Der Strommix in Deutschland
Welcher Strom kommt eigentlich genau aus der Steckdose? Wie und wo wurde er produziert? Solche Fragen zu stellen, ist durchaus sinnvoll. Schließlich ist die Art der Stromproduktion mitentscheidend dafür, wie stark der Energiehunger der Menschheit diesen Planeten belastet. Ein Blick auf den Strommix in Deutschland zeigt, wie sich Prioritäten im Lauf der Zeit verändert haben.
Das Wichtigste in Kürze
- 2025 stammten 58,6 Prozent des in Deutschland eingespeisten Stroms aus erneuerbaren Energien – Windkraft ist mit 30 Prozent die wichtigste Quelle.
- Seit April 2023 läuft die deutsche Stromerzeugung komplett ohne Kernenergie; Kohle deckt noch gut ein Fünftel.
- Jeder Anbieter muss seinen eigenen Strommix offenlegen (§ 42 EnWG) – ein Blick darauf lohnt vor dem Tarifabschluss.


Strommix in Deutschland
Der in Deutschland produzierte Strom wird aus unterschiedlichen Energieträgern gewonnen. Nach vorläufigen Zahlen des Statistischen Bundesamts wurden 2025 insgesamt 438,2 Milliarden Kilowattstunden Strom erzeugt und in das Netz eingespeist. Den größten Anteil hatten dabei mit 58,6 Prozent die erneuerbaren Energien aus Wind, Sonne und Co – schon seit 2023 stammt der eingespeiste Strom mehrheitlich aus erneuerbaren Quellen. Die Stromerzeugung aus Sonne und Wind bleibt allerdings wetterabhängig: In wind- und sonnenarmen Zeiten springen vor allem Gas- und Kohlekraftwerke ein. Immer weiter zurück fällt die Kohle. Lag ihr Anteil 2015 und 2016 noch bei etwa 40 Prozent, waren es 2025 noch rund 22 Prozent des eingespeisten Stroms.
Die Kernenergie spielt im deutschen Strommix keine Rolle mehr: Mitte April 2023 gingen die letzten drei Reaktoren vom Netz. Erdgas hat dagegen wieder an Bedeutung gewonnen: Sein Anteil an der eingespeisten Strommenge stieg von 11,5 % im Krisenjahr 2022 auf 16,1 % im Jahr 2025 – der höchste Wert seit Beginn der Destatis-Zeitreihe im Jahr 2018.



Bei den erneuerbaren Energien dominiert Windkraft: Sie blieb 2025 mit einem Anteil von 30,0 % an der eingespeisten Strommenge die wichtigste Energiequelle in Deutschland. Es folgten Photovoltaik mit 16,0 % – neuer Rekordwert dank kräftigen Zubaus – sowie Biogas mit 6,2 % und Wasser mit 3,6 %.
Strommix 2025: So setzt sich der eingespeiste Strom zusammen
| Energieträger | Anteil an der Netzeinspeisung 2025 (%) | Einordnung |
|---|---|---|
| Windkraft | 30 % | wichtigste Quelle |
| Kohle | 22,1 % | fossil |
| Erdgas | 16,1 % | fossil |
| Photovoltaik | 16 % | — |
| Biogas | 6,2 % | — |
| Wasserkraft | 3,6 % | — |
| Übrige Energieträger | 6 % | u. a. sonstige erneuerbare und konventionelle |
Der Strommix: Veränderungen seit 1990
Wie sich der Strommix in Deutschland im Laufe der Jahre verändert hat, zeigt etwa die Tabelle „Bruttostromerzeugung in Deutschland ab 1990 nach Energieträgern“ der AG Energiebilanzen. Hier einige exemplarische Daten:
- Braunkohle: 1990 wurden 170,9 Milliarden Kilowattstunden Strom aus Braunkohle produziert. Von 2000 bis 2018 lag die Jahresproduktion meist zwischen rund 145 und 160 Milliarden Kilowattstunden. 2021 waren es noch 110,1 Milliarden kWh. Braunkohle wird im Strommix also tendenziell unwichtiger, bleibt bisher aber sehr bedeutend.
- Steinkohle: Bei der Steinkohle gab es 1990 eine Jahresproduktion von 140,8 Milliarden Kilowattstunden. 2016 waren es 112,2 Milliarden, 2015 117,7 Milliarden. 2021 waren es mit 54,6 Milliarden weniger als die Hälfte. Auch Steinkohle verliert damit an Bedeutung im Strommix.
- Kernenergie: Kernenergie ist deutlich unwichtiger geworden. 1990 stand sie noch für 152,5 Milliarden Kilowattstunden Strom. 2001 gab es eine Spitze der Produktion mit 171,3 Milliarden. Seither geht es mit Unterbrechungen tendenziell abwärts. Der Wert für 2021 lag bei 69,1 Milliarden Kilowattstunden. Mit der Abschaltung der letzten drei Reaktoren im April 2023 endete die Stromerzeugung aus Kernenergie in Deutschland vollständig.
- Erdgas: Die Bedeutung von Erdgas ist tendenziell angestiegen. 1990 wurden 35,9 Milliarden Kilowattstunden Strom mit Erdgas produziert. 2015 waren es 62 Milliarden und 2021 wurden 90,3 Milliarden Kilowattstunden erzeugt.
- Erneuerbare Energien: Noch viel stärker war der Anstieg bei den Erneuerbaren Energien. 1990 wurden mit Erneuerbaren Energien nur 19,7 Milliarden Kilowattstunden Strom produziert. 2015 waren es 188,8 Milliarden und 2016 189,7 Milliarden Kilowattstunden. 2021 wurden 233,9 Milliarden Kilowattstunden mit Wind, Sonne, Wasser und Co erzeugt.
Jeder Stromanbieter hat seinen eigenen Strommix
Bisher war die Rede vom Strommix in ganz Deutschland. Aber natürlich haben auch die einzelnen Stromversorger ihren eigenen Strommix. Und sie müssen Verbraucher darüber informieren, wie der aussieht.

Laut Paragraf 42 des Energiewirtschaftsgesetzes sind die Stromlieferanten zur Information verpflichtet. Sie müssen angeben, wie hoch die Anteile „der einzelnen Energieträger (Kernkraft, Kohle, Erdgas und sonstige fossile Energieträger, Mieterstrom, gefördert nach dem EEG, erneuerbare Energien mit Herkunftsnachweis, nicht gefördert nach dem EEG)“ an dem Gesamtenergieträgermix sind, den sie im letzten oder vorletzten Jahr verwendet haben. Dazu kommen Angaben zu den CO₂-Emissionen und zum radioaktiven Abfall sowie – als Vergleichsmaßstab – die Durchschnittswerte der Stromerzeugung in Deutschland. Für erneuerbare Energien mit Herkunftsnachweis müssen Anbieter außerdem die Herkunftsstaaten und deren Anteile nennen. Stromkunden gibt das die Möglichkeit, den individuellen Strommix des Unternehmens als ein Kriterium bei der Auswahl der für sie geeigneten Stromtarife zu nutzen.
Ist Ökostrom eigentlich Ökostrom?
Ein Ökostromtarif verändert nicht den Strom, der physikalisch aus der Steckdose kommt: Im öffentlichen Netz vermischt sich Strom aus allen Quellen. Für den Anteil „erneuerbare Energien mit Herkunftsnachweis, nicht gefördert nach dem EEG“ muss der Anbieter Herkunftsnachweise entwerten. Sie belegen, dass die entsprechende erneuerbare Strommenge erzeugt und nur einmal in der Stromkennzeichnung ausgewiesen wurde.

Wenn alle Kunden Ökostromtarife wählten, könnten die Lieferanten für diese Tarife in der Stromkennzeichnung ausschließlich erneuerbare Energien ausweisen. Der physische Strommix im deutschen Netz wäre dadurch aber nicht automatisch zu 100 % erneuerbar. Die Nachfrage nach Herkunftsnachweisen kann den Ausbau erneuerbarer Anlagen nur mittelbar anreizen.
Woran Sie glaubwürdigen Ökostrom erkennen
Ob hinter einem Ökostromtarif erneuerbare Strommengen stehen, lässt sich an der Stromkennzeichnung prüfen: Für den dort ausgewiesenen Anteil „erneuerbare Energien mit Herkunftsnachweis, nicht gefördert nach dem EEG“ muss der Anbieter Herkunftsnachweise entwerten. Das verhindert Doppelvermarktung, sagt aber nichts darüber aus, ob der Anbieter zusätzlich in neue Anlagen investiert. Wer mit seinem Tarif den Ausbau der Erneuerbaren gezielt voranbringen will, achtet deshalb auf anspruchsvolle Labels wie „Grüner Strom“ oder „ok-power“, die zusätzliche Kriterien zur Förderung neuer Anlagen vorsehen.
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