Heizen mit Strom

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Heizen mit Strom

Elektroheizungen wie die Nachtspeicherheizung galten einmal als kostengünstige Alternative zu anderen Heizungen. Das ist lange vorbei. Da sie im Vergleich der Heizsysteme als teuerste und fürs Klima schädlichste Varianten gelten, war ihr Verbot fast schon beschlossene Sache. Das Verbot blieb jedoch aus. Gründe, sich besser für andere Heizungen zu entscheiden, gibt es aber nach wie vor. Und wer mit Strom heizt oder heizen muss, sollte zumindest mit einem Heizstrom-Vergleich das für ihn günstigste Angebot finden.

Energiekosten © digitalpress, fotolia.com
Energiekosten: Heizen mit Strom ist relativ teuer © digitalpress, fotolia.com

Nicht nur die Nachtspeicherheizung heizt mit Strom!

Die meisten Menschen denken an die Nachtspeicherheizung, wenn es ums Heizen mit Strom geht. Diese Heizung wird bisweilen auch Nachtstromspeicherheizung oder Niedertarif-Speicherheizung genannt. Das ihr zugrundeliegende Prinzip ist einfach erklärt. Ein Wärmespeicher wird in der Nacht mit Strom aufgeheizt und gibt die Hitze später wieder ab, wenn sie gebraucht wird.

Nachtspeicherheizung © Jürgen Fälchle, fotolia.com

Neben der Nachtspeicherheizung als zentraler Heizanlage für alle Räume eines Hauses gibt es Nachtspeicheröfen, die als Lösung für einzelne Zimmer dienen. Laut Onlinebroschüre „Wie heizt Deutschland?“ des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) aus 2015 heizten damals 1,7 Millionen Haushalte mit Strom, wobei die Nachtspeicherheizung keineswegs die einzige mögliche Variante ist.

Weitere Systeme fürs Heizen mit Strom sind beispielsweise Infrarotheizungen und Naturstein- bzw. Marmorheizungen. Die Infrarotheizung strahlt ungefährliche Infrarotstrahlen aus, die angestrahlte Flächen erwärmen. Diese Flächen geben die Wärme dann wieder an den Raum ab. Bei einer Natursteinheizung wird eine Steinplatte durch Strom erwärmt. Diese Wärme wird dann in den Raum abgegeben.

Infrarotheizung © Artur Synenko,fotolia.com
Infrarotheizung © Artur Synenko,fotolia.com

Eine Variante der elektrischen Heizungen sind die sogenannten Direktheizungen, die bedarfsorientiert in Einzelräumen genutzt werden, um kurzfristig Wärme zu erzeugen. Nicht zu den elektrischen Heizsystemen werden Wärmepumpen gezählt, obwohl auch sie Strom benötigen. Allerdings dient der Strom hier dem Betrieb der Pumpen, die Wärme aus Erdboden, Wasser oder Luft für die Raumheizung gewinnen. Er wird also nur indirekt fürs Heizen genutzt.

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Niedertarife anzubieten, war früher Pflicht.

Nachtspeicherheizungen werden mit Strom aus dem vergleichsweise günstigen Niedertarif (NT) betrieben. Zwischen den Nieder- und den teureren Hochtarifen wurde in früheren Zeiten unterschieden, um Strom zu den Tageszeiten mit schwacher Leistungsinanspruchnahme (Schwachlastzeiten) günstiger anzubieten. Solche Niedertarife für Schwachlastzeiten waren früher eine Pflicht der Stromversorger, die in §9 der Bundestarifordnung Elektrizität festgeschrieben war. Diese Tarifordnung gilt allerdings seit dem 01.07.2007 nicht mehr.

Stromzähler © Gina Sanders, fotolia.com
Stromzähler © Gina Sanders, fotolia.com

Mittlerweile bieten viele Energieversorger die in zwei Zeitzonen gestaffelten Stromtarife gar nicht mehr an. Wer mit einer Nachtstromheizung heizt, muss bei ihnen tagsüber und nachts denselben Preis zahlen wie andere Stromnutzer. Es gibt jedoch weiterhin einige Versorger, die Tag- und Nachtstrom anbieten. In einigen Regionen herrscht durchaus auch Konkurrenz verschiedener Anbieter mit NT- und HT-Strom. Ein Vergleich lohnt sich also auch hier.

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Das kostet eine Nachtspeicherheizung pro Jahr

Laut Infografik von CO2online.de schlägt die Nachtstromheizung bei einem 150m² großen Haus mit 2.700 Euro/Jahr zu Buche, während man für den Betrieb einer Gasheizung nur 1.820 Euro/Jahr zahlt. Bei den CO2-Emissionen schneidet der Strom mit 633 Gramm/kWh im Vergleich zu Heizöl und Erdgas ebenfalls deutlich schlechter ab.

Nachtstrom und Klimasuchtschutz © Klima sucht schutz
Nachtstrom und Klimasuchtschutz © Klima sucht schutz

Ein Ende 2013 erstellter und Ende 2016 aktualisierter Artikel auf CO2online.de weist in dieselbe Richtung. Laut einer dort präsentierten Beispielrechnung kostet das Heizen mit Strom bei einem 150m² großen Haus und angenommenen 21 Cent/kWh 3.940 Euro/Jahr, während die Erdgasheizung bei 8 Cent/kWh liegt und jährliche Kosten in Höhe von 1.900 Euro/Jahr verursacht.

Nun liefern Beispielrechnungen stets nur Orientierungswerte, von denen reale Kosten in konkreten Fällen teils deutlich abweichen können. Für die Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein war der Fall aber in ihrem Faktencheck vom Februar 2015 klar. Für sie waren Nachtspeicherheizungen „in erster Linie Strom- und Geldfresser“ und Infrarotheizungen schnitten bei ihr nicht viel besser ab.

Heizen mit Strom: Auch ökologisch kein Vorteil

Bei der Umweltbilanz und den Luftschadstoffemissionen sind Nachtspeicherheizung im Vergleich der Heizsysteme ebenfalls keine gute Wahl. Das zeigt beispielsweise die Broschüre „Heizen mit Strom“ der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Laut der Broschüre ergibt sich für Nachtspeicherheizungen beim Primärenergieeinsatz in kWh (Kilowattstunde) pro kWh Nutzwärme ein Wert von 2,74.

Die Infrarotheizung kommt auf 2,64, während sich für den Gasbrennwertkessel der Wert 1,26 ergibt. Als Primärenergieeinsatz wird beim Thema „Heizen“ die aufzuwendende Energie bezeichnet, damit ein Brennstoff fürs Heizen zur Verfügung steht. Energieeinsatz ist beispielsweise bei der Stromproduktion nötig. Beim CO2-Ausstoß in Gramm/kWh ergaben sich für die Nachtspeicherheizung 596 Gramm und für den Gasbrennwertkessel 246 Gramm. Ähnlich deutliche Unterschiede gab es beim Ausstoß von Stickstoffmonoxid, Schwefeldioxid und Staub.

Verboten sind Nachtspeicherheizungen nicht.

In der Energieeinsparverordnung EnEV 2009 gab es ursprünglich einen §10a, der ein schrittweises Verbot für viele Arten der Nachtspeicherheizung vorsah. Allerdings wurde dieses Verbot im Mai 2013 vom Bundestag wieder aufgehoben. Eine Begründung dafür: Gegner des Verbots bezeichneten die Nachtspeicherheizung als einen potenziell wichtigen Baustein bei der Energieversorgung auf der Basis erneuerbarer Energien.

Nachtspeicherheizungen könnten eine mögliche Strom-Überproduktionen zu Spitzenzeiten speichern. Ein eventuell sinnvoller Baustein als Speicherelement wären sie dann aber nur in der Kombination mit intelligenten Stromzählern, die die Stromaufnahme zu Zeiten der Überproduktion regeln. Die einfache Unterscheidung in Tag- und Nachtstrom hilft hier nicht weiter.

Elektroheizungen kann man kombinieren

Elektrisch betriebene Heizungen lassen sich mit anderen Heizsystemen kombinieren. Das verbessert ihre Ökobilanz und kann die Heizkosten senken. Trotzdem bleibt immer die Frage, ob sich solch eine Kombination rechnet oder ob nicht doch besser ein kompletter Heizungsaustausch erfolgt.

Fazit

Heizen mit Strom bringt viele Nachteile, sodass man möglichst auf andere Heizsysteme wechseln sollte. Derzeit kann allenfalls die Direktheizung mit Strom einige Pluspunkte verbuchen. Sollten regenerative Energien irgendwann fast 100% im deutschen Strommix ausmachen, könnte das Heizen mit Strom in Kombination mit intelligenten Stromverteilsystemen vielleicht interessant werden. Vorläufig muss man aber vom Heizen mit Strom abraten. Wer dennoch teilweise oder komplett mit Strom heizt, sollte zumindest einen möglichst günstigen Tarif dafür auswählen.

Weitere Informationen

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