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Ist Strom Nachst billiger?

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Nachtstrom – Energie zum Vorzugspreis

Die Zeiten, in denen die Stromrechnung ein durchlaufender Posten war, sind lange vorbei. Kein Wunder, dass viele nach Einsparmöglichkeiten suchen — und dabei auf den Nachtstrom stoßen, den es in Deutschland seit den 1950er Jahren gibt. Die kurze Antwort auf die Titelfrage: Ja, ein zeitabhängiger Tarif kann Strom nachts günstiger machen; bei dynamischen Tarifen hängt der Preis dagegen vom Börsenverlauf ab. Ohne zeitabhängigen oder dynamischen Tarif kostet die Kilowattstunde rund um die Uhr gleich viel.

Das Wichtigste in Kürze

  • Nachts billiger ist Strom nur, wenn der Vertrag es vorsieht — fest im HT/NT-Doppeltarif, schwankend im dynamischen Tarif.
  • Der Preisabstand ist deutlich kleiner als früher; ob sich der Tarif lohnt, zeigt allein die Jahresrechnung.
  • Bei neuen Wärmepumpen über 4,2 Kilowatt Netzanschlussleistung ist bei Engpässen seit 2024 nur Drosseln zulässig.
  • Nachtspeicherheizungen behalten ihre alten Netzentgelt-Regelungen dauerhaft und wechseln nicht in die neuen Module.
Haus erleuchtet in der Nacht © wolf, stock.adobe.com
Haus erleuchtet in der Nacht © wolf, stock.adobe.com

Relikt der guten alten Zeit

Um ihre Kraftwerke gleichmäßiger auszulasten, entwickelten die Energieversorger ab den 1950er Jahren ein strombasiertes Heizkonzept, das in den sechziger und siebziger Jahren seine Blütezeit hatte. Die Idee: nachts mit elektrischem Strom Wärme erzeugen. Diese Heizenergie wird dann in so genannten Nachtspeicheröfen zwischengespeichert. Das zumeist mineralische Speichermedium gibt die Wärme zeitverzögert über den Tag verteilt wieder ab; wie viel Restwärme abends bleibt, hängt von Gerät, Einstellung und Witterung ab. Auf diese Weise wird der Strombedarf gleichmäßiger auf 24 Stunden verteilt und extreme Belastungsspitzen vermieden. Der große Nachteil dieser Technologie ist ihr Wirkungsgrad in der Gesamtbetrachtung: Hochwertiger elektrischer Strom wird direkt in Wärme umgewandelt, während eine Wärmepumpe aus derselben Kilowattstunde ein Vielfaches an Heizwärme holt. Um den Verbrauchern diese Art der Heizung dennoch schmackhaft zu machen, führten die Energieversorger spezielle Nachtstrom-Tarife ein. Der hohe Bedarf an elektrischer Energie soll durch vergünstigte Tarife zum Aufladen der Nachtspeicherheizungen ausgeglichen werden.

Vom Nachtspeicherofen zum dynamischen Tarif

Nachtstrom war nie ein Verbraucherrabatt, sondern immer ein Werkzeug der Netzsteuerung. Wie sich dieses Werkzeug verändert hat:

  1. ab den 1950ern
    Kraftwerke laufen nachts weiter, obwohl kaum jemand Strom abnimmt. Nachtspeicheröfen und günstige Nachttarife sollen die Grundlast anheben.
  2. 1960er/70er
    Blütezeit der Elektrospeicherheizung. Der Preisabstand zwischen Tag und Nacht ist groß genug, um den hohen Stromverbrauch auszugleichen.
  3. seit den 2000ern
    Der Abstand schmilzt. Steuern, Abgaben und Netzentgelte machen einen wachsenden Teil des Preises aus — und die sind tags wie nachts fällig.
  4. seit 1.1.2024
    Die Neuregelung des § 14a EnWG ersetzt das Abschalten durch das Reduzieren und koppelt reduzierte Netzentgelte an die Steuerbarkeit der Anlage.
  5. seit 1.1.2025
    Stromanbieter müssen Letztverbrauchern mit intelligentem Messsystem einen dynamischen Tarif anbieten (§ 41a EnWG). Der Preis folgt dabei in kurzen Intervallen dem Börsenpreis.
  6. bis 31.12.2032
    Der Smart-Meter-Rollout soll mindestens 90 Prozent der Pflicht-Messstellen erreichen. Damit tritt neben die starre Zweiteilung in Tag und Nacht zunehmend der dynamische Tarif mit Preisen in kurzen Intervallen.
Quelle: § 14a und § 41a EnWG, § 45 MsbG

Zweigleisiger Stromtarif

Der vergünstigte Strom ist nicht rund um die Uhr verfügbar. Die Bundesnetzagentur nennt als typische Einteilung den Niedertarif von 22 bis 6 Uhr und den Hochtarif von etwa 6 bis 22 Uhr; je nach Netzgebiet kommt das Wochenende hinzu. Festgelegt werden diese Zeiten vom Netzbetreiber, nicht vom Stromanbieter — sie ändern sich deshalb auch nicht, wenn Sie den Lieferanten wechseln.

Das große Einsparpotenzial früherer Jahrzehnte ist allerdings dahin. Wie groß der Abstand zwischen Hoch- und Niedertarif ausfällt, hängt stark von Anbieter, Netzgebiet und Messkonzept ab. Entscheidend ist ohnehin nicht der prozentuale Abstand, sondern die Jahresrechnung — dazu gleich mehr. Um den Nachtstrom überhaupt nutzen zu können, braucht es einen zweiten Stromzähler oder einen Doppeltarifzähler mit zwei Zählwerken, von denen das eine den Tagstrom und das andere den Nachtstrom erfasst. Eingerichtet wird er vom Messstellenbetreiber, meist dem örtlichen Netzbetreiber; umgeschaltet wird über ein Rundsteuersignal aus dem Netz oder über eine Schaltuhr im Zähler.

Mit dem richtigen Tarif ist der Nachtstrom günstiger
Mit dem richtigen Tarif ist der Nachtstrom günstiger
Tipp: zusätzliches Einsparpotenzial nutzenWer seine Wohnung noch mit Nachtspeicheröfen beheizt, kann seine Stromkosten unter Umständen noch weiter drücken. Werden die elektrischen Geräte wie Geschirrspüler oder Waschmaschine nachts betrieben, ergibt sich zusätzliches Einsparpotenzial. Dazu ist es allerdings notwendig, dass der gesamte Stromverbrauch nachts über den Niedertarif abgerechnet wird. Anlagen, bei denen lediglich die Nachtspeicheröfen an den Nachtstromzähler angeschlossen sind, eröffnen dieses Einsparpotenzial nicht. Klarheit schafft ein Blick auf die Jahresabrechnung oder eine Nachfrage beim Netzbetreiber.

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Nachttarif nicht zwingend günstiger

Früher waren Nachtstromtarife dem örtlichen Grundversorger vorbehalten; heute gibt es Alternativangebote — allerdings weniger, als man erwarten würde. Die Verbraucherzentrale weist darauf hin, dass je nach Region, Netzgebiet und Messart oft nur zehn bis zwanzig Tarife in den Portalen auftauchen, und dass sich die Preise erheblich unterscheiden. Nach einer Erhebung der Verbraucherzentrale von 2024 sind Tarife für den Betrieb einer Nachtspeicherheizung ab etwa 19 Cent je Kilowattstunde zu haben.

Daraus folgt eine Möglichkeit, die viele übersehen: Es kann durchaus vorkommen, dass ein Haushalt mit einem guten Eintarif günstiger fährt als mit dem Doppeltarif eines anderen Anbieters. Entscheidend ist die Jahressumme aus HT- und NT-Verbrauch plus Grund- und Messpreisen, nicht der Tarifname. Hier lohnt ein genauer Vergleich der verfügbaren Angebote und ein Blick auf die letzte Stromrechnung. Ist der Eintarif günstiger, kann der Umstieg sinnvoll sein. Ob die Öfen tagsüber laden dürfen, klären Sie vorher mit Netzbetreiber und Elektrofachbetrieb.

Stromvertrag fristgerecht kündigen
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Stromrechnung zu hoch? © Stockfotos MG, stock.adobe.com
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Moderne Heizvariante mit Nachtstrom

Auch eine der modernen Heiztechnologien lässt sich mit vergünstigtem Strom wirtschaftlicher betreiben. Die Wärmepumpenheizung holt ihre Wärme aus Luft, Erdreich oder Grundwasser und führt sie dem Heizkreislauf zu; den Antrieb dafür liefert Strom. Weil sie den größten Teil der Wärme aus der Umwelt bezieht, braucht sie für dieselbe Heizleistung deutlich weniger Strom als ein Nachtspeicherofen.

Wärmepumpe holen Wärme aus Erde, Luft und Wasser
Wärmepumpe holen Wärme aus Erde, Luft und Wasser

In diesen Fällen spricht man besser von Niedertarif- oder Heizstrom: Der vergünstigte Strom steht nicht nur nachts zur Verfügung, sondern generell zu bedarfsschwachen Zeiten.

Den günstigeren Preis bezahlen Sie damit, dass der Netzbetreiber auf die Anlage zugreifen darf, wenn das Netz an seine Grenzen kommt. Die verbreitete Vorstellung, die Wohnung bleibe dann eben kalt, ist allerdings überholt. Für neue Wärmepumpen gilt seit dem 1. Januar 2024 die Neuregelung zu § 14a EnWG, die die Bundesnetzagentur in einer eigenen Festlegung ausgestaltet hat — sie greift ab mehr als 4,2 Kilowatt Netzanschlussleistung: Der Netzbetreiber darf bei drohender Überlastung nur noch reduzieren, nicht abschalten — bei Direktansteuerung müssen grundsätzlich mindestens 4,2 Kilowatt verfügbar bleiben. Das reicht in aller Regel, um weiterzuheizen. Gesteuert wird ohnehin vom Netzbetreiber, nicht vom Stromlieferanten, und Eingriffe sind auf die tatsächlichen Engpasszeiten begrenzt. Im Gegenzug bekommen Sie ein reduziertes Netzentgelt. Welche Regeln für welche Anlage gelten, hängt vom Anlagentyp, vom Zeitpunkt der Inbetriebnahme und davon ab, ob eine Steuerung vereinbart war — die folgende Übersicht trennt die vier Fälle.

Netzentgelte nach § 14a: vier Fälle, vier Regeln

Nachtspeicherheizung dauerhaft Bestand

Bleibt außen vor: Die bisherigen Regelungen zu Sperrzeiten und Netzentgelt haben nach Angaben der Bundesnetzagentur dauerhaft Bestand. Ein Wechsel in die neuen Module 1 bis 3 ist für diese Anlagen weder nötig noch möglich.

Bestandsanlage mit vereinbarter Steuerung Frist 31.12.2028

Wärmepumpe oder Wallbox, vor dem 1. Januar 2024 in Betrieb genommen und mit Steuerungsvereinbarung: Die alten Bedingungen gelten noch bis zum 31. Dezember 2028, danach erfolgt die Überführung in die neue Systematik. Ein freiwilliger früherer Wechsel ist möglich, aber verbindlich und nicht rückgängig zu machen.

Bestandsanlage ohne vereinbarte Steuerung freiwillig

Ebenfalls vor 2024 in Betrieb, aber ohne Steuerungsvereinbarung: Diese Anlagen sind dauerhaft ausgenommen. Wer die reduzierten Netzentgelte trotzdem mitnehmen möchte, kann freiwillig wechseln.

Neue Anlage ab 2024 neue Systematik

Wärmepumpen, private Ladepunkte, Kälte- und Stromspeicheranlagen mit mehr als 4,2 Kilowatt Netzanschlussleistung fallen unter die neue Regelung. Der Netzbetreiber darf im Engpassfall nur reduzieren; dafür gibt es ein reduziertes Netzentgelt — wahlweise als Pauschale nach Modul 1 oder als Arbeitspreis-Rabatt nach Modul 2. Das zeitvariable Modul 3 ist seit April 2025 verpflichtend anzubieten, aber nur zusätzlich zu Modul 1 wählbar.

Quelle: § 14a EnWG mit BNetzA-Festlegung BK6-22-300
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