Grundlage der Fernwärme
Statt bei vielen Einzelversorgern wird die Energie bei der Fernwärme an zentralen Stellen, beispielsweise in Kraftwerken, gewonnen und mittels Rohren und Leitungen zu den Verbrauchern transportiert. Die Kraftwerke können, ähnlich wie die Mini-BHKWs für den Eigengebrauch, mittels Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) gleichzeitig Strom und Wärme erzeugen und so die eingesetzten Rohstoffe effizient ausnutzen.
Das Wichtigste in Kürze
- Ob Fernwärme an Ihrer Straße kommt, steht im kommunalen Wärmeplan – Frist: 2026 beziehungsweise 2028.
- Anbieterwechsel gibt es nicht: Das Netz gehört einem Unternehmen, der Vertrag bindet bis zu zehn Jahre.
- Netzverluste lagen 2023 laut AGFW bei rund elf Prozent der Wärmenetzeinspeisung.

Auf deren Auswahl hat der Verbraucher jedoch nur indirekt Einfluss. Meist bieten die Versorger unterschiedliche Tarife an, die Strom und/oder Wärme aus verschiedenen Energiequellen liefern. Die gelieferte Wärme stammt allerdings immer aus dem lokalen Netz; einen Lieferantenwechsel wie bei Strom und Gas gibt es in der Regel nicht.
Als Energieträger wird in der Regel Wasser verwendet, das an eine Übergabestation im Haus geliefert wird. Dort wird die Wärme auf das Wasser im hauseigenen Heizungs- bzw. Warmwassersystem übertragen. Verbrauchtes, in diesem Falle also kaltes Wasser, wird umgekehrt über die Leitungen wieder zum Versorger zurückgeleitet. Die Übergabestation nimmt nicht viel Raum ein und wird üblicherweise im Keller positioniert.

Da das System der Fernwärme ein verzweigtes Leitungsnetz voraussetzt, kommt es nicht für alle Regionen in Frage. Der Aufbau einer entsprechenden Infrastruktur ist meist lediglich dort wirtschaftlich vertretbar, wo viele Endverbraucher auf relativ kleinem Raum wohnen – Städte oder andere vergleichbar dicht besiedelte Gebiete. Im Gegensatz zu einigen alternativen Heizsystemen wie beispielsweise der Solarthermie ist man bei der Fernwärme in großem Maße von einem Versorger mitsamt seiner Preispolitik abhängig. Auf der anderen Seite muss man sich weder um die Brennstofflagerung noch um die Wärmeerzeugung bzw. den Betrieb der Anlage kümmern. Für die Anlage hinter dem Hausanschluss bleibt der Anschlussnehmer allerdings verantwortlich.
Wärmeplanung: Wann Sie erfahren, ob Fernwärme für Sie infrage kommt
Ob an Ihrer Straße ein Wärmenetz entsteht, plant seit 2024 auch die Kommune mit. Das Wärmeplanungsgesetz verpflichtet die Länder dafür zu sorgen, dass Gemeinden mit mehr als 100.000 Einwohnern bis zum 30. Juni 2026 einen Wärmeplan vorlegen, alle übrigen bis zum 30. Juni 2028. Der Plan ist eine strategische, rechtlich unverbindliche Fachplanung und weist aus, welche Gebiete voraussichtlich ein Wärmenetz bekommen und welche dezentral versorgt bleiben – also ob sich das Warten auf einen Anschluss lohnt oder ob Sie besser jetzt eine eigene Anlage planen. Ein Anspruch auf einen Anschluss folgt aus dem Plan allerdings nicht. Beim Heizungstausch selbst ist die Hausübergabestation zum Anschluss an ein Wärmenetz eine der zehn ausdrücklich zulässigen Optionen des § 42 Absatz 2 GModG. Fragen Sie bei Ihrer Gemeinde nach dem Stand der Planung, bevor Sie sich festlegen.
Fahrplan der kommunalen Wärmeplanung
Der Wärmeplan sagt Ihnen, ob Ihr Gebiet als Wärmenetzgebiet vorgesehen ist. Erst danach lässt sich seriös entscheiden, ob Sie auf einen Anschluss warten oder eine eigene Anlage planen.
- seit 1. Januar 2024Das Wärmeplanungsgesetz gilt. Die Länder müssen sicherstellen, dass Wärmepläne erstellt werden.
- bis 30. Juni 2026Wärmeplan für alle Gemeindegebiete mit mehr als 100.000 Einwohnern – Einwohnerzahl zum 1. Januar 2024.
- bis 30. Juni 2028Wärmeplan für alle übrigen Gemeindegebiete. Für Gemeinden unter 10.000 Einwohnern können die Länder ein vereinfachtes Verfahren vorsehen.
Kosten und Wirtschaftlichkeit von Fernwärme
Fernwärme setzt eine umfangreiche Infrastruktur voraus, die vom Energieversorger aufgebaut und betrieben wird. Für den Verbraucher fallen daher zunächst lediglich Investitionskosten für die Übergabestation im eigenen Haus und den Anschluss an das Fernwärmenetz an. Da in größeren Städten meist Bewohner von Mehrfamilienhäusern bis hin zu Hochhäusern Fernwärme beziehen, verteilt sich der Betrag auf viele Schultern.
Die Kosten eines Anschlusses an das Fernwärmenetz inklusive der Übernahmestation belaufen sich für Besitzer eines Einfamilienhauses auf rund 3.000 bis 8.000 Euro. Der Betrag ist stark standort- und objektabhängig; die Verbraucherzentrale nennt je nach Aufwand auch Spannen bis 20.000 Euro. Holen Sie vor der Entscheidung ein verbindliches Angebot des Netzbetreibers ein. Einige Hersteller solcher Stationen bieten Modelle an, die speziell für kleine Versorgungseinheiten konzipiert worden sind. Allerdings sollte abgewogen werden, ob sich Fernwärme für kleine Gebäude im Einzelfall lohnt. Oftmals stehen Bewohnern freistehender Häuser wirtschaftlichere Alternativen der Wärmeversorgung zur Verfügung. Die Anschlusskosten verteilen sich dort auf nur einen Abnehmer.
Meist wird zusätzlich ein Warmwasserspeicher installiert, in dem das Wasser durch einen Wärmeübertrager in der Übernahmestation erhitzt wird. Die Menge des sofort verfügbaren Heizungs- und Brauchwassers hängt dabei von der Größe des Speichers ab. Für Warmwasserspeicher besteht keine allgemeine Reinigungspflicht; maßgeblich sind die hygienischen und technischen Anforderungen der jeweiligen Trinkwasserinstallation. Eine weitere Möglichkeit besteht im Einsatz eines Durchfluss- oder Durchlauferhitzers, der Warmwasser sofort zur Verfügung stellen kann. Allerdings verbraucht der Betrieb solch eines Durchlauferhitzers viel Strom.

Die laufenden Kosten ergeben sich aus dem Umfang der Wärmenutzung. Die meisten Tarife der Versorger gliedern sich in einen festen jährlichen Grundpreis sowie einen variablen, vom Gebrauch abhängigen Arbeitspreis. Manche Anbieter staffeln ihre Tarife zusätzlich nach der Gesamtabnahmemenge pro Jahr. Der Grund- sowie der Arbeitspreis können in diesem Fall sinken, je höher der Verbrauch aller Wohnparteien ist bzw. je mehr Wohnparteien sich einen Anschluss teilen. Maßgeblich ist immer die Preisregelung des örtlichen Versorgers. Eventuell werden weitere Kosten fällig, beispielsweise für die Installation und das Betreiben verschiedener Zähler sowie deren regelmäßige Ablesung.
In den Preisen eingerechnet sind die zahlreichen Dienstleistungen, um die sich bei Bezug von Fernwärme in der Regel der Versorger kümmert. Dazu gehören beispielsweise die Wartung und Instandhaltung des Leitungsnetzes, die Beschaffung und der Transport der Brennstoffe sowie deren Lagerung. Manche Anbieter weisen diese Kosten separat als Verrechnungs- oder Messpreis aus.
Was im Fernwärmevertrag steht
Anders als bei Strom und Gas können Sie den Fernwärmeanbieter nicht wechseln – das Netz gehört einem Unternehmen. Umso wichtiger ist der Vertrag. Die Verordnung über Allgemeine Bedingungen für die Versorgung mit Fernwärme setzt dafür feste Grenzen: Ein Versorgungsvertrag darf höchstens zehn Jahre laufen, und wenn ihn keine Seite neun Monate vor Ablauf kündigt, verlängert er sich stillschweigend um jeweils weitere fünf Jahre (§ 32 AVBFernwärmeV). Mieter, die selbst Vertragspartner sind, können anlässlich des Endes ihres Mietverhältnisses jederzeit mit zwei Monaten Frist kündigen. Der Preis folgt einer im Vertrag festgelegten Preisänderungsklausel, die nach § 24 Absatz 4 AVBFernwärmeV sowohl die Kostenentwicklung bei Erzeugung und Bereitstellung als auch die Verhältnisse auf dem Wärmemarkt angemessen berücksichtigen und ihre Berechnungsfaktoren verständlich ausweisen muss – lassen Sie sich diese Klausel vor Unterschrift erklären, sie bestimmt über die gesamte Laufzeit, wie stark Ihr Preis schwanken kann.
Vor der Unterschrift: Diese sechs Punkte klären
Umweltverträglichkeit der Fernwärme
Bei der Fernwärme gibt es mehrere Einflussfaktoren, die die Umweltverträglichkeit erheblich beeinflussen können – im positiven wie im negativen Sinne. Ein entscheidender Faktor ist, woraus die gelieferte Wärme erzeugt wurde. In Deutschland ist die Kraft-Wärme-Kopplung weiterhin der wichtigste Erzeugungsweg der Fernwärme; im AGFW-Hauptbericht 2024 liegt der bundesweite Anteil klimaneutraler Wärmequellen bei 33 Prozent. Allerdings kann sie mit nahezu allen Brennstoffen betrieben werden, neben regenerativen Energien folglich auch mit fossilen Rohstoffen.
Darüber hinaus spielt der Zustand des Leitungsnetzes eine große Rolle. Obwohl die Transportwege selbstverständlich gedämmt und geschützt sind, geht ein Teil der Energie auf dem Weg zum Verbraucher verloren – laut AGFW 2023 im Schnitt aber nur rund elf Prozent der Wärmenetzeinspeisung. Die Erschließung neuer Gebiete für das Fernwärmenetz ist außerdem mit empfindlichen Eingriffen in das Erdreich verbunden, um die Leitungen zu verlegen und verzweigte Gebiete an das Netz anzuschließen. Da Fernwärme jedoch in der Regel in dicht besiedelten Regionen genutzt wird, fällt dieser Aspekt in der Ökobilanz nicht allzu sehr ins Gewicht.

Der Endverbraucher hat ebenfalls einen Einfluss auf die tatsächliche Umweltverträglichkeit. Hier ist zunächst der örtliche Netzbetreiber zu nennen, der sich seiner Verantwortung der Natur gegenüber bewusst ist und möglichst nachhaltige Energiequellen für seine Produktion nutzt. Fragen Sie dort nach den veröffentlichten Netzinformationen und dem Dekarbonisierungsfahrplan. Darüber hinaus haben Übernahmestationen mit Durchlauferhitzern einen hohen Strombedarf, der mit alternativen Modellen in vielen Fällen vermieden werden kann. Gemeint ist dabei der elektrische Durchlauferhitzer im Gebäude, nicht die Übergabestation selbst. Nutzt man einen Durchlauferhitzer, so verbessert immerhin die Wahl eines Ökostrom-Anbieters die Gesamtbeurteilung unter ökologischen Gesichtspunkten.
Zusammenfassung wichtiger Faktoren zur Fernwärme
Faktoren | Fernwärme |
|---|---|
| Anschaffungskosten | 3.000 – 8.000 € (stark standort- und objektabhängig) |
| Betriebskosten | 800 – 1.300 € (Einfamilienhaus 100qm) als Orientierung; maßgeblich sind Anschlussleistung sowie Grund- und Arbeitspreis des örtlichen Netzes |
| Umweltverträglichkeit | Abhängig vom Erzeugungsverfahren und dem Zustand des Leitungsnetzes. Zusätzlicher Strombedarf, wenn das Warmwasser über einen elektrischen Durchlauferhitzer bereitet wird |
| Zukunftssicherheit | Kernoption der kommunalen Wärmeplanung. Technologie vor allem lohnend in dicht besiedelten Gebieten; entscheidend sind Anschlussmöglichkeit, Preisregelung und Dekarbonisierungsfahrplan des konkreten Netzes |
| Fördermittel | Kann für bestehende Wohngebäude im Rahmen der Bundesförderung förderfähig sein; maßgeblich sind die aktuellen KfW-Vorgaben |
| Vorteile | # Variable Berechnung des Verbrauchs # Keine Lagerhaltung nötig # Wartung etc. wird vom Versorger übernommen |
| Nachteile | # Energieverluste bei Erzeugung und Transport durch Leitungsnetze # Abhängigkeit vom Versorger # Kein Anbieterwechsel möglich |
Alle Angaben stellen Richtwerte dar und beruhen auf eigenen Recherchen und Berechnungen. Die tatsächlichen Kosten können, abhängig von Ihrer individuellen Wohnsituation und den baulichen Gegebenheiten vor Ort, erheblich von den obigen Beträgen abweichen. Weitere, regionale Fördermöglichkeiten sind unter Umständen verfügbar.
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