Was ist Biogas
Umweltschutz, strategische Überlegungen, nachhaltige Ressourcenschonung – es gibt viele Gründe, die Erforschung und Nutzung erneuerbarer Energiequellen voranzutreiben. Biogas spielt dabei mittlerweile eine wichtige Rolle: Ende 2025 gab es in Deutschland rund 9.300 Biogasanlagen, die vor Ort Strom erzeugen, und 290 Anlagen, die Biogas zu Biomethan aufbereiten; die Vor-Ort-Anlagen brachten es zusammen auf etwa 6.800 MW installierte elektrische Leistung. Grund genug, sich den alternativen Energieträger einmal genauer anzuschauen.

Biogas – Natur-Energie aus organischem Abfall

Biogas wird durch die Aufbereitung von Biomasse gewonnen. Als Ausgangsstoffe dienen dabei zum Beispiel Ausscheidungen von Nutzvieh und Geflügel, aber auch Abfälle aus Biotonnen und landwirtschaftliche Ernterückstände, die nicht zu Lebensmitteln weiterverarbeitet werden können. Neben diesen in Produktionsprozessen anfallenden organischen Rohstoffen werden auch spezielle „Energie-Pflanzen“ wie Mais und Zuckerrübe angebaut, die sich durch eine hohe biologische Verwertbarkeit auszeichnen. Unter dem Begriff Biogas werden oft auch weitere natürliche Gase zusammengefasst, die durch ähnliche chemische Prozesse entstehen. Hierzu gehören unter anderem Klärgas und das in Mülldeponien entstehende Deponiegas. Biogas ist eine Möglichkeit der Nutzung von Biomasse zur Energieerzeugung. Weitere klassische Beispiele für Energie aus Biomasse sind Holzkohle und Pflanzenöl.

Gewinnung von Biogas
Zur Erzeugung von Biogas müssen die organischen Abfälle einen mehrstufigen Vergärungsprozess in sauerstofffreier Umgebung durchlaufen. Durch den Einsatz von Bakterien und anderen Mikroorganismen werden die Ausgangsstoffe zunächst zerlegt und dann über Zwischenschritte vor allem zu Methan und Kohlenstoffdioxid abgebaut. Dies geschieht in speziellen Biogasanlagen, die das Gas meist vor Ort verstromen und den Strom in die Stromnetze einspeisen. Die verschiedenen Ausgangsstoffe zur Gewinnung von Biogas unterscheiden sich in ihrer chemischen Zusammensetzung. Im Rahmen der Strom- und Wärmeerzeugung spielt dabei der Anteil des Methans die entscheidende Rolle.


Methan-Gehalt ist entscheidend
Bei der Verbrennung des Methans wird Energie freigesetzt. Je höher folglich der Methan-Anteil im Biogas ist, desto effizienter lässt es sich verwerten. Der Anteil schwankt dabei, je nach verwendeten Rohstoffen und dem Prozessablauf der Umwandlung in der Biogas-Anlage, zwischen 50 und 75 Prozent. Da die Vergärung auf organischem Wege durch Mikroorganismen stattfindet, ist dieser Vorgang, beispielsweise durch Verunreinigung, störanfällig. Darüber hinaus entstehen bei der Biogas-Gewinnung weitere Stoffe wie Ammoniak und Schwefelwasserstoff, die empfindliche Geräte wie etwa Motoren beschädigen könnten. Daher werden diese Bestandteile vor der Verbrennung von Biogas entfernt.

Nutzung von Biogas
Biogas wird in Deutschland hauptsächlich zur Stromerzeugung in Blockheizkraftwerken genutzt. Da lediglich ein Teil der im Biogas enthaltenen Energie in Strom umgewandelt werden kann, ist es sinnvoll, die im Produktionsprozess entstehende Wärme mittels Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) ebenfalls zu verwerten. Darüber hinaus kann Biogas auch in das Erdgasnetz eingespeist werden. Dafür sind zusätzliche Aufbereitungs-, Verdichtungs- und Anschlusstechnik nötig. Weitere Anwendungsgebiete von Biogas, die zukünftig möglicherweise eine größere Rolle spielen könnten, sind die Stromumwandlung in Brennstoffzellen und die Nutzung als alternativer Treibstoff.


Biogas, Biomethan – und was davon bei Ihnen ankommt
Aufbereitetes Biogas heißt Biomethan und hat Erdgasqualität – nur dieser Teil lässt sich überhaupt ins Gasnetz einspeisen. 2025 waren das nach Auswertung der Deutschen Energie-Agentur rund 12,3 Terawattstunden und damit ein Höchstwert. Gemessen am deutschen Erdgasverbrauch bleibt es eine kleine Größe: Der Fachverband Biogas beziffert die 2025 einschließlich Importen verfügbare Biomethanmenge auf rund 1,9 Prozent des deutschen Erdgasverbrauchs. Für die Tarifwahl heißt das vor allem eines – aus Ihrer Leitung kommt weiterhin das Gasgemisch des Netzes. Ein Biogas-Tarif ordnet Ihnen die gekaufte Menge bilanziell zu; physisch getrennt geliefert wird sie nicht.
Biogas: Die Energiequelle der Zukunft?
Experten gehen davon aus, dass Biogas auch zukünftig eine wichtige Rolle im Portfolio der erneuerbaren Energien einnimmt. Allerdings häufen sich auch kritische Stimmen, die am Image der ökologischen und nachhaltigen Energieform kratzen. Da sich beispielsweise die Ausscheidungen von Nutztieren in Biogas umwandeln lassen, eröffnete dies Betreibern von großen Masthäusern einen lukrativen Nebenverdienst. Darüber hinaus hat auch der Vergärungsprozess in den Biogas-Anlagen aufgrund von Geruchsbelästigungen schon für einigen Ärger gesorgt. Energiepflanzen wie Silomais und Zuckerrüben, die auf Feldern angebaut werden, nehmen wertvolle Ackerflächen ein, weshalb Wind- und Solarenergie in der Flächeneffizienz der Bioenergie weit überlegen sind. Es bleibt abzuwarten, ob und wie die Forschung sowie die Betreiber solche Schwierigkeiten in den Griff bekommen und wie sich die Effizienz der Bioenergie entwickeln wird.

Biogas Anbieter und Wahlmöglichkeiten
Aufgrund der (momentan noch) begrenzten Verfügbarkeit gibt es kaum Gas-Anbieter auf dem Markt, die reine Biogastarife im Programm haben. Preislich liegen sie über vergleichbaren Erdgastarifen. Die Mehrheit der Gasanbieter hat sich daher für einen Kompromiss entschieden. Ihre Biogas-Preise konkurrieren mit konventionellen Gastarifen, liefern aber ein Gemisch, dessen Biogasanteil je nach Tarif stark schwankt. Seriöse Anbieter weisen an prominenter Stelle zumindest auf diesen Umstand hin, wenngleich die Tarife in der Regel trotzdem unter dem irreführenden Begriff „Biogas“ vermarktet werden.
Biogas, Biomethan, Ökogas, Klimagas: was die Begriffe im Gastarif bedeuten
| Begriff | Was dahintersteckt | Was Sie als Kunde bekommen |
|---|---|---|
| Biogas | Rohgas aus der Vergärung von Gülle, Reststoffen und Energiepflanzen | Anteil und Herkunftsnachweis im Produktblatt prüfen |
| Biomethan | Auf Erdgasqualität aufbereitetes Biogas, einspeisefähig | Der einzige Teil, der real ins Gasnetz gelangt |
| Ökogas | Kein eigener Gasstoff, sondern ein Tarifversprechen | Beimischung, Ausgleichszahlung oder beides – Anteil erfragen |
| Klimagas | Meist unverändertes Erdgas plus Ausgleichszahlung | Physisch dasselbe Gas; als Werbebegriff ab 27.9.2026 eingeschränkt |
Bei der Tarifwahl können Sie zudem auf die Begriffe „Ökogas“ oder „Klimagas“ stoßen. Dabei handelt es sich entweder um ein Gemisch aus Bio- und konventionellem Erdgas. Die Belieferung kann auch ausschließlich mit konventionellem Erdgas erfolgen. Dann kompensiert der Anbieter die entstandenen Emissionen, indem er in Klimaschutzprojekte wie die Aufforstung von Wäldern investiert. Solche Tarife werden mitunter auch als „Klimagas“ beworben.
Auf solche Werbebegriffe lohnt demnächst ein genauerer Blick. Mit dem Dritten Gesetz zur Änderung des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb, verkündet am 19. Februar 2026, gilt ab dem 27. September 2026 ein ausdrückliches Verbot: Nach Nummer 4c des Anhangs zu § 3 Absatz 3 UWG darf ein Produkt gegenüber Verbrauchern nicht mehr mit einer neutralen, verringerten oder positiven Klimawirkung beworben werden, wenn diese Aussage auf dem Ausgleich von Treibhausgasemissionen beruht. Ein Tarif, dessen Öko-Versprechen allein aus Kompensationszahlungen besteht, darf dann nicht mehr als klimaneutral vermarktet werden. Das Verbot betrifft nicht jede Aussage über einen Biomethananteil; solche Angaben müssen jedoch unabhängig davon zutreffend und transparent sein.
Drei Punkte, an denen „grüne“ Gastarife auseinandergehen
- Der Anteil steht nicht im AngebotSeriöse Anbieter nennen den Biogas- oder Biomethananteil in Prozent. Fehlt die Zahl im Produktdatenblatt, fordern Sie sie ein, bevor Sie den Tarif vergleichen.
- Werbeversprechen statt NachweisFragen Sie nach Herkunftsnachweis und Zertifizierung. Ein unabhängiges Label wie das Grünes Gas-Label der Umweltverbände verlangt mindestens 10 Prozent Biogas und prüft die Tarife alle zwei Jahre.
- Einsatzstoffe bleiben offenBiomethan aus Gülle und biogenen Reststoffen ist ökologisch anders zu bewerten als Gas aus eigens angebautem Silomais. Wer das nicht offenlegt, liefert keine Entscheidungsgrundlage.
Biogas – Vorteile und Nachteile Biogas hat sich in den letzten Jahren als wichtige Alternative und Ergänzung auf dem Markt… weiterlesen

