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Wasser sparen – sinnvoll oder nicht

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Wasser sparen – nicht so gut für die Umwelt wie gedacht?

Jahrelang wurden Verbraucher dazu angehalten, Wasser zu sparen. Ihnen wurde eingeimpft: Je weniger sie davon verbrauchen, umso besser. Schließlich ist Wasser eine der wichtigsten Ressourcen, die wir haben. Tatsächlich ist der Pro-Kopf-Verbrauch an Wasser seit 1990 von 147 auf 122 Liter täglich gesunken.


Wasserverbrauch Entwicklung © Bild BDEW

Auch der Handel sendet die Botschaft: Wassersparen ist richtig und wichtig. Immer mehr Haushaltsgeräte werden angeboten, die weniger Wasser verbrauchen, wie Spül- oder Waschmaschinen. Toiletten-Spülkästen mit Spartasten sind in nahezu jedem Haushalt vorhanden.

Die Bundesbürger sind deswegen auch überwiegend der Meinung, dass sich Wassersparen positiv auf die Umwelt auswirkt.


Umfrage Wassersparen © Bild statista.com

Sparen um des Sparens willen?

Umso erstaunlicher, dass nun Stimmen laut werden, die das Wasser sparen kritisieren. So warnen Experten vor noch mehr Sparsamkeit. Und auch Umweltschützer melden sich zu Wort. Demnach ist übermäßige Sparsamkeit gar nicht so umweltfreundlich wie vermutet, wie unter anderem das Nachrichtenmagazin „Focus“ berichtet.

„Aus unserer Sicht ist ein effizienter Umgang mit Wasser sinnvoll – das Sparen um des Sparens willen aber nicht“, sagt Abwasserexperte Bernd Kirschbaum vom Umweltbundesamt. Das sieht auch Hans-Jürgen Leist vom Umwelt-Institut Ecolog in Hannover so. „Die Deutschen nehmen das Wasser viel zu wichtig. Sie verleihen ihm fast eine heilige Aura“, sagte er der Zeitung „Die Zeit“.

Jeder Bundesbürger könnte täglich 6.300 Liter Wasser verbrauchen

Deutschland hat ein hohes Wasservorkommen. 188 Milliarden Kubikmeter stehen in Deutschland pro Jahr zur Verfügung. Der Großteil des Wassers wird durch Regen gewonnen, der als Grundwasser im Boden versickert. Das macht pro Kopf und Tag 6.300 Liter. Verbraucht werden davon aber lediglich 20 Prozent. Um private Haushalte mit Trinkwasser zu versorgen, benötigen Wasserwerke sogar nur rund 2,7 Prozent. Den größten Anteil des Wassers verwenden Stromerzeuger zur Kühlung von Wärmekraftwerken.

Kein Durchfluss in Abwasserrohren mangels Wasser

Vor allem Wasserwerke warnen vor übertriebenem Sparen. Sinkt der Verbrauch, fließt zu wenig Abwasser durch die Rohre. Das Wasser steht, die Fäkalien bleiben liegen. Damit steigt auch das Risiko, dass sich Keime bilden. Das Problem entsteht demnach aus der Kombination aus zu wenig Abwasser und einem zu überdimensionierten Leitungssystem.

„Ohne ausreichenden Durchfluss müssen in den Rohren die Rückstände kostenintensiv beseitigt werden“, erklärt Hildegard Müller vom Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft. So wird in Berlin zum Teil sogar Trinkwasser in die Kanalisation gepumpt, um den Dreck wegzuspülen, und um Korrosion in den Rohren zu vermeiden. „Überzogenes Wassersparen verursacht oft technische und hygienische Probleme“, fasst die Spitzenmanagerin zusammen.

Experten: Regenwasserzisternen sind Augenwäscherei

Auch das Ökologie-Argument zieht nicht wirklich. Viele deutsche Verbraucher glauben zwar, ein gutes Werk für die Umwelt zu tun, wenn sie eine Regenwasserzisterne im Garten oder dem Dach haben. Aber: „Damit ersetzen sie bloß Grundwasser, also Regenwasser aus dem Boden, durch Regenwasser vom Himmel“, sagt Hans-Jürgen Leist vom Umwelt-Institut Ecolog in der ‚Zeit‘. Für die Umwelt mache es keinen Unterschied, da beides erneuerbare Ressourcen seien.

Regenwassernutzungsanlagen in privaten Haushalten können sogar schlecht für die Umweltbilanz sein, da bei deren Bau Unmengen an Energie und Rohstoffen verbraucht würden. Oft ist das gesammelte Wasser zudem verkeimt, so dass es nicht überall einsetzbar ist, ergänzt Bernd Kirschbaum vom Umweltbundesamt.

Umweltgedanke bei vielen oft nur vorgeschoben

Wasser
© yevgen-kotyukh, fotolia.com

Die Umwelt zu schonen, ist bei vielen Deutschen ohnehin nur ein netter Nebeneffekt des Sparens. So meint Hans-Jürgen Leist, dass die Deutschen nur deshalb so auf den Wasserverbrauch beim Zähneputzen und bei der Toilettenspülung achteten, weil sie sich bei diesen Sparmaßnahmen in ihrem täglichen Leben nicht wirklich umstellen müssten.

Anders sei es dagegen in punkto Autofahren und Reisen. Darauf möchten die Deutschen nur ungern verzichten. 100 Euro für eine sparsame Waschmaschine oder ein paar Tausend Euro für eine Regenzisterne auszugeben, schmerze nicht annähernd so sehr, wie den Energiekonsum dort einzuschränken, wo man sich im Lebensstil einschränken müsste.

Wasser sparen aus wirtschaftlichen Gründen rechnet sich nicht

Die „Zeit“ schreibt gar von „ökologischem Ablasshandel“: Auf der einen Seite machten sich viele kaum Gedanken beim CO2-Ausstoß und Erdölverbrauch. Auf der anderen Seite würden die Deutschen beinahe penibel beim Sparen von Wasser sein. Wirtschaftlich rechne sich eine Zisterne ohnehin nicht. „Mit dem Bau einer Zisterne lügt man sich in die Tasche“, so Leists Urteil. Gerade der Wunsch vieler Verbraucher, mit dem Wassersparen den Geldbeutel zu entlasten, erweist sich somit als weniger Erfolg versprechend als angenommen.

Ein weiterer Haken, den viele Bürger beim Spargedanken nicht mit einbeziehen: Sie müssen zwar zunächst weniger zahlen, wenn sie weniger Wasser verbraucht haben. Die festen Kosten – etwa für das Rohrsystem – bleiben für die Wasserwerke aber gleich. Und wie bekommen sie den Spagat hin, bei weniger verkauftem Wasser, aber gleichzeitig konstanten Fixkosten rentabel zu bleiben? Richtig: Sie erhöhen die Wasserpreise pro Kubikmeter.

Je mehr wir sparen, desto teurer wird das Wasser

Steigende Preise wiederum spornen Verbraucher an, künftig noch sparsamer zu sein. Und so dreht man sich im Kreis. Die Idee, durch weniger Wasserverbrauch auch den Geldbeutel zu entlasten, entpuppt sich gewissermaßen als Milchmädchenrechnung.

Vielleicht wäre es sinnvoller, wenn auch Wasserwerke einen Grundpreis einführten, wie zum Stromanbieter sie anbieten, oder eine Pauschale berechneten. Damit ließe sich der Kreislauf durchbrechen. Doch die Zeichen, dass sie eingeführt wird, stehen schlecht. „Mit einer Pauschale würden wir den Kunden signalisieren, dass sie mit Wasser nicht sparsam umgehen müssen“, zitiert die ‚Zeit‘ ein großes deutsches Wasserwerk, das nicht näher genannt werden möchte.

Gehen Wasserverschwender auch mit anderen Ressourcen sorglos um?

Das sei das falsche Signal, obwohl es längerfristig womöglich sogar die bessere Lösung sein könnte. „Das wäre zwar beim Wasser korrekt, aber die Leute würden das sorglose Verhalten auf andere Ressourcen übertragen, auch auf solche, bei denen sie wirklich sparen sollten“, heißt es bei dem Anbieter. Ob sich das so verallgemeinern lässt, sei dahingestellt. Dennoch bleibt die Frage: Wasser sparen oder nicht? Natürlich sollte man dennoch verantwortungsvoll beim Wasserverbrauch sein, vor allem im Bereich des Warmwassers, denn hier bedeutet Wasser verschwenden gleichzeitig auch Energie verschwenden.

Von den 122 Litern, die jeder Deutsche täglich verbraucht, entfallen 30 bis 40 Liter allein auf warmes Wasser. Um dieses Wasser zu erwärmen, werden pro Jahr und Person bis zu 800 Kilowattstunden Energie verbraucht. Und das hat – neben den Auswirkungen aufs eigene Portemonnaie – auch Auswirkungen auf die Umwelt.

Wer zum Beispiel häufiger badet als duscht, steigert dadurch den Energieverbrauch. Mehr Energieverbrauch bedeutet, dass auch die globale Erderwärmung schneller voranschreitet. Die wiederum führt dazu, dass trockene Landstriche noch trockener werden. Ein vernünftiger Umgang mit Wasser ist in diesem Fall also auch aus ökologischen Gründen wichtig.

Kehrtwende: Deutsche doch nicht so sparsam?

An dieser Stelle könnte das Fazit lauten: Gut, dass die Deutschen solche gewissenhaften Wassersparer sind. Doch nun kommt die Kehrtwende, denn so vorbildlich wie gedacht sind die Bundesbürger offenbar doch nicht. Das berichten jedenfalls diverse Medien.

So bezeichnet die „Süddeutsche Zeitung“ die Deutschen als die „größten Wasserverschwender weltweit“. Die Zeitung geht nämlich nicht von den zuvor erwähnten 122 Litern pro Kopf und Tag aus, sondern von sage und schreibe 5.288 Litern. Die SZ beruft sich dabei auf Angaben der Umweltorganisation WWF, nach denen jeder Deutsche täglich diese Menge verbraucht, wenn man das so genannte „versteckte Wasser“ mit einrechnet.

„Verstecktes Wasser“ – was ist das?

Mit „verstecktem Wasser“ ist das Wasser gemeint, das für die Herstellung bestimmter Güter benötigt wird, zum Beispiel für Textilien. Kauft ein Deutscher ein T-Shirt, verbraucht er den WWF-Zahlen zufolge etwa 3.000 Liter verstecktes Wasser. Dieses wird zum Beispiel zur Wässerung der Baumwollpflanzen oder für die Reinigung der Färbeanlagen verwendet. Aus diesem Grund glaubt auch die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“: „Das Wassersparen hat nicht viel gebracht.“ 

Was also tun? Bringen Verbraucherinformationen überhaupt etwas? Beim Umweltbundesamt gibt es darüber Zweifel. Eindeutige Klarheit gibt es hier wohl nicht, nicht einmal, wenn die Menge des versteckten Wassers auf Produkten angegeben würde. „Der einzige Effekt wäre, den Deutschen beim Wasserverbrauch wieder ein schlechtes Gewissen zu machen“, sagt Ingrid Chorus vom Umweltbundesamt.

Weitere Informationen
Artikelserie: Ist Wasser sparen in Deutschland sinnvoll?
Ebook mit Tipps zum Wasser sparen
Schluss mit dem Wassersparen, Artikel auf zeit.de



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