimmten Voraussetzungen zugelassen. Im Vergleich zu den strengen Auflagen der ok-power und Grüne Strom Label sind die Ökostromkriterien des TÜV weiter gefasst.

Weitere Informationen zu den TÜV Ökostrom Siegeln

Die TÜV Ökostrom Zertifizierung besitzen beispielhaft folgende Anbieter:

RECS Ökostrom Zertifikate

RECS steht für „Renewable Energy Certificate System“ und wurde im Jahr 2002 geschaffen und europaweit in inzwischen 15 Ländern eingeführt. Damit wurde ein Markt für den Handel von Grünstromzertifikaten erzeugt. Ziel des RECS ist die Förderung erneuerbarer Energien in Europa. Kernstück des Systems ist die Trennung von physisch geliefertem Strom und den damit verbundenen Umweltvorteilen. Das heißt: Ein Ökostrom-Produzent bekommt für jede erzeugte Einheit (= MWh) ein Ökostrom Zertifikat, das den Umweltnutzen gegenüber herkömmlich produzierter Energie verkörpert. Durch die Zertifizierung des Ökostroms kann sichergestellt werden, dass jeder Ökostrom nicht doppelt vermarktet wird und die tatsächliche gehandelte Menge Ökostrom auch der tatsächlich produzierten Menge an Ökostrom entspricht. Dieses Ökostrom Zertifikat können gesondert gehandelt werden und auch an einen anderen Stromversorger weiterverkaufen. Dieser wiederum kann es zu Marketing-Zwecken einsetzen und seinen eigenen Strom als Ökostrom anbieten – egal wie er produziert wurde. Verbraucherschützer werfen RECS vor, Atom- oder Kohlestrom als Ökostrom auf legalem Wege umzuetikettieren und so eine Täuschung der an Ökostrom interessierten Verbraucher in Kauf zu nehmen. Bisweilen gliederten Energiekonzerne einfach ihre seit jeher von Wasserkraftwerken erzeugten Stromanteile in einen neuen „Öko-Tarif“ aus oder kaufen RECS Zertifikate von skandinavischen Kraftwerken um damit ihren Kohlestrom in Ökostrom umzuediketieren. Die Umweltwirkung solcher Aktionen ist gleich null, es findet lediglich eine Umverteilung des ökologisch erzeugten Stromes statt. Zu beachten ist deshalb, dass es sich bei RECS nicht um ein Ökostrom Gütesiegel handelt, sondern um den Handel mit Ökostrom Zertifikaten. Aus Umweltsicht ist ein Handel mit Ökostrom Zertifikaten nur dann sinnvoll, wenn die Zertifikate zusammen mit dem tatsächlich ökologisch produzierten Strom verkauft werden. Da momentan der Anteil an verfügbarem Ökostrom wesentlich höher als der derzeit von den Kunden nachgefragte Anteil an Ökostrom ist, bleibt der Preis für die Zertifikate niedrig, so dass jeder Anbieter jedem Kunden Ökostrom ohne wesentliche Mehrkosten anbieten kann. Somit wird durch diese Zertifikate derzeit kein Anreiz geschaffen, den Anteil der erneuerbaren Energien am Gesamt-Energie-Mix auszubauen.

Weitere Informationen zu RECS Zertifikaten

Zusammenfassung und Fazit

Das unter anderem vom Naturschutzbund Deutschland herausgegebene Grüner Strom Siegel und das unter anderem von der Verbraucherzentrale NRW herausgegebene ok-power Label eignen sich besonders für die Ökostrom Kennzeichnung. Dank der scharfen Kriterien bei diesen Siegeln kann der Verbraucher sicher sein, dass sein Geld entweder in neue Anlagen zur Stromgewinnung aus erneuerbare Energien fließt oder eine sonstige positive Umweltwirkung entsteht. Nur durch die Bauung von Neuanlagen zur ökologischen Stromerzeugung kann sich der Energiemix in Deutschland in Richtung erneuerbare Energieträger entwickeln. Die Siegel der Landesgewerbeanstalt Bayern und des TÜVs legen nicht so scharfe Kriterien an die Vergabe der Gütesiegel wie beim ok-power und Grünen Strom Siegel. Die RECS Zertifikate sind nicht als Gütesiegel zu sehen sondern stellen eher ein Bilanzierungssystem der Stromwirtschaft dar und dient dazu, dass Ökostrom nicht doppelt vermarktet wird. RECS Zertifikate als Solches sind keine Auszeichnung für besonders umweltschonende Stromerzeugung. Einige Anbieter verzichten auch bewusst auf die RECS Zertifikate. Wenn Sie sich unsicher sind ob ihr Wunschanbieter auch wirklich sauberen Ökostrom verwendet, sprechen Sie Ihn darauf an ob ihr Geld in Neuanlagen für Ökologische Stromerzeugung fließt, ob RECS Zertifikate eingekauft werden oder ob der Ökostrom selbst erzeugt wird. Ein guter Anbieter wird Sie transparent über die Zusammensetzung seines Ökostromes informieren.

Weiterführende Links

Ökostrom Siegel im Vergleich
Empfehlungen zum Ökostrom
Was ist Ökostrom
Ökostrom Tarifrechner
Ökostrom Anbieter



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