Deutscher Strommarkt

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Strommarkt Deutschland: zwischen Beharrlichkeit und Wechsel

Lange Zeit lag die Stromversorgung in Deutschland in den Händen staatlicher oder staatlich kontrollierter Unternehmen, die in ihrer Region Monopolstellung besaßen. Der Kunde aus der jeweiligen Region konnte sich für keinen anderen Stromversorger entscheiden und musste damit nehmen, was er bekommt. Seit der Liberalisierung des Strommarktes im Jahr 1998 ist das anders und die Bereitschaft der Stromkunden, ihren Stromanbieter zu wechseln, steigt. Nach wie vor haben die Grundversorger aber eine überragende Bedeutung.

Strommasten von Hochspannungsleitungen bei Sonnenuntergang © electricity pylons, fotolia.com
Strommasten von Hochspannungsleitungen bei Sonnenuntergang © electricity pylons, fotolia.com

Die Akteure des Strommarktes

Beim Blick auf den Strommarkt sollte man immer zwischen den verschiedenen Akteuren trennen. Es gibt die Stromerzeuger, die Stromlieferanten und die Netzbetreiber. Die größten Stromerzeuger in Deutschland sind die Unternehmen EnBW, E.ON, RWE und Vattenfall Europe. Sie sind zugleich Stromlieferanten, bieten also Verträge für Endkunden an. Aber nicht jeder Stromlieferant ist zugleich Stromerzeuger.

Zu den Stromlieferanten (auch: Stromversorgern) gehören unter anderem viele Stadtwerke. Die ersten von ihnen entstanden Mitte des 19. Jahrhunderts in Deutschland und zwar aus einem Zusammenschluss der zuvor eigenständigen Gas-, Wasser- und Elektrizitätswerke. Auf dem Strommarkt fungieren sie in ihrer Region oft weiterhin als Grundversorger.

Der Grundversorger ist laut Paragraf 36, Absatz 2 im Energiewirtschaftsgesetz „das Energieversorgungsunternehmen, das die meisten Haushaltskunden in einem Netzgebiet der allgemeinen Versorgung beliefert“. Der einzige Anbieter ist er selten. Bei den Stromlieferanten gibt es in vielen Regionen inzwischen eine große Auswahl, sodass der Endkunde die freie Wahl hat.

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Den Anbieter kann man wechseln. Den Netzbetreiber nicht

Bei den Stromnetzen unterscheidet man das Übertragungsnetz und das Verteilnetz. Übertragungsnetze transportieren den Strom über weite Strecken, während die kleineren Verteilnetze ihn an die Endkunden weitergeben. Die Verteilnetze gehören oft den Grundversorgern, die in ihrer Region dann zugleich Netzbetreiber und Stromlieferant sind.

Wenn das der Fall ist, bleibt der Grundversorger selbst dann ein nicht ganz unwichtiger Akteur bei der Stromversorgung, wenn Endkunden einen Stromtarif bei einem anderen Anbieter als bei ihm auswählen. Diese Kunden können nämlich den Stromanbieter wechseln, aber nicht den Netzbetreiber. Als Kunde kommuniziert man in der Regel viel öfter mit dem neuen Stromlieferanten, von dem man auch die Stromrechnung erhält. Fällt der Strom einmal aus, kann das jedoch unter anderem am Netz liegen. Der neue Lieferant rechnet die Nutzung des Stromnetzes zudem mit dem Netzbetreiber ab. Diese Netzentgelte fließen in den Strompreis ein.

Strommast © Volker Werner, fotolia.com
Der Netzbetreiber bleibt immer der gleiche © Volker Werner, fotolia.com

Stromerzeugung: Die Marktmacht der größten Anbieter sinkt.

Zahlen und Einschätzungen zum aktuellen Strommarkt in Deutschland ( und teils im benachbarten Ausland) liefert der Monitoringbericht der Bundesnetzagentur und des Bundeskartellamts. Laut Monitoringbericht 2016 ist die Marktmacht der größten Stromerzeugungsunternehmen nach 2010 deutlich gesunken. Zugleich bleiben die vier größten Stromerzeuger aber mit einem Anteil von 69,2% im Marktgebiet „Deutschland/Österreich“ weiter dominant.

Die Rolle der Grundversorger bleibt stark

Bei der Stromlieferung sind die Grundversorger nach wie vor die dominierenden Akteure. Sie beliefern laut Monitoringbericht 2016 rund 75% aller Haushalte. Allerdings erhält nicht jeder Kunde von ihnen die Grundversorgung. Grundversorger müssen laut Energiewirtschaftsgesetz (§36) garantieren, dass jeder nicht durch einen anderen Stromversorger belieferte Haushaltskunde von ihnen zu festgelegten Bedingungen und Preisen mit Strom versorgt wird.

Solche Grundversorgungstarife sind Pflicht. Daneben können aber auch die Grundversorger ihren Kunden Sondertarife anbieten, für die andere Konditionen (z.B. Kündigungsfristen) gelten. So kann sich ein Grundversorger zum Beispiel dafür entscheiden, neben der Grundversorgung einen Ökostromtarif anzubieten. Bei den Grundversorgern gibt es mittlerweile mehr Stromkunden mit Sondervertrag als Kunden mit Basistarif (Grundversorgung). Laut Monitoringbericht 2016 hatten 2015 insgesamt 43,1% aller Haushaltskunden einen Sondervertrag beim lokalen Grundversorger. 2014 waren es 43,2%. 32,1% der Haushaltskunden hatten 2015 einen Stromvertrag in der klassischen Grundversorgung, während es 2014 noch 32,8% waren.

Die Wechselbereitschaft bei Stromkunden steigt

Bei den Wechsel-Möglichkeiten auf dem deutschen Strommarkt muss man zwischen einem Lieferantenwechsel und einem reinen Tarifwechsel unterscheiden. Beim reinen Tarifwechsel entscheidet sich der Stromkunde für einen anderen Tarif beim selben Anbieter, während er beim Lieferantenwechsel Tarif und Anbieter wechselt.

Stromkosten senken durch Tarifwechsel © gourmecana, fotolia.com

Laut Monitoringbericht 2016 hat der Lieferantenwechsel bei Haushaltskunden in Deutschland „seit 2006 erheblich zugenommen“. 2015 lag die Zahl der Lieferantenwechsel bei vier Millionen. Hinzu kamen fast 1,7 Millionen Tarifwechsel. Zum Vergleich: Der Monitoringbericht 2010 dokumentiert für 2006 nur 0,8 Millionen und für 2009 insgesamt 2,4 Millionen Lieferantenwechsel.

Fazit: Langsam gewinnt der Markt an Fahrt

Festzuhalten bleibt, dass es im deutschen Strommarkt (etwa bei den Stromlieferanten) nach wie vor dominante Akteure gibt, die nur langsam Marktanteile zugunsten weiterer Akteure verlieren. Im Bereich der Stromlieferanten sind das die Grundversorger. Die Wechselbereitschaft steigt eher gemächlich, aber sie steigt. Die Treue zum Grundversorger ist aber nach wie vor relativ groß. Es ist jedoch möglich, dass sich die Wechselbereitschaft in Zukunft weiter erhöht. Das Einsparpotenzial durch einen Tarifwechsel ist oft immens und diese Erkenntnis verbreitet sich zwar langsam, aber dennoch stetig.

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