Aussteller und Ziele
Das Grüner Strom Label wird vom gleichnamigen Verein vergeben, der 1998 von Umwelt- und Verbraucherverbänden ins Leben gerufen wurde und seine Geschäfte von Bonn aus führt. Zu den Gründungsimpulsen gehörte die Vereinigung EUROSOLAR, die von Hermann Scheer, Träger des Alternativen Nobelpreises, zur Förderung erneuerbarer Energien initiiert wurde. Träger des Vereins sind heute der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), der Naturschutzbund Deutschland (NABU), der Deutsche Naturschutzring (DNR), die Ärzteorganisation IPPNW, die Verbraucher Initiative sowie EUROSOLAR.
Das Wichtigste in Kürze
- Das Grüner Strom-Label zertifiziert einzelne Ökostromtarife: 100 Prozent Erneuerbare plus verpflichtende Investitionen in Energiewende-Projekte.
- Hinter dem Label stehen Umwelt- und Verbraucherverbände wie BUND, NABU und die Verbraucher Initiative.
- Im April 2026: 238 Tarife von 39 Anbietern; Strom- und Gas-Label finanzierten seit 1998 über 117 Millionen Euro für über 2.000 Projekte.

Der Schwerpunkt dieses Labels liegt auf der Förderung neuer Anlagen zur Erzeugung von umweltfreundlichem Strom aus erneuerbaren Energien. Um das vorgegebene Ziel zu erreichen, werden zertifizierte Anbieter auf verschiedene Weise dazu verpflichtet, einen bestimmten Teil ihres Erlöses in die Förderung entsprechender Projekte zu investieren. Hervorzuheben ist das breite Spektrum an Vereinsträgern und -mitgliedern aus unterschiedlichen Bereichen, das den ganzheitlichen Ansatz des Labels dokumentiert.
Zertifizierungsmerkmale Grüner Strom Label
Mit dem Grüner Strom Label werden keine Anbieter, sondern einzelne Tarife beziehungsweise Produkte zertifiziert. Der Versorger verpflichtet sich durch die Zertifizierung, je verkaufter Kilowattstunde Strom einen festen Betrag für Energiewende-Projekte zu investieren: bei Privatkundentarifen grundsätzlich mindestens 0,5 Cent pro Kilowattstunde; bei freigegebenen, zeitlich begrenzten Vertriebsaktionen darf der Betrag im ersten Vertragszeitraum um 50 Prozent sinken. Bei Gewerbekunden sind je nach Verbrauch 0,1 bis 0,4 Cent vorgesehen. So können zusätzlich Projekte realisiert werden, die ohne diese Förderung nicht zustande kämen. Die zertifizierten Tarife werden alle zwei Jahre anhand des Kriterienkatalogs überprüft; die Gutachten validiert ein unabhängiges Institut. Ausgeschlossen sind Energieanbieter mit direkten Beteiligungen an Atomkraftwerken; bei direkten Kohlebeteiligungen gilt grundsätzlich der Stichtag 1. Januar 2027. Für bestimmte Alt-Labelnehmer mit Minderheitsbeteiligung kann eine Einzelfallausnahme gelten.
Auf der Seite des Labelanbieters sind detaillierte Informationen über viele der bisher mehr als 2.000 unterstützten Energiewende-Projekte nachzulesen. Über die Zertifizierung mit Grüner Strom- und Grünes Gas-Label flossen seit 1998 über 117 Millionen Euro in diese Projekte – so die Bilanz des Vereins vom April 2026. So können Kunden eines mit dem Grüner Strom Label zertifizierten Produkts unmittelbar sehen, wohin ihre Investition geflossen ist. Das Label können nur Produkte erlangen, die 100 % Strom aus erneuerbaren Energiequellen liefern. Zertifizierte Stromversorger müssen die Fördermittel nach dem Kriterienkatalog in Energiewende-Projekte fließen lassen. Förderfähig sind neben Anlagen für erneuerbare Energien auch Energieinfrastruktur – etwa intelligente Stromzähler –, Effizienzmaßnahmen und Mobilitätsprojekte.

Verbreitung des Grünen Strom Labels
Im April 2026 trugen 238 Ökostromtarife von 39 Energieversorgern das Grüner Strom-Label – rund dreimal so viele wie zehn Jahre zuvor. Dem Label liegt ein detaillierter Kriterienkatalog zu Grunde, der von unabhängigen Energieexperten entworfen wurde und von Umwelt- und Verbraucherschutzverbänden regelmäßig überprüft und überarbeitet wird. Der aktuelle Kriterienkatalog stammt aus dem Jahr 2021. Eine tabellarische Auflistung mit allen wichtigen Fakten zu den verschiedenen Gütesiegeln finden Sie auch in unserem Internet-Angebot.
So finden Sie zertifizierte Tarife
Eine Liste aller aktuell zertifizierten Tarife führt der Verein auf seiner Website. Zusätzlich betreiben die Umweltverbände mit vergleich-dich-gruen.de ein eigenes Tarifportal, das ausschließlich Angebote mit Grüner Strom-Label oder Grünes Gas-Label listet – dort lässt sich direkt prüfen, ob ein zertifizierter Tarif am eigenen Wohnort verfügbar ist. Wichtig für Gaskunden: Das parallel vergebene Grünes Gas-Label läuft nach einem Vereinsbeschluss vom Juni 2026 bis Ende 2029 aus; der Verein konzentriert seine Arbeit danach auf das Strom-Label.
Beurteilung des Grüner Strom Labels
Ähnlich wie beim ok-power Label wird durch die vorgegebenen Zertifizierungskriterien viel Wert auf den Ausbau von Anlagen zur Gewinnung von sauberem Strom gelegt. Das Label schließt Herkunftsnachweise nicht aus, verlangt aber mehr als deren bloße Entwertung: Sie müssen mit der zugrunde liegenden Strommenge gekoppelt sein. Der strenge und verpflichtende Kriterienkatalog kann in voller Länge von der Vereinshomepage heruntergeladen werden. Große Energiekonzerne dürften in der Praxis große Schwierigkeiten haben, die Vorgaben zur Zertifizierung zu erfüllen. Das Label ist Verbrauchern als Entscheidungsgrundlage zu empfehlen.
Ein Kritikpunkt könnte in den vom Label aufgestellten Vorgaben gesehen werden. Mit der zusätzlichen Förderung von 0,5 Cent pro Kilowattstunde werden auch Projekte unterstützt, die alleine mit der Förderung aus dem Erneuerbare-Energien-Gesetz nicht wirtschaftlich wären. Es stellt sich die Frage, ob die Realisierung mancher Projekte wirtschaftlich geboten ist, wenn sie überhaupt nur mit doppelter Förderung durch das EEG und die zusätzlichen Beträge durch das Label realisiert werden können.
Grüner Strom-Label: Stärken und Grenzen
Vorteile
- Zertifizierte Tarife liefern zu 100 Prozent Strom aus erneuerbaren Energien und investieren feste Beträge je Kilowattstunde in Energiewende-Projekte.
- Getragen von unabhängigen Umwelt-, Friedens- und Verbraucherverbänden statt von Anbietern selbst.
- Zertifizierte Tarife werden alle zwei Jahre überprüft, die Gutachten validiert ein unabhängiges Institut.
- Transparente Projektliste: Kunden können nachvollziehen, wohin die Investitionen fließen.
Nachteile
- Zertifiziert wird der einzelne Tarif, nicht der Anbieter – der übrige Strommix eines Versorgers kann konventionell sein.
- Direkte Kohlebeteiligungen sind grundsätzlich ab 1. Januar 2027 ein Ausschlusskriterium; für bestimmte Alt-Labelnehmer kann eine Einzelfallausnahme gelten.
- Kritiker fragen, ob jedes zusätzlich geförderte Projekt wirtschaftlich sinnvoll ist.
- Die Vielfalt an Ökostrom-Siegeln am Markt bleibt für Laien unübersichtlich.
Förderprogramm SolidarSolar
Anfang 2014 legte der Verein mit „SolidarSolar“ erstmals ein eigenes Förderprogramm für Photovoltaikanlagen auf Gebäuden gemeinnütziger Einrichtungen auf; 2019 folgte eine zweite Runde („SolidarSolar 2.0“). Gefördert wurden Vereine und Einrichtungen aus dem sozialen, karitativen, bildungspolitischen oder kirchlichen Bereich sowie kommunale und genossenschaftliche Baugesellschaften. Ob und zu welchen Konditionen aktuell eine Förderrunde läuft, erfahren Interessierte direkt beim Grüner Strom Label e.V.
Häufige Fragen zum Grüner Strom-Label
Gilt das Label für den Anbieter oder für den Tarif?
Wie finde ich einen Tarif mit Grüner Strom-Label?
Kostet ein zertifizierter Tarif automatisch mehr?
Was passiert, wenn ein Tarif die Kriterien nicht mehr erfüllt?
Zusammenfassung wichtiger Fakten zum Grünen Strom Label
Faktoren | Grüner Strom Label |
|---|---|
| Aussteller | Grüner Strom Label e.V. |
| Wer steht dahinter? | Umwelt-, Friedens- und Verbraucherverbände: BUND, NABU, DNR, IPPNW, Verbraucher Initiative, EUROSOLAR |
| Geforderter Anteil an Strom aus regenerativen Quellen | 100 % |
| Verpflichtende Förderung des Ausbaus regenerativer Energien? | Ja |
| Kritikpunkte | Eventuell Förderung nicht wirtschaftlicher Projekte |
| Urteil | Empfehlenswert |
Aussteller und Ziele Ziel des ok-power-Labels ist es, zu mehr Transparenz auf dem Ökostrom-Markt beizutragen und Angebote hervorzuheben, die tatsächlich… weiterlesen


