Strom sparen: Heizungen mit Nachtspeicher ausrangieren

Nachtspeicherheizungen wandeln Strom direkt in Wärme um. Anders als Wärmepumpen nutzen sie keine Umweltwärme; für dieselbe Wärmemenge ist ihr Strombedarf deshalb deutlich höher. Ein Kostenvergleich mit aktuellen Strompreisen und anderen Heizarten, etwa einer Gasheizung, braucht immer Verbrauchs- und Preisannahmen.
Das Wichtigste in Kürze
- Nachtspeicherheizungen erhöhen den Stromverbrauch je nach Gebäude, Dämmung und Heizverhalten meist auf ein Mehrfaches des übrigen Haushaltsstroms.
- Heizstromtarife lassen sich heute vergleichen und wechseln – die Ersparnis hängt von Verbrauch, Zählerkonzept und verfügbaren Tarifen ab.
- Langfristig ist der Umstieg auf eine effiziente Heizung wie die Wärmepumpe der wirksamste Sparhebel.
Wie funktionieren Nachtspeicher?
Vor allem in Altbauten sind Nachtspeicherheizungen noch häufig zu finden. Sie arbeiten nach dem Prinzip, dass Strom nachts in Wärme umgewandelt wird. Diese Wärme wird in der Nachtspeicherheizung eingelagert. Tagsüber wird die gespeicherte Wärme dann an die Heizkörper abgegeben.

Dies geschieht über einen in der Nachtspeicherheizung eingebauten Ventilator. Er transportiert die gespeicherte Wärme nach außen. Damit die im Speicherkern erzeugte Wärme möglichst lange verfügbar bleibt, sind Nachtspeicherheizungen gedämmt.
Nachtstromkunden haben meist einen Zwei-Tarif-Stromzähler, der den Stromverbrauch am Tag und in der Nacht festhält und ihn den zwei Zeitzonen zuordnet. Der am Tag verbrauchte Strom wird mit dem höherpreisigen Hochtarif (HT) abgerechnet. Der Strom, der im Niedertarif (NT) verbraucht wird – nachts, teils auch an Sonn- und Feiertagen –, ist dagegen günstiger. Die genauen Schaltzeiten legt der örtliche Netzbetreiber fest.
Gut zu wissen: Die Vorgaben zur netzorientierten Steuerung steuerbarer Verbrauchseinrichtungen stehen nicht in § 14a EnWG selbst – der Paragraf ist die Ermächtigungsgrundlage –, sondern in der Festlegung der Bundesnetzagentur BK6-22-300 vom 27. November 2023. Vorhandene Nachtspeicherheizungen sind darin dauerhaft von der Pflicht ausgenommen, in die netzorientierte Steuerung zu wechseln; ihre vereinbarte Netzentgeltreduzierung läuft nach den bisherigen Regeln weiter. Die Ausnahme gilt der konkreten Bestandsanlage – wird sie getauscht, ersetzt oder umgebaut, fällt sie unter die Festlegung. Die Netzentgelt-Module, die etwa bei Wärmepumpen oder Wallboxen zum Tragen kommen, regelt eine eigene Festlegung (BK8-22/010-A).

So viel Strom verbraucht eine Nachtspeicherheizung
Der Heizstromverbrauch hängt stark von Wohnfläche, Dämmstandard, Wetter und Heizverhalten ab; maßgeblich ist Ihre Jahresabrechnung.
Zum Vergleich: Ohne elektrische Warmwasserbereitung verbraucht ein Zwei-Personen-Haushalt in einer Wohnung laut Stromspiegel im Schnitt rund 1.900 Kilowattstunden im Jahr. Ein Vier-Personen-Haushalt im Einfamilienhaus liegt unter derselben Voraussetzung bei etwa 3.800 Kilowattstunden. Welche Geräte im Normalhaushalt am meisten verbrauchen, zeigt der Überblick über den Stromverbrauch von Kühl- und Gefriergeräten.
Eine Heizung mit Nachtspeicher bringt damit meist hohe Stromkosten mit sich – selbst dann, wenn ein Teil davon im günstigeren Niedertarif anfällt. Wie hoch der eigene Heizstromanteil ist, zeigt bei getrennter Messung die Jahresabrechnung; bei gemeinsamer Messung ist er nicht separat ausgewiesen.
Nachtspeicherheizung heute: Was spricht dafür, was dagegen?
Vorteile
- Keine Umstellung der Wärmeverteilung nötig, solange die vorhandenen Geräte sicher betrieben werden können
- Bei passendem Tarif lässt sich der günstigere Niedertarif (NT) für das nächtliche Aufladen nutzen
- Vorhandene Geräte bleiben von der Pflicht zur netzorientierten Steuerung ausgenommen; die vereinbarte Netzentgeltreduzierung läuft weiter – bis zum Tausch oder Umbau
Nachteile
- Direktes Heizen liefert aus einer Kilowattstunde Strom höchstens etwa eine Kilowattstunde Wärme – eine Wärmepumpe erreicht ein Mehrfaches
- Hoher Heizstromverbrauch: je nach Wohnfläche, Dämmung und Heizverhalten ein Vielfaches des übrigen Haushaltsstroms
- Tarifzeiten des Netzbetreibers bestimmen den Alltag; bei älteren Geräten ist vor dem Ausbau eine Schadstoffprüfung (Asbest) nötig
Weitere Nachteile einer Nachtspeicherheizung
Lange galt: Wer Nachtstrom bezieht, ist praktisch an den örtlichen Grundversorger gebunden. Das hat sich geändert – Heizstromtarife lassen sich inzwischen vergleichen und wechseln, auch zu überregionalen Anbietern. Die Auswahl ist zwar deutlich kleiner als beim Haushaltsstrom, doch ein Wechsel aus der teuren Grundversorgung in einen Sondertarif kann spürbar Geld sparen – wie viel, hängt von Verbrauch, Zählerkonzept und den verfügbaren Tarifen ab. Voraussetzung: Der Tarif muss zur Zählerart passen – je nachdem, ob Haushalts- und Heizstrom über einen gemeinsamen oder über getrennte Zähler laufen.
Wichtig bleibt der Blick ins Detail: Bei gemeinsamer Messung können Anbieter Ausgleichsmengen ansetzen, die Tarifrechner oft nicht in die Jahreskosten einbeziehen. Wer wechseln möchte, sollte deshalb gezielt nach Heizstrom- beziehungsweise Nachtstromtarifen suchen und die Konditionen für Hoch- und Niedertarif genau vergleichen.
Theoretischer Vorteil des Nachtspeicher-Prinzips: Da er sozusagen „nachtaktiv“ ist, also während der Nebenzeit arbeitet, wird der Strom, der für die Heizung benötigt wird, im preiswerteren Tarif abgerechnet. In der Praxis haben Kunden dagegen vielfach mit Hindernissen und Komplikationen zu kämpfen. So können sich die Tarifzeiten von Netzbetreiber zu Netzbetreiber unterscheiden. Zum Teil variieren die Zeitzonen sogar um mehrere Stunden.
Bei manchen Betreibern beginnt die Niederzeit werktags um 18 Uhr, bei manchen um 20 Uhr oder gar erst um 22 Uhr. Manchmal fällt auch das Wochenende unter den niedrigeren Tarif, manchmal ist es nur der Sonntag. Ein Wechsel kann für Kunden also auch eine massive Umstellung der Lebens- und Verbrauchsgewohnheiten mit sich bringen. Den Sparvorteil des Nachtstroms nutzen, bedeutet also auch ein Leben nach der Uhr.
Auch aus Klimaschutzgründen sind Nachtspeicherheizungen nicht ratsam
Auch fürs Klima ist die Nachtspeicherheizung keine gute Wahl. Zwar wird der deutsche Strommix von Jahr zu Jahr erneuerbarer – doch wer Strom direkt verheizt, macht aus einer Kilowattstunde Strom höchstens eine Kilowattstunde Wärme. Effiziente Wärmepumpen können je nach Jahresarbeitszahl aus einer Kilowattstunde Strom etwa drei bis vier Kilowattstunden Wärme bereitstellen. Solange auch fossile Kraftwerke ins Netz einspeisen, verursacht direktelektrisches Heizen für dieselbe Wärmemenge höhere Emissionen als eine effizient arbeitende Wärmepumpe – und in der Regel höhere Kosten für Heizstrom.
Was tun mit der alten Nachtspeicherheizung?
Der richtige Weg hängt von Gebäude, Budget und Zeithorizont ab:
WennDie Heizung bleibt vorerst in Betrieb
Dann Heizstromtarif optimieren
Aus der Grundversorgung in einen Nachtstrom-Sondertarif wechseln und Aufladeregelung sowie Tarifzeiten prüfen – die Ersparnis hängt von Verbrauch, Zählerkonzept und verfügbaren Tarifen ab.
WennEine Modernisierung ist mittelfristig geplant
Dann Umstieg auf effiziente Heizung prüfen
Eine Wärmepumpe kann den Strombedarf für dieselbe Wärmemenge deutlich senken; ob sie passt, hängt unter anderem von Gebäude und Wärmeverteilung ab – Fachbetrieb beraten lassen.
WennDie Geräte stammen aus den 1960er- bis 1980er-Jahren
Dann Vor Ausbau auf Asbest prüfen lassen
Alte Nachtspeicheröfen können asbesthaltige Bauteile enthalten – bei Verdacht vor dem Ausbau fachkundig prüfen lassen; zerlegen und entsorgen dürfen nur Fachfirmen.

Fachbetriebe für Heizungen finden
Wenn Sie einen Austausch prüfen, können Heizungs-Fachbetriebe Gebäude, Wärmebedarf und geeignete Alternativen vor Ort bewerten.
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