Stromnetze in Deutschland – Der Weg vom Erzeuger in die Steckdose
In Zeiten der Energiewende unterliegt auch das Stromnetz einem stetigen Wandel. Die Art der Stromerzeugung ist mit der Situation des 20. Jahrhunderts nicht mehr vergleichbar. Der Umstieg auf erneuerbare Energien bietet große Chancen, stellt aber auch eine enorme Herausforderung an den Ausbau des Stromnetzes dar.
Das Wichtigste in Kürze
- Das Netz hat vier Spannungsebenen: Höchstspannung transportiert über weite Strecken, Niederspannung mit 230 Volt endet in Ihrer Steckdose.
- Ausgebaut wird das Netz wegen erneuerbarer Erzeugung an neuen Standorten und wegen zusätzlicher Lasten wie Wärmepumpen und E-Autos.
- Das Netz zahlen Sie mit: 9,2 von 37,0 Cent je Kilowattstunde entfallen laut BDEW-Analyse vom August 2026 auf Netzentgelte.

Je höher die Spannung, desto geringer die Übertragungsverluste
Das Stromnetz in Deutschland und dem Rest Europas ist überwiegend auf die Übertragung von Wechselstrom ausgelegt. Die elektrische Energie wird teils über weite Strecken in Erdkabeln und Überlandleitungen zum Verbraucher transportiert. Dabei entstehen Energieverluste, die mit der Distanz zwischen Erzeuger und Verbraucher wachsen. Bei gleicher übertragener Leistung fließt bei hoher Spannung weniger Strom – und weil die Verluste in der Leitung mit dem Quadrat der Stromstärke steigen, fällt bei hoher Spannung deutlich weniger Verlust an. Aus diesem Grund wird der Strom mit einer Spannung von bis zu 380.000 Volt von den großen Erzeugern in Richtung Verbraucher transportiert. Für die längsten Strecken kommt inzwischen zusätzlich Gleichstrom zum Einsatz: Die neuen Nord-Süd-Verbindungen sind Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungen, weil Gleichstrom über sehr weite Distanzen verlustärmer ist als Wechselstrom. Insgesamt umfasst das deutsche Stromnetz nach Angaben des Branchenverbandes BDEW über 1,9 Millionen Kilometer, von denen der weitaus größte Teil auf die Niederspannungsebene in Städten und Gemeinden entfällt.
Die Komponenten des Stromnetzes:
| Bezeichnung | Netzfunktion | Spannung in Volt | Erzeuger | Abnehmer |
|---|---|---|---|---|
| Höchstspannungsnetz | Übertragungsnetz | 220.000 oder 380.000 | Große Kraftwerke, Offshore-Windparks, Kuppelleitungen ins Ausland | Wenige sehr große Industriebetriebe, Weitertransport ins Verteilnetz |
| Hochspannungsnetz | Verteilnetz | 60.000 oder 110.000 | Kraftwerke, Windparks, Wasserkraftwerke | Große Industriebetriebe, Stadtnetze |
| Mittelspannungsnetz | Verteilnetz | 1.000 bis 60.000 | Solarparks, Windräder, Biogasanlagen, Wasserkraftwerke | Industrie- und größere Gewerbebetriebe, Ortsnetzstationen |
| Niederspannungsnetz | Verteilnetz | 230 (Außenleiter gegen Neutralleiter) oder 400 (zwischen zwei Außenleitern) | Solaranlagen auf Dächern, Balkonkraftwerke, kleine Blockheizkraftwerke | Haushalte, Gewerbebetriebe |
Höchstspannungsnetz
In das Höchstspannungsnetz, das mit rund der tausendfachen Spannung des Hausnetzes arbeitet, speisen Gas-, Kohle- und Pumpspeicherkraftwerke ein. Kernkraftwerke gehören seit dem 15. April 2023 nicht mehr dazu – mit Emsland, Isar 2 und Neckarwestheim 2 gingen an diesem Tag die letzten drei vom Netz. Ein weiterer wichtiger Lieferant in diesem Spannungsbereich sind die großen, der Küste vorgelagerten Offshore-Windparks. Betrieben wird das Höchstspannungsnetz von den vier Übertragungsnetzbetreibern 50Hertz, Amprion, TenneT und TransnetBW, die jeweils für eine Regelzone zuständig sind.
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Stromnetze in Deutschland – Bestand und geplante Erweiterungen, Quelle Agentur für erneuerbare Energien
Hochspannungsnetz
An das Hochspannungsnetz geben Gas- und Kohlekraftwerke, aber auch größere Windkraftanlagen ihre Energie ab. Abnehmer auf dieser Spannungsebene sind industrielle Betriebe mit hohem Energiebedarf, wie er beispielsweise bei der Aluminiumproduktion anfällt.

Mittelspannungsnetz
Das Mittelspannungsnetz nimmt die Energie aus Blockheizkraftwerken, größeren Solarparks, Biogas-, Wasser- und Windkraftanlagen auf. Abnehmer für den Strom, der mit einer Spannung von bis zu 60.000 Volt geliefert wird, sind Industriebetriebe und gewerbliche Abnehmer.
Niederspannungsnetz
Die Möglichkeit, Strom in das Niederspannungsnetz einzuspeisen, hat mit der Energiewende an Bedeutung gewonnen. Kleinere Solaranlagen und Balkonkraftwerke stellen auf diesem Spannungsniveau ihre überschüssige Energie der Allgemeinheit zur Verfügung. Abnehmer sind die privaten Verbraucher sowie Gewerbe- und kleinere Industriebetriebe.
Auf dieser Ebene entscheidet sich auch, ob das Netz die Energiewende verkraftet. Wärmepumpen, Wallboxen, Klimageräte und Batteriespeicher hängen am Ortsnetz, und wenn viele davon gleichzeitig anlaufen, wird es eng. Für neue Geräte dieser Art, die seit dem 1. Januar 2024 in Betrieb gehen, gilt deshalb eine besondere Regel. Nach der Festlegung der Bundesnetzagentur zu Paragraf 14a des Energiewirtschaftsgesetzes darf der Netzbetreiber steuerbare Verbrauchseinrichtungen mit mehr als 4,2 Kilowatt Netzanschlussleistung vorübergehend drosseln; im Gegenzug darf er den Anschluss nicht allein wegen einer lokalen Überlastung ablehnen oder hinauszögern, sondern muss die nötige Netzverstärkung veranlassen. Bei direkter Ansteuerung müssen je Gerät mindestens 4,2 Kilowatt verfügbar bleiben – die Wärmepumpe geht also nicht aus; steuert ein Energiemanagementsystem mehrere Geräte gemeinsam, berechnet der Netzbetreiber die Mindestleistung für alle zusammen. Für Altanlagen gilt das nicht pauschal: Nachtspeicherheizungen behalten ihre bisherigen Regelungen dauerhaft, Bestandsanlagen mit vereinbarter Steuerung laufen noch bis Ende 2028 unter den alten Bedingungen, Bestandsanlagen ohne Steuerung bleiben dauerhaft ausgenommen. Als Ausgleich gibt es reduzierte Netzentgelte: Modul 1 ist eine Jahrespauschale, Modul 2 senkt bei separatem Zähler den Netzentgelt-Arbeitspreis. Modul 3, das zeitvariable Netzentgelt, müssen die Netzbetreiber seit April 2025 anbieten – wählbar ist es aber nur zusätzlich zu Modul 1 und nur mit einem intelligenten Messsystem.
Warum muss das Stromnetz ausgebaut werden?
Der Grund für den Ausbau des Stromnetzes liegt weniger bei den Verbrauchern als vielmehr an der veränderten Erzeugerstruktur. Während früher einige wenige Energie-Dinos Strom für eine ganze Region bereitgestellt haben und in Verbrauchernähe angesiedelt waren, wird heute mehr und mehr auf die dezentrale Erzeugung gesetzt. Die erneuerbaren Energien werden dort genutzt, wo sie in größerem Umfang verfügbar sind. In sonnenreichen Regionen werden demnach Solaranlagen betrieben, an den windreichen Küsten sind es Windparks. Um die Energie zu den Verbrauchern zu bringen ist es unerlässlich, die Strom-Infrastruktur den veränderten Erzeugerverhältnissen anzupassen.
Braucht der Strom eine Autobahn?
Eine der Hauptsäulen der Energiewende ist die Nutzung der im Norden reichlich verfügbaren Windenergie. Damit der im Norden erzeugte Windstrom in den stromhungrigen Süden gelangt, entstehen mehrere Gleichstrom-Verbindungen. Die bekannteste ist SuedLink: zwei Systeme mit je zwei Gigawatt Übertragungsleistung, ausgeführt als 525-Kilovolt-Erdkabel und betrieben von TenneT und TransnetBW. Nach jahrelangem Streit um die Trassenführung – der Erdkabel-Vorrang war das Ergebnis dieser Debatte – sind seit 2025 alle Abschnitte planfestgestellt und im Bau; in Betrieb gehen soll die Verbindung 2028. Solange sie fehlt, muss der Netzbetreiber Windräder im Norden abregeln und im Süden teurere Kraftwerke hochfahren. Diese Eingriffe heißen Redispatch, und ihre Kosten landen über die Netzentgelte am Ende auf der Stromrechnung.
Netzumbau: die Etappen bis 2032
- 15. April 2023Die letzten drei Kernkraftwerke gehen vom Netz. Die Erzeugung verlagert sich weiter nach Norden und in die Fläche.
- 1. Januar 2024Die Regeln für steuerbare Verbrauchseinrichtungen greifen: Wärmepumpen und Wallboxen über 4,2 Kilowatt werden im Gegenzug für reduzierte Netzentgelte steuerbar.
- April 2025Alle Netzbetreiber müssen zusätzlich ein zeitvariables Netzentgelt anbieten.
- seit 2025SuedLink ist in allen Abschnitten planfestgestellt und im Bau; die Kabelverlegung läuft.
- 2028Geplanter Betriebsbeginn von SuedLink mit zweimal zwei Gigawatt zwischen Norden und Süden.
- bis Ende 2032Mindestens 90 Prozent der pflichtigen Messstellen sollen ein intelligentes Messsystem haben.

Was das Netz auf Ihrer Stromrechnung kostet
Bau, Betrieb und Wartung der Leitungen bezahlen am Ende die Verbraucher – über das Netzentgelt. Es geht nicht an den Stromlieferanten, sondern an den örtlichen Netzbetreiber, und der Lieferant reicht es nur durch. Nach der BDEW-Strompreisanalyse vom August 2026 entfallen von 37,0 Cent je Kilowattstunde 9,2 Cent auf Netzentgelte – rund ein Viertel des Haushaltsstrompreises. Erstmals seit Jahren sind sie damit gesunken, um 1,7 Cent gegenüber dem Vorjahr, weil der Bund die Übertragungsnetzentgelte bezuschusst. Netzentgelte unterscheiden sich weiterhin je Netzgebiet. Mehrkosten aus dem Ausbau erneuerbarer Energien in besonders belasteten Regionen werden jedoch seit 2025 bundesweit verteilt und senken dort die Entgelte. Welche Bestandteile sonst im Strompreis stecken, zeigt der Ratgeber Strompreise und ihre Zusammensetzung; wo sie auf der Abrechnung auftauchen, erklärt der Ratgeber Stromrechnung.
Bedarfsabdeckung durch Vernetzung – europaweit
Der Grundgedanke hinter einem europaweit vernetzten Stromleitungs-System ist ebenso simpel wie einleuchtend. Durch die großräumige Vernetzung sollen lokale oder regionale Leistungsspitzen gleichmäßig verteilt werden und europaweit zur Verfügung stehen. Mit anderen Worten: Wenn an der deutschen Nordseeküste die Windräder stillstehen, kann gleichzeitig ein Sturmtief über dem Atlantik die Generatoren in Portugal auslasten. Ganz ähnlich verhält es sich mit den Wasserkraftwerken in den Alpen und in Skandinavien. Grenzüberschreitender Handel und Großhandelspreise entstehen aus Angebot, Nachfrage und verfügbaren Netzkapazitäten. Die Beschaffungskosten beeinflussen Ihren Tarif, folgen aber nicht unmittelbar dem einzelnen Börsenpreis. Wie dieser Handel funktioniert, erklärt der Ratgeber Strombörse. Deutschland verzeichnet seit 2023 im kommerziellen Außenhandel einen Nettoimport; 2025 betrug der Importüberschuss 21,9 Milliarden Kilowattstunden.
Die Rolle der Bundesnetzagentur in Deutschland Nur wenige Konsumenten sind über die tatsächliche Rolle der Bundesnetzagentur in Deutschland ausreichend informiert.… weiterlesen



