Strompreis-Dossier Teil 1: Die Strompreis Entwicklung bei Privathaushalten

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Die Strompreisentwicklung bei den Privathaushalten

Die Jahrtausendwende hat sich nicht nur aufgrund der Jahreszahl bei vielen Menschen eingeprägt. Auch hinsichtlich der Strompreise markiert das Jahr eine einschneidende Wende. Es war für lange Zeit das letzte Mal, dass die Kosten für den Strom von Privathaushalten im Vergleich zum Vorjahr gefallen sind. Seitdem kennt die Entwicklung fast nur noch eine Richtung, und zwar nach oben.

Digitaler Stromzaehler © Gerhard Seybert, fotolia.com
Digitaler Stromzaehler © Gerhard Seybert, fotolia.com

Betrugen die durchschnittlichen Kosten für einen Privat-Haushalt mit einem jährlichen Verbrauch von 3500 Kilowattstunden im Jahr 2000 noch 13,94 Cent brutto, liegen sie im Jahr 2018, je nach Berechnung, bei 29,4 bis 30,1 Cent. Die Gründe dafür sind vielfältig und erschließen sich erst mit einem zweiten Blick auf die Strompreisentwicklung.


Entwicklung Stromopreise für Privathaushalte – Bildquelle Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e.V.

Liberalisierung mit Folgen

1998 wurde der Strommarkt liberalisiert. Dies führte zunächst zu der politisch erwünschten Wirkung, nämlich mehr Wettbewerb auf dem Strommarkt. In der Folge sanken die Preise bis zum Jahr 2000, da neue Mitbewerber auf den Markt drängten und Konkurrenz bekanntlich das Geschäft belebt. Die Goldgräberstimmung war jedoch schnell verflogen, und es kristallisierte sich auf dem Markt ein Angebotsoligopol heraus. Das heißt: Vielen Stromkunden standen lediglich vier große Energiekonzerne gegenüber: RWE, EnBW, Vattenfall und E.ON.

Der Knackpunkt sind in vielen Fällen die Netze, die in der Hand von Tochtergesellschaften der Energieriesen sind. Die Bundesnetzagentur als Regulierungsbehörde ist dafür zuständig, den Wettbewerb auf dem Strommarkt ins Laufen zu bringen und für einen diskriminierungsfreien Netzzugang alternativer Anbieter zu sorgen. Die Entflechtung des Netzbetriebs vom Kerngeschäft der Stromerzeugung ist eine Maßnahme des reformierten Energiewirtschaftsgesetzes, das die Konkurrenz beleben sollte.

Knapp die Hälfte des Strompreises geht an den Staat

Die Marktstruktur ist jedoch bei weitem nicht der einzige Grund für steigende Preise. Hinzu kommen Steuern, Umlagen und Abgaben, die von politischer Seite verantwortet werden. Während die Stromsteuer mit 2,05 Cent pro Kilowattstunde seit 2003 konstant geblieben ist, steigt beispielsweise die Umsatzsteuer kontinuierlich seit über zehn Jahren an. Seit dem Tiefststand nach der Liberalisierung von 1,92 Cent im Jahr 2000 kletterte sie auf 4,7 Cent im Jahr 2018. Die EEG-Umlage, oftmals als Preistreiber Nummer Eins gebrandmarkt, stieg zwischen den Jahren 2003 und 2009 nur moderat von 0,41 auf 1,31 Cent an. Der stark geförderte Ausbau der erneuerbaren Energien in den vergangenen Jahren hat seitdem jedoch für einen teilweise sprunghaften Anstieg gesorgt. Betrug die Umlage im Jahr 2010 noch 2,05 Cent, stieg sie bis 2018 auf mittlerweile 6,8 Cent an. Sie ist jedoch bei weitem nicht alleine für den Strompreisanstieg verantwortlich.

Insgesamt betrug die Steuer- und Abgabenlast bei einem durchschnittlichen Drei-Personen-Haushalt viele Jahre lang konstant um die 40 Prozent, bevor der Anteil in den vergangenen Jahren stark anstieg. 2018 entfiel mehr als die Hälfte des Strompreises auf diese „Nebenkosten“.


Entwicklung Staatsanteil Strompreise – Bildquelle Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e.V.

Ein Blick in die Zukunft

Studien zur Strompreisentwicklung gibt es viele. Auch wenn die Forschungsansätze und Schwerpunkte ganz unterschiedlich gewählt sind, so kommen doch nahezu alle zu demselben Ergebnis: Die Strompreise werden weiter steigen. Dies liegt vor allem an zwei Gründen. Zum einen basiert ein großer Teil der Stromerzeugung nach wie vor auf fossilen Rohstoffen. Sie sind nur in begrenztem Maße verfügbar. Da die leicht erreichbaren Quellen zunehmend ausgebeutet sind, steigen die Erschließungskosten für schwerer zugängliche Reservoirs an Erdöl, Erdgas und Kohle. Die Atomkraft scheidet, zumindest in Deutschland, nach dem Beschluss zur Energiewende als Alternative aus.

Es bleiben die regenerativen Energien übrig. Ihr Ausbau wird derzeit massiv vorangetrieben, doch sind bisher weder ausreichend Speichermöglichkeiten vorhanden, noch sind die Stromnetze auf die Einspeisung vieler dezentraler Energiequellen wie Windräder oder Photovoltaik-Anlagen vorbereitet. Die Investitionen sollen sich früher oder später auszahlen, nicht zuletzt durch eine Technologieführerschaft und einen schonenden Umgang mit der Umwelt. Bis dahin wird die Energiewende jedoch einiges kosten. Wie viel, kann derzeit niemand seriös beziffern.

Die Politik versucht seit geraumer Zeit, zumindest die aus dem Ruder laufenden Kosten der Energiewende für die Privathaushalte zu begrenzen.

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