
Was ist Ökostrom?
Mit dem Begriff Ökostrom wird elektrische Energie bezeichnet, die auf ökologisch vertretbare Weise aus erneuerbaren Energiequellen, aus nachwachsenden Rohstoffen oder umweltschonenden Energiequellen hergestellt wird. Dies geschieht in Abgrenzung zu der Energie, die aus Kernkraft oder fossilen Energieträgern gewonnen wird. Die Sicherheitsrisiken, die durch den Betrieb von Kernkraftanlagen und radioaktiven Abfall entstehen, sowie die Freisetzung von CO₂ durch die Nutzung fossiler Energieträger sollen durch Ökostrom vermieden werden.
Das Wichtigste in Kürze
- Ökostrom stammt aus erneuerbaren Quellen wie Wind, Sonne, Wasser und Biomasse – 2025 deckten erneuerbare Energien gut 55 Prozent des deutschen Stromverbrauchs.
- Aus der Steckdose kommt physisch immer der gleiche Strommix; für verkauften Ökostrom werden Herkunftsnachweise im UBA-Register entwertet.
- Herkunftsnachweise belegen nur die Herkunft – echten Zusatznutzen zeigen Gütesiegel wie ok-power oder Grüner Strom Label.


Was sind Energiequellen für Ökostrom in Deutschland?
Energie für Ökostrom wird vor allem aus sogenannten erneuerbaren Energiequellen gewonnen. Auch Energiegewinnung aus nachwachsenden Rohstoffen sowie umweltschonende Energiegewinnung durch Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen (KWK) werden als ökologisch sinnvoll angesehen.

Erneuerbare Energien
Als erneuerbare Energien, auch regenerative Energien oder Alternativenergien, bezeichnet man nachhaltige Energiequellen. Sie erneuern sich auf natürliche Weise und stehen damit im Gegensatz zu fossilen Energieträgern und konventionellen Kernbrennstoffen, deren Vorkommen bei kontinuierlicher Entnahme stetig abnimmt. Zu den regenerativen Energien zählen Wasser-, Wind- und Sonnenenergie sowie Erdwärme. Diese Energiequellen stehen praktisch unerschöpflich zur Verfügung und setzen bei der Stromerzeugung selbst kein CO₂ frei.
Nachwachsende Rohstoffe
Nachwachsende Rohstoffe sind organische Rohstoffe, die aus land- und forstwirtschaftlicher Produktion stammen, wie zum Beispiel Holz, Stroh, Mais sowie organische Abfälle von Haushalten, Industrie sowie Land- und Forstwirtschaft. Im Unterschied zu fossilen Brennstoffen ist bei diesen Rohstoffen der Kohlenstoff nicht seit Jahrmillionen aus dem atmosphärischen Kreislauf entzogen. Bei der Verbrennung von Biomasse entsteht CO₂. Wie klimafreundlich sie ist, hängt unter anderem vom Rohstoff, der Lieferkette und davon ab, wie schnell die Biomasse nachwächst. Die Nutzung von Biomasse ist daher nicht automatisch CO₂-neutral.

Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen
In einer Kraft-Wärme-Kopplungsanlage (KWK) wird gleichzeitig Strom und Nutzwärme erzeugt. Durch diese Kopplung können die eingesetzten fossilen Energieträger sehr viel effizienter genutzt werden als bei der herkömmlichen Erzeugung in getrennten Anlagen. Trotz der Verwendung fossiler Brennstoffe gilt Kraft-Wärme-Kopplung als vergleichsweise klimaschonend, da deutlich weniger CO₂ entsteht als bei der getrennten Erzeugung von Strom und Wärme und in erheblichem Umfang Primärenergie eingespart wird. Wichtig für die Einordnung: Fossil befeuerte KWK-Anlagen gelten deshalb als ökologisch sinnvoll, liefern aber keinen Ökostrom im engeren Sinne. Perspektivisch können viele Anlagen statt Erdgas auch Wasserstoff oder Biomethan nutzen. Die CO₂-Bilanz verbessert sich jedoch nur, wenn diese Energieträger klimafreundlich erzeugt und bereitgestellt werden. Zunehmend an Bedeutung gewinnen kleinere KWK-Anlagen für die Versorgung einzelner Wohngebiete beziehungsweise einzelner Mehr- und sogar Einfamilienhäuser, sogenannte Blockheizkraftwerke (BHKW).
Wieviel Strom wird aus erneuerbaren Energien gewonnen?
Im Jahr 2025 stammten rund 59 Prozent der in das Netz der allgemeinen Versorgung eingespeisten Strommenge aus erneuerbaren Energien; gemessen am Bruttostromverbrauch lag der Ökostrom-Anteil bei gut 55 Prozent. Die erneuerbaren Energien liefern damit deutlich mehr Strom als alle konventionellen Energieträger zusammen und prägen den deutschen Strommix. Wichtigster einzelner Energieträger ist die Windkraft, gefolgt von der Photovoltaik – zusammen liefern beide über drei Viertel des erneuerbaren Stroms.

Kann man reinen Ökostrom beziehen?
Wer einen Ökostromtarif abschließt, bekommt den gleichen Strom aus der Steckdose geliefert wie bisher. Es findet keine direkte Leitung des Stromes von einem Ökostrom-Kraftwerk zu einem Anschluss eines bestimmten Verbrauchers statt. Den Strom so gezielt zu lenken, ist nicht möglich; Strom lässt sich im Netz zudem nur begrenzt speichern, auch wenn Batteriespeicher und Pumpspeicherkraftwerke an Bedeutung gewinnen. Wer einen Ökostromvertrag abgeschlossen hat, bezieht aus seiner Steckdose also nicht nur ökologisch produzierten Strom. Am ehesten kann man sich das Stromnetz als einen großen See vorstellen. Die Stromproduzenten speisen den „Stromsee“ mit Strom, der aus verschiedenen Energiequellen, wie zum Beispiel Atomkraft, Kohle- oder Windenergie, gewonnen wurde. Die Verbraucher sorgen für den Abfluss aus dem Stromsee, indem sie Strom verbrauchen. Je mehr Verbraucher sich für ökologisch erzeugten Strom entscheiden, desto mehr grünen Strom müssen die Lieferanten bilanziell für sie in den See einspeisen – nachgewiesen über entwertete Herkunftsnachweise. Mit der Tarifwahl können Verbraucher Nachfrage nach Ökostrom sichtbar machen. Ob dadurch zusätzliche Anlagen entstehen, hängt aber vom Tarif ab: Herkunftsnachweise allein belegen keinen Ausbau erneuerbarer Energien.
Drei Missverständnisse rund um Ökostrom

Wird Ökostrom in Deutschland staatlich gefördert?
Ökostrom wird in Deutschland durch den Staat finanziell gefördert. Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) soll den Ausbau der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien vorantreiben. Mithilfe des Gesetzes soll der Anteil der erneuerbaren Energien am Bruttostromverbrauch bis 2030 auf mindestens 80 Prozent steigen. Deutschland hat sich im Klimaschutzgesetz zudem verpflichtet, die Treibhausgasemissionen bis 2030 um 65 Prozent gegenüber 1990 zu senken und bis 2045 treibhausgasneutral zu werden.
Grundgedanke ist, dass Betreiber ökologischer Stromerzeugungsanlagen über einen festen Zeitraum – in der Regel 20 Jahre – eine gesetzlich festgelegte Einspeisevergütung oder Marktprämie für den eingespeisten Strom erhalten. Deren Höhe richtet sich nach der jeweiligen Erzeugungsart, um einen wirtschaftlichen Betrieb der Anlagen zu ermöglichen. Gefördert wird die Stromerzeugung aus Wasserkraft, Deponiegas, Klärgas und Grubengas, Biomasse, Geothermie, Windenergie und Solarenergie. Der zuständige Netzbetreiber muss die Anlagen anschließen und den eingespeisten Strom vergüten. Finanziert wird die Förderung seit Juli 2022 nicht mehr über die frühere EEG-Umlage auf die Strompreise, sondern aus dem Bundeshaushalt – auf der Stromrechnung taucht dafür kein eigener Umlageposten mehr auf.

Mogelpackung Ökostrom?
Der Presse konnte man bisweilen negative Schlagzeilen über Ökostrom entnehmen, sogar von einer Mogelpackung war die Rede. Die Kritik setzt am Nachweissystem an. Für nicht EEG-geförderte, sonst direktvermarktete Mengen erneuerbaren Stroms kann je Megawattstunde ein Herkunftsnachweis ausgestellt werden, der im Herkunftsnachweisregister des Umweltbundesamts geführt wird; nur wer solche Nachweise entwertet, darf Strom gegenüber seinen Kunden als Ökostrom kennzeichnen. Herkunftsnachweise können aber getrennt vom Strom gehandelt und auch an einen anderen Stromversorger verkauft werden. So kann ein Anbieter konventionell erzeugten Strom einkaufen und ihn mit zugekauften Nachweisen – oft aus längst abgeschriebenen Wasserkraftwerken im Ausland – als Ökostrom vermarkten, ohne dass dadurch eine einzige neue Anlage entsteht.
So funktioniert der Ökostrom-Nachweis
1Vom Kraftwerk zur Stromkennzeichnung
2Was der Nachweis nicht belegt
Verbraucherschützer kritisieren, dass auf diese Weise konventionell erzeugter Strom auf legalem Weg als Ökostrom umetikettiert werden kann. Herkunftsnachweise sind in erster Linie ein Bilanzierungssystem der Stromwirtschaft. Verbraucher sollten daher auf ein Ökostrom-Gütesiegel achten. In Deutschland gibt es mehrere Gütesiegel, die unterschiedlich hohe Anforderungen an die Erzeugung von Ökostrom stellen. Sie erfüllen aber alle Mindeststandards, die für die Deklaration von Ökostrom geeignet sind. Bei der richtigen Wahl des Stromanbieters kann der Verbraucher also tatsächlich zur Energiewende beitragen – eine Orientierung bieten unsere Übersicht der Ökostromanbieter und der Tarifrechner.

Fazit: So wird Ihr Ökostrombezug wirksam
Ökostrom zu beziehen ist der einfachste Hebel, den eigenen Stromverbrauch klimafreundlicher zu machen – wirksam wird er, wenn der Tarif mehr bietet als nur entwertete Herkunftsnachweise. Achten Sie auf anerkannte Gütesiegel, die einen zusätzlichen Beitrag zur Energiewende verbindlich prüfen. Der technische Lieferantenwechsel wird seit dem 6. Juni 2025 binnen 24 Stunden abgewickelt. Vertragslaufzeit und Kündigungsfrist bestimmen aber weiterhin den tatsächlichen Lieferbeginn; die Versorgung bleibt beim regulären Wechsel unterbrechungsfrei.
Ökostrom Gütesiegel und Ökostrom Zertifikate Der Begriff Ökostrom ist weder verbindlich definiert noch rechtlich geschützt. Allgemein wird darunter Strom aus… weiterlesen



