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Strompreisentwicklung

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Die Entwicklung der Strompreise

Schaut man sich die Preisgestaltung vieler Stromanbieter in den letzten Jahren an, so könnte man meinen, mit den Worten „nach oben“ wäre alles Wichtige zu diesem Thema gesagt. Im Juni 2018 war es erstmals amtlich: Die EU-Statistikbehörde Eurostat meldete, dass Deutschland europaweit die höchsten Strompreise hat. Auch heute zahlen deutsche Haushalte im europäischen Vergleich Spitzenpreise: Im ersten Halbjahr 2025 meldete Eurostat für Deutschland mit 38,35 Cent je kWh den höchsten Preis in der EU. Ihren Höhepunkt erreichten die Preise in der Energiekrise 2022/2023; seither entspannt sich die Lage: In der BDEW-Auswertung aktuell abschließbarer Tarife für einen Haushalt mit 3.500 kWh Jahresverbrauch lag der Durchschnitt im April 2026 bei 37,0 Cent je Kilowattstunde, nach 39,3 Cent im Jahresmittel 2025.

Das Wichtigste in Kürze

  • Nach dem Rekordhoch lag der BDEW-Durchschnitt verfügbarer Tarife für 3.500 kWh im April 2026 bei 37,0 Cent je Kilowattstunde.
  • Im EU-Vergleich bleibt deutscher Strom teuer – im ersten Halbjahr 2025 lag Deutschland laut Eurostat mit 38,35 Cent je kWh vorn.
  • Die EEG-Umlage entfiel bereits zum 1. Juli 2022; heute beeinflussen Beschaffung, Netzentgelte und der eigene Tarif den Preis.
Diese Faktoren bestimmen den Strompreis
Diese Faktoren bestimmen den Strompreis

Sie sollten sich trotz des Ärgers einige Minuten Zeit nehmen für diesen Beitrag, denn die Hintergründe der Preisentwicklung sind ungemein spannend. Es gibt nämlich zum einen Wege, die Preisspirale zu durchbrechen. Zum anderen können Sie als gut informierter Verbraucher besser beurteilen, welche Anbieter und Fachleute ehrlich argumentieren und welche lediglich weiter an der Kostenschraube drehen wollen. Ob ihre Stromanbieter die günstigsten Tarife in ihrer Region anbieten, kann man mit dem Stromtarifrechner herausfinden.

Die Strompreisentwicklung seit 1998

1998 wurde der deutsche Strommarkt liberalisiert, und zunächst schien sich die gleiche gewünschte Entwicklung wie auf dem Telefonmarkt zu vollziehen. Dort sorgte ein intensiver Wettbewerb für stark sinkende Preise. Die Freude währte jedoch nur kurz. Von 2000 bis zur Energiekrise 2022/2023 sind die durchschnittlichen Stromkosten für Privathaushalte fast stetig gestiegen; erst seit 2024 sinkt das Preisniveau wieder spürbar. Die Gründe dafür sind vielfältig und teilweise auch nachvollziehbar. So verursacht die Wartung und Instandhaltung des Leitungsnetzes, die Erzeugung von Strom sowie sein Transport Kosten, die in der Regel auf die Verbraucher umgelegt werden. Darüber hinaus sind fossile Brennstoffe nur begrenzt verfügbar. Für die Strompreisentwicklung sind vor allem die Kosten für Brennstoffe und CO₂-Zertifikate relevant; sie können stark schwanken. Und auch die stetig steigende Nachfrage – sei sie durch Digitalisierung oder E-Mobilität ausgelöst – wirkt sich auf den Strompreis aus.

Strompreis-Meilensteine seit 1998

Die wichtigsten Wegmarken der deutschen Strompreisentwicklung im Überblick.

  1. 1998
    Liberalisierung des Strommarkts – Verbraucher können ihren Anbieter seither frei wählen.
  2. 2000
    Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) tritt in Kraft; die Förderung wird zunächst über den Strompreis finanziert. Die EEG-Umlage wurde ab 2010 erhoben.
  3. 2017
    Die EEG-Umlage erreicht mit 6,88 Cent je Kilowattstunde ihren Höchststand.
  4. 2022
    Energiekrise: Beschaffungskosten treiben die Preise auf Rekordniveau; die EEG-Umlage wird zur Jahresmitte auf null gesenkt und ab 2023 abgeschafft.
  5. 2023
    Die Strompreisbremse deckelt vorübergehend einen Großteil des Verbrauchs; im April gehen die letzten Kernkraftwerke vom Netz.
  6. 2025
    Stromanbieter müssen Haushaltskunden mit intelligentem Messsystem dynamische Tarife anbieten (§ 41a EnWG); der Durchschnittspreis sinkt auf 39,3 Cent.
  7. 2026
    Ein Bundeszuschuss senkt die Übertragungsnetzentgelte; der BDEW-Durchschnitt verfügbarer Tarife liegt im April bei 37,0 Cent je Kilowattstunde.
Quelle: BDEW-Strompreisanalyse, April 2026; Bundesnetzagentur, Monitoringbericht 2025; EnWG § 41a

Die Strompreise hängen von mehreren Faktoren ab. Netzausbau und Systemkosten spielen dabei ebenso eine Rolle wie Beschaffungskosten, Verbrauchsentwicklung und staatliche Preisbestandteile; eine pauschale Zuordnung der Gesamtkosten zur Energiewende ist nicht belastbar. Zwar haben auch die industriellen Stromabnehmer mit steigenden Kosten zu kämpfen, doch liegt ihr durchschnittlicher Strompreis weit unter jenem für Privathaushalte, und auch die Kostensteigerungen haben keine derart vehemente Entwicklung genommen.

Große Industrie- und Gewerbekunden erhalten häufig Sonderkonditionen. Gesetzliche Entlastungen bei Steuern, Abgaben und Umlagen gelten aber nur unter den jeweiligen Voraussetzungen. Beispiel Konzessionsabgabe: Sie ist das Entgelt für die Nutzung öffentlicher Verkehrswege durch Leitungen. Für nicht als Schwachlaststrom gelieferten Strom an Tarifkunden liegen die gesetzlichen Höchstsätze je nach Gemeindegröße zwischen 1,32 und 2,39 Cent pro kWh. Für Sondervertragskunden sind höchstens 0,11 Cent pro kWh zulässig. Sondervertragskunde ist nach der Konzessionsabgabenverordnung, wer nicht als Tarifkunde beliefert wird; der niedrigere Satz hängt daher nicht automatisch an einer hohen Abnahmemenge. Gegenüber den Tarifkunden-Höchstsätzen sind das rechnerisch rund 92 bis 95 Prozent weniger.

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Oligopol erschwerte lange einen funktionierenden Wettbewerb auf dem Strommarkt

Die dargestellten Hintergründe tragen alle ihren Teil zum momentanen Niveau der Strompreise bei, doch gelten sie meist auch für andere Länder. Trotzdem liegen die deutschen Strompreise im europäischen Vergleich immer weit im oberen Drittel. Eine gewisse Mitschuld an diesem Dilemma tragen die Verbraucher selbst. Sie konnten sich bisher mehrheitlich nicht zu einem Wechsel ihres Stromanbieters durchringen. Dadurch konnten sich die vier großen Energiekonzerne E.ON, EnBW, Vattenfall und RWE einen riesigen Marktanteil sichern.

Mittlerweile hat sich das Blatt ein wenig gewendet. Zwar ist der Marktanteil der Konzerne immer noch beachtlich hoch, doch drängten zunehmend neue Anbieter auf den Markt. „Bei der konventionellen Stromerzeugung hat die Marktmacht der größten Unternehmen in den letzten Jahren deutlich abgenommen“, konstatieren die Bundesnetzagentur und das Bundeskartellamt in ihrem Monitoringbericht 2021. Es könne davon ausgegangen werden, dass auf den bundesweiten Einzelhandelsmärkten (…) kein Anbieter mehr marktbeherrschend ist. Bei der konventionellen Stromerzeugung hatte RWE damals mit 26 Prozent den größten Anteil; 2017 waren es noch 32 Prozent. Der Wettbewerb hat sich seither weiter belebt: Laut Monitoringbericht 2025 von Bundesnetzagentur und Bundeskartellamt konnten Haushalte im Jahr 2024 im Bundesschnitt aus 139 Stromanbietern je Wohnort wählen – und mit 7,1 Millionen Anbieterwechseln wurde ein neuer Rekord erreicht.

Strompreis und Wettbewerb in Zahlen

37,0 ctBDEW-Durchschnitt verfügbarer Tarife im April 2026Für 3.500 kWh/Jahr; 39,3 ct im Jahresmittel 2025
38,35 ct EU-SpitzeHöchster Haushaltsstrompreis in der EU1. Halbjahr 2025Eurostat, Verbrauchsband 2.500–5.000 kWh
139Stromanbieter je Wohnort im BundesschnittMonitoringbericht 2025, Daten 2024
7,1 Mio.Anbieterwechsel im Jahr 2024 – neuer RekordMonitoringbericht 2025
Quelle: BDEW-Strompreisanalyse, April 2026; Bundesnetzagentur/Bundeskartellamt, Monitoringbericht 2025; Eurostat

Erneuerbare Energien als Preistreiber?

Die erneuerbaren Energien wurden immer wieder als Strompreistreiber bezeichnet und von vielen Energieversorgern als Hauptgrund für ihre Tariferhöhungen angeführt. Ein Blick auf die Entwicklung der Haushaltsstrompreise zeigt jedoch ein differenzierteres Bild.

Lange Zeit machte die EEG-Umlage tatsächlich einen erheblichen Teil des Strompreises aus – in der Spitze lag sie 2017 bei 6,88 Cent pro Kilowattstunde. Zur Jahresmitte 2022 wurde sie auf null gesenkt, seit 2023 ist sie vollständig abgeschafft; die Förderung der erneuerbaren Energien wird seither aus Bundesmitteln bezahlt und taucht auf der Stromrechnung nicht mehr auf. An der Strombörse wirken Wind- und Solarstrom mit ihren niedrigen Erzeugungskosten tendenziell preisdämpfend. Auf der anderen Seite kostet der Umbau des Systems Geld: Netzausbau kann die Netzentgelte erhöhen; für Reservekraftwerke und die Integration dezentraler Anlagen fallen weitere Systemkosten an. Die Erneuerbaren pauschal als Preistreiber zu bezeichnen, greift daher zu kurz – entscheidend ist, welchen Kostenbestandteil man betrachtet.

Ausblick Strompreisentwicklung

Kurzfristig stehen die Zeichen eher auf Entspannung: Für 2026 senkt ein staatlicher Zuschuss zu den Übertragungsnetzentgelten die Netzkosten spürbar, und der durchschnittliche Haushaltsstrompreis ist laut BDEW auf 37,0 Cent je Kilowattstunde gefallen. Keine Frage, der Ausbau der Infrastruktur kostet weiterhin Geld: Die Netze müssen fit gemacht werden für eine Vielzahl an dezentralen Erzeugern, die ihren Strom einspeisen. Verbraucher sind der Entwicklung aber nicht ausgeliefert: Wer Tarife vergleicht und regelmäßig prüft, kann Kosten senken. Ein dynamischer Tarif kommt vor allem bei intelligentem Messsystem und verschiebbarem Verbrauch infrage; sein Arbeitspreis kann auch steigen.

Preisentwicklung © corgarashu, stock.adobe.com
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