Sozialtarife

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Strom- und Gas-Sozialtarife: in Deutschland noch in den Kinderschuhen

Das Energie immer teurer wird, spüren Verbraucher jährlich am eigenen Portemonnaie, wenn die Abrechnungen kommen mit der beinahe schon obligatorischen Nachzahlungsforderung. Vor allem Geringverdiener haben mit den Preisexplosionen der vergangenen Jahre zu kämpfen. Während bei Hartz-IV-Empfängern die Heizkosten von der Bundesagentur für Arbeit übernommen werden, müssen Arbeitslose die Stromkosten selbst bezahlen. Bei einem derzeitigen Regelsatz von 409 Euro (Stand: 2017) wird das Geld oftmals knapp. Und manchmal reicht es gar nicht mehr: Jährlich wird bei rund 800.000 Kunden der Strom oder das Gas abgeschaltet, weil Rechnungen nicht beglichen wurden. Das entspricht circa 2 Prozent aller Anschlüsse.

Stromkosten © Sergej Toporkov, fotolia.com
Stromkosten © Sergej Toporkov, fotolia.com

Und dann stehen auf der anderen Seite die Energiekonzerne, die jährlich Milliardengewinne einfahren. Eine schreiende Ungerechtigkeit, fand Sigmar Gabriel (SPD) schon 2008 als Bundesumweltminister. Deshalb forderte er bereits damals die Einführung eines flächendeckenden Strom- und Gas-Sozialtarifs für Verbraucher mit geringerem Einkommen nach dem Modell Großbritanniens, wo es Sozialtarife bereits gibt. In einem reichen Land wie Deutschland dürfe es keine Energie- und Brennstoffarmut geben, sagte er laut dem „Tagesspiegel“. Finanziert werden sollten die Strom und Gas Sozialtarife, indem die Unternehmen auf Teile ihrer Gewinne verzichten.

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Energieversorger und Verbraucherschützer sind skeptisch

Beinahe erwartungsgemäß hielt sich die Begeisterung der Energieversorger über diesen Vorschlag in Grenzen. Sie sehen sich nicht in der Pflicht, Stromtarife für Geringverdiener anzubieten. Sozialpolitik sei Aufgabe des Staates. Nicht Sozialtarife seien die die Antwort auf steigende Energiepreise, sondern die weitere Nutzung von Kohle und Kernkraft, sagte DIHK-Chef Martin Wansleben der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. EnBW sucht bei Härtefällen lieber nach „individuellen Lösung“, wie es eine Unternehmenssprecherin laut „Tagesspiegel“ formulierte. Vattenfall zeigte sich zwar nicht gänzlich uninteressiert, bestand aber darauf, dass dann auch Stadtwerke Sozialtarife anbieten müssten. Es könne nicht sein, dass nur große Energieversorger belastet würden, hieß es.

Auch Verbraucherschützer sind skeptisch. So sagte der Energie-Experte des Bundesverbands der Verbraucherzentralen, Holger Krawinkel, im „Spiegel“, dass Sozialtarife für Strom und Gas kein Rezept gegen steigende Energiepreise seien. Sie würden nur eine kurzfristige Kostenentspannung bringen. Langfristig sei Energiesparen wichtiger, zum Beispiel durch die Sanierung von Gebäuden.

Ein Vergleich mit anderen Anbietern ist oftmals besser

Stromtarife vergleichen © bounlow pic, fotolia.com

Dabei gibt es schon Energieversorger, die auf freiwilliger Basis Sozialtarife für Strom und Gas anbieten, wie zum Beispiel E.ON seit 2006. Das bedeutet aber nicht, dass der Energie Sozialtarif auch immer der günstigste ist. Die Crux bei Sozialtarifen: Die Rechnung geht eigentlich nur dann auf, wenn man bundesweit einheitliche Strom- und Gaspreise zugrunde legt, die dann wiederum mit einem Sozialtarif für Einkommensschwache unterboten werden können.

Von einheitlichen Preisen ist man aber seit der Liberalisierung des Energiemarktes 1998 weit entfernt. Jedes Unternehmen kocht sein eigenes Tarif-Süppchen. Weil die Konkurrenz am Energiemarkt groß ist, unterbieten sich die Versorger teilweise gegenseitig, um neue Kunden zu gewinnen. Deshalb lohnt sich immer ein Vergleich mit anderen Anbietern, statt per se einen Gas oder Strom Sozialtarif zu buchen. Im Fall E.ON wird der Sozialtarif nämlich von regulären Tarifen anderer Versorger unterboten. Man steht sich mit Energie Sozialtarifen demnach nicht in jedem Fall besser. Also nie blind den Sozialtarif beim Grundversorger buchen! Immer mit anderen Anbietern vergleichen!

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