TÜV Ökostrom Siegel

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Aussteller und Ziele

Alle drei großen regionalen Holdings, der TÜV Süd, der TÜV Rheinland sowie der TÜV Nord, vergeben eigene Gütesiegel für Ökostrom-Produkte.

Der Technische Überwachungs-Verein, kurz: TÜV, dürfte den meisten von der regelmäßigen Kfz-Untersuchung bekannt sein. Der TÜV ist privatwirtschaftlich organisiert und umfasst mehrere regionale Gesellschaften, wobei es durchaus zu Überschneidungen der Tätigkeitsbereiche kommen kann. Daher vergeben alle drei großen regionalen Holdings, der TÜV Süd, der TÜV Rheinland sowie der TÜV Nord, eigene Gütesiegel für Ökostrom-Produkte.

TÜV Nord Ökostrom Siegel
TÜV Nord Ökostrom Siegel

Das Zertifizierungsverfahren wurde gemeinsam von den Technischen Überwachungs-Vereinen mit dem Ziel erarbeitet, die Glaubwürdigkeit der Ökostrom-Angebote zu erhöhen, ihren weiteren Ausbau zu fördern und die Verbraucher vor Missbrauch zu schützen.

Zertifizierungsmerkmale der TÜV Ökostrom Siegel

Insgesamt bieten der TÜV Nord und der TÜV Rheinland je ein Gütesiegel an, während der TÜV Süd mehrere Ökostrom-Auszeichnungen im Programm hat. Für alle Produkte gilt ein unterschiedlicher Kriterienkatalog.

TÜV-Nord Ökostrom Siegel
Der TÜV Nord setzt seit Dezember 2011 einen eigenen Prüf-Standard ein. Grundlage für die Vergabe ist, dass 100 % des gelieferten Stroms aus erneuerbaren Energien gewonnen wird. Darüber hinaus muss ein Anteil von mindestens 33 Prozent des bereitgestellten Stroms aus Anlagen stammen, die jünger als sechs Jahre alt sind oder in diesem Zeitraum verbessert wurden. Alternativ kann nachgewiesen werden, dass ein Betrag von netto 0,25 Cent pro Kilowattstunde in den Zubau von Anlagen zur regenerativen Energieerzeugung geflossen ist. Wer die Kriterien erfüllt und sich zertifizieren lässt, darf mit dem Label „Geprüfter Ökostrom“ werben.

TÜV-Rheinland Ökostrom Siegel
Das vom TÜV Rheinland vergebene Siegel setzt ebenfalls auf eine 100-prozentige Versorgung mit Strom aus regenerativen Quellen und fordert darüber hinaus die CO2-Neutralität der gelieferten Energie. Außerdem bestätigt das Label, dass die Anlagen zur Erzeugung allgemeinen Standards des Umweltschutzes entsprechen. Verliehen wird das Zertifikat „100 Prozent erneuerbare Energie“.

TÜV-Süd Ökostrom Siegel
Der TÜV Süd bietet im Bereich des Ökostroms mehrere Kriterienkataloge an. So können sich die erzeugenden Unternehmen selbst zertifizieren lassen, aber auch die Zertifizierung von Unternehmen als „Ökostrom-Verbraucher“ ist möglich. Darüber hinaus können unter anderem die Stromkennzeichung und die Sicherung von Arbeits- und Leistungszusagen zertifiziert werden. Für den Verbraucher sind vor allem die Prüfsiegel EE01 und EE02 relevant. Bei mit diesen Siegeln ausgezeichneten Tarifen stammt der gelieferte Strom zu 100 % aus erneuerbaren Energien. EE01- und EE02-Tarife müssen einen Aufpreis für Ökostrom in den Ausbau regenerativer Energien stecken. Das Label EE01 verlangt, dass mindestens 30 % des Stroms aus Erzeugungsanlagen stammt, die jünger als 36 Monate sind. Im Kriterienkatalog EE02 wird stattdessen eine Zeitgleichheit zwischen Erzeugung und Verbrauch verlangt. Damit würden keine nuklearen oder fossilen Kraftwerke mehr als Versorgungssicherung benötigt.

Verbreitung der TÜV Ökostrom Siegel

Aussagekräftige Informationen über die genaue Verbreitung der zahlreichen TÜV-Ökostrom-Siegel gibt es nicht bei jeder Regionalgesellschaft. Aufgrund der unterschiedlichen Kriterienkataloge der vergebenen Siegel sollten Verbraucher genau darauf achten, von welchem Regionalverband das Label stammt und welche Forderungen an den Energieversorger damit verbunden sind.

Beurteilung der TÜV Ökostrom Siegel

Hinter den verschiedenen Labels stehen mit den TÜV-Organisationen kompetente und erfahrene Prüfungsinstitutionen. Aufgrund der Vielzahl an angebotenen Produkt-, Dienstleistungs- und Personenzertifizierungen hat das Gütesiegel den großen Vorteil, dass Verbraucher mit seinem Aussehen und der dahinter stehenden Organisation bereits vertraut sind – ob dies nun die TÜV-Plakette am Auto oder das Reisebüro um die Ecke betrifft. Die angelegten Prüfkriterien sind allerdings weniger streng als beim ok power- oder dem Grüner Strom-Siegel. Darüber hinaus sorgen die Vielzahl an unterschiedlichen Siegeln sowie die teilweise problematische Eigentümerstruktur für Verwirrung. Das Label ist Verbrauchern als Entscheidungsgrundlage daher nur eingeschränkt zu empfehlen.

Zu den Kritikpunkten zählt, dass die Vielzahl verschiedener Siegel auf manchen Verbraucher eher verwirrend als erhellend wirkt. Das trifft mittlerweile allerdings auf die gesamte Zertifikate-Landschaft, und nicht nur auf die TÜV-Gesellschaften zu. Interessenten müssen sich die verschiedenen Prüfkriterien zusammensuchen und ihre Besonderheiten erkennen, wobei unsere Ratgeber diese Arbeit hoffentlich erleichtern. Die Siegel haben durch ihre abweichenden Vorgaben eine sehr unterschiedliche Aussagekraft.

Auch wenn der TÜV Süd als eigenständiges Unternehmen auftritt, so ist doch zu berücksichtigen, dass es sich formal um eine Aktiengesellschaft handelt. Nahezu drei Viertel der Aktien sind im Besitz des TÜV SÜD e.V. Zu den Mitgliedern des Vereins zählen die drei großen Energiekonzerne Vattenfall, E.ON und EnBW. Besonders kritischen Verbrauchern könnte diese Gemengelage bereits ausreichen, um bei der Entscheidung für oder gegen einen Ökostrom-Tarif lieber anderen Siegeln ihr Vertrauen zu schenken. Dass TÜV Nord-Siegel stand wiederholt in der Kritik, weil es sich nur auf einzelne Produkte bezieht. Selbst, wenn sämtliche restlichen Tarife des Anbieters auf Atomstrom und Braunkohle setzen, bleibt dies unberücksichtigt.

Darüber hinaus sind vielen Kritikern die unverbindlichen Zielvorgaben ein Dorn im Auge. So ist beim TÜV Nord und TÜV Rheinland nicht verpflichtend festgelegt, in welche Art von Anlagen ein eventueller Aufpreis investiert werden muss. Dagegen setzen das TÜV Süd-Label EE01 einen bestimmten Prozentsatz an Anlagen voraus, die seit weniger als drei Jahren in Betrieb sind.

Manch ein Verbraucher sieht auch den Handel mit Öko-Zertifikaten kritisch. Diese Zertifikate sind seit Jahren in den Schlagzeilen, da sie getrennt von tatsächlich erzeugtem Strom gehandelt werden. Der TÜV Süd schließt den Handel mit solchen Zertifikaten nicht grundsätzlich aus, während die Kriterien des TÜV Nord zu vage sind, um den Ausbau erneuerbarer Energien überhaupt zu unterstützen. Aufgrund der stellenweise wenig anspruchsvollen Forderungen hinsichtlich der Förderung regenerativer Energien sind auch viele Tarife der großen Energiekonzerne mit dem TÜV-Siegel zertifiziert.

Zusammenfassung wichtiger Fakten zu den TÜV Ökostrom Siegeln


Faktoren

TÜV Ökostrom Siegel
Aussteller TÜV Nord, TÜV Rheinland, TÜV Süd
Wer steht dahinter? Technischer Überwachungs-Verein
Geforderter Anteil
an Strom aus
regenerativen Quellen
# Nord, Rheinland und Süd EE01 sowie EE02: 100 %
Verpflichtende Förderung
des Ausbaus
regenerativer Energien?
# TÜV Nord und TÜV Süd: Ja, Preisaufschlag oder Nachweis von Neuanlagen-Ausbau
# TÜV Rheinland: Nein
Kritikpunkte # Handel mit Öko-Zertifikaten zulässig
# Vielzahl an Siegeln verwirrend
# Teilweise unverbindliche Zielvorgaben für Versorger
# Mehrheit der TÜV Süd-Aktien liegt bei Verein mit Energiekonzernen als Mitgliedern
Urteil Eingeschränkt empfehlenswert

Weiterführende Informationen

TÜV Nord – Ökostrom-ZertifizierungTÜV Rheinland – Ökostrom-ZertifizierungTÜV Süd – Ökostrom-ZertifizierungInformationen zu allen Ökostrom Gütesiegel und ZertifikatenÖkostrom Tarifrechner

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