Bei der Stromerzeugung gibt es meist ein Problem – Die Erträge aus Wind-, Solar- und Wasserkraft lassen sich bislang nur begrenzt speichern. Daher werden sie oft nach der Erzeugung direkt ins Netz eingespeist. Das empfindliche Stromnetz muss jedoch immer ausgeglichen sein und darf keinen zu hohen Frequenzschwankungen unterliegen. Gerade in Zeiten, in denen viel und in denen wenig Strom entnommen wird, haben die Schaltingenieure, die dafür sorgen, dass der Strom in unserem Netz immer mit den festgelegten 50 Hertz fließt, einiges zu tun.
Das Wichtigste in Kürze
- HT steht für Hochtarif (Hauptzeit tagsüber), NT für den günstigeren Niedertarif – meist nachts etwa zwischen 22 und 6 Uhr.
- Die Schaltzeiten legt der Netzbetreiber fest; nötig ist ein Doppeltarifzähler, den der Messstellenbetreiber einrichtet.
- Ein Doppeltarif lohnt sich erst bei hohem Nachtanteil – typisch mit Nachtspeicherheizung oder nächtlichem E-Auto-Laden.

Daher haben Stromanbieter besondere Tarife im Programm, die Hochtarif (HT)- und Niedertarif (NT)-Strom separat abrechnen. In den Nebenzeiten, vor allem nachts, gilt dann der günstigere Niedertarif (NT), am Tag zu den Hauptzeiten hingegen der Hochtarif (HT). So soll sich die Stromnetzentnahme besser über den Tag verteilen und das Stromnetz zu den Hauptzeiten entlastet und den Nebenzeiten etwas mehr gefordert werden.

Technische Voraussetzungen für den Doppeltarif
Es gibt zwei Möglichkeiten, einen Doppeltarif abzurechnen. Entweder verfügt Ihr Haushalt über zwei Stromzähler oder einen Doppeltarifzähler. Die beiden Zähler können Sie durch den Aufdruck „HT“ bzw. „NT“ als Hoch- bzw. Niedertarifzähler identifizieren. Ein Doppeltarifzähler verfügt über zwei Zählwerke, womit ihm die separate Erfassung des Verbrauchs je nach Tageszeit gelingt. Eingerichtet wird der Zähler durch den Messstellenbetreiber. Ob und welche Kosten für Messstellenbetrieb oder eine Umrüstung anfallen, klären Sie vorab mit ihm.
Die Umschaltung erfolgt automatisch entsprechend dem Messkonzept. Die konkreten HT- und NT-Zeiten gibt der Netzbetreiber vor; wie die Tarifschaltung technisch umgesetzt wird, klären Sie mit Ihrem Messstellenbetreiber.
Wann wird im HT-, wann im NT-Tarif abgerechnet?
Wenn Ihre Immobilie also die Voraussetzungen für einen Doppeltarif erfüllt oder Sie bereit sind, die Kosten für einen Doppeltarifzähler auf sich zu nehmen, können Sie über die Angebote, bei denen die Anbieter zwischen Hoch- und Niedertarif unterscheiden, nachdenken. Dazu sollten Sie genau bedenken, wann Sie den meisten Strom verbrauchen.
Bei Doppeltarifen können HT- und NT-Arbeitspreise unterschiedlich hoch sein; ob sie gegenüber einem Eintarif günstiger sind, zeigt erst die vollständige Jahreskostenrechnung. Die genauen Schaltzeiten gibt dabei der Netzbetreiber vor – nicht der Stromanbieter – und sie unterscheiden sich regional. Grundsätzlich gilt der Hochtarif am Tag, meist ab 6 oder 7 Uhr; der Niedertarif beginnt häufig zwischen 20 und 22 Uhr und läuft bis in den frühen Morgen.
Wenn Sie feststellen sollten, dass sich der gewählte Doppeltarif nicht lohnt, können Sie nach dem Ende der Vertragslaufzeit natürlich wieder auf einen herkömmlichen Tarif setzen, der nicht zwischen Hoch- und Niedertarif unterscheidet. Mit unserem Stromtarifrechner können Sie die Anbieter und deren Angebote in Ihrer Region vergleichen.

Für Privat- und Gewerbekunden interessant
Ob ein Doppeltarif für Gewerbe oder Privathaushalte günstiger ist, hängt vom Verbrauchsprofil, dem Preisabstand zwischen HT und NT sowie den Messkosten ab. Ein fester Mindestanteil für den NT-Verbrauch lässt sich deshalb nicht allgemein angeben. Vergleichen Sie die Jahreskosten beider Tarifarten mit Ihren tatsächlichen Verbrauchswerten.
Schnell-Check: Lohnt sich ein Doppeltarif für Sie?
1. Haben Sie große nächtliche Verbraucher – etwa eine Nachtspeicherheizung, ein E-Auto oder einen Warmwasserboiler?
Nein
Eintarif zuerst vergleichen
Ohne dauerhaft verlagerbaren Verbrauch ist ein Eintarif oft die einfachere Vergleichsbasis. Entscheidend bleibt die vollständige Jahreskostenrechnung.
Ergebnis
Ja
Verlagerbarer Verbrauch da
Jetzt entscheidet die Zähler- und Preisfrage.
→ Frage 2
2. Ist ein HT/NT-Zähler vorhanden – oder richtet Ihr Messstellenbetreiber einen ein?
Nein
Erst die Zählerfrage klären
Fragen Sie Ihren Messstellenbetreiber, ob eine Umrüstung möglich ist und welche Kosten anfallen. Der Umbau lohnt nur, wenn der hohe Nachtanteil dauerhaft besteht.
Ergebnis
Ja
Technik vorhanden
Bleibt die Frage, wie viel Verbrauch wirklich nachts läuft.
→ Frage 3
3. Liegt die berechnete Jahresrechnung mit HT, NT und Messkosten unter der eines Eintarifs?
Ja
Doppeltarif ernsthaft prüfen
Vergleichen Sie vollständige Jahreskosten: HT- und NT-Arbeitspreise, Grundpreis und Messkosten müssen zusammen unter den Kosten des Eintarifs liegen.
Ergebnis
Nein
Genau nachrechnen
Entscheidend ist die Gesamtrechnung. Liegen die Jahreskosten mit HT, NT und Messkosten nicht unter denen des Eintarifs, ist ein Eintarif günstiger.
Ergebnis
Doppeltarif für Haushalte mit einer Nachtspeicherheizung
Die Wärmeenergie über Strom zu erzeugen kann hohe Kosten bedeuten. Elektrische Raumheizungen und elektrische Warmwasserbereitung können einen hohen Stromverbrauch verursachen. Bei einer Nachtspeicherheizung kann ein passender Doppeltarif die Kosten senken. Ob die Nachtspeicherheizung im Niedertarif lädt, hängt von ihrem Zähler- und Schaltkonzept ab.
Geräte nachts laufen lassen
Verträge, die je nach Tageszeit HT- und NT-Strom liefern, sind nicht nur für Nachteulen interessant. Der Stromverbrauch lässt sich nämlich auch in die Nacht verlegen, wenn Sie gar nicht wach sind. Lassen Sie Geschirrspüler und Waschmaschinen nicht über längere Zeit unbeaufsichtigt laufen. Beachten Sie außerdem die Sicherheits- und Betriebshinweise des Herstellers. Wenn Sie über ein E-Auto verfügen, können Sie dieses auch über Nacht aufladen. Weitere Spartipps rund um Wäschewaschen sowie Kochen und Backen finden Sie in den jeweiligen Ratgebern.
Die moderne Alternative: dynamische Stromtarife
Der klassische Doppeltarif mit zwei festen Zeitfenstern bekommt zunehmend Konkurrenz: Seit dem 1. Januar 2025 müssen alle Stromanbieter Kunden mit intelligentem Messsystem einen dynamischen Tarif anbieten (§ 41a EnWG). Dabei folgt der Arbeitspreis dem Börsenstrompreis und ändert sich in kurzen Intervallen, oft viertelstündlich – günstige Stunden liegen dann nicht nur nachts, sondern etwa auch mittags bei viel Sonnenstrom. Der Doppeltarif bleibt die einfachere, planbare Variante mit festen Zeiten; der dynamische Tarif lohnt sich eher für Haushalte, die ihren Verbrauch flexibel steuern können. Mehr dazu lesen Sie im Ratgeber Was kostet eine Kilowattstunde Strom? – ob sich Nachtstrom für Sie rechnet, vertieft der Beitrag Ist Strom nachts billiger?
Häufige Fragen zu HT und NT
Wer legt fest, wann der Niedertarif gilt?
Brauche ich einen neuen Stromzähler?
Ist Nachtstrom automatisch günstiger?
Was unterscheidet HT/NT von einem dynamischen Tarif?
Ist Nachtstrom noch rentabel? Spare in der Zeit, dann hast Du in der Not – auf dieser alten Weisheit baut… weiterlesen



