Strompreis-Dossier Teil 1: Die Strompreis Entwicklung bei Privathaushalten

Weitersagen:

Die Strompreisentwicklung bei den Privathaushalten

Die Jahrtausendwende hat sich nicht nur aufgrund der Jahreszahl bei vielen Menschen eingeprägt. Auch hinsichtlich der Strompreise markiert das Jahr eine einschneidende Wende. Es war bis heute das letzte Mal, dass die Kosten für den Strom von Privathaushalten im Vergleich zum Vorjahr gefallen sind. Seitdem kennt die Entwicklung nur noch eine Richtung, und zwar nach oben.

Digitaler Stromzaehler © Gerhard Seybert, fotolia.com
Digitaler Stromzaehler © Gerhard Seybert, fotolia.com

Betrugen die durchschnittlichen Kosten für einen Privat-Haushalt mit einem jährlichen Verbrauch von 3500 Kilowattstunden im Jahr 2000 noch 13,94 Cent brutto, lagen sie im Jahr 2015 bei 28,72 Cent. Das zumindest sagen die Zahlen und Fakten des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), Stand Januar 2016. Die Gründe dafür sind vielfältig und erschließen sich erst mit einem zweiten Blick auf die Strompreisentwicklung. Die Agentur für erneuerbare Energien e. V. wagt bereits für 2016 einen Prognose. Die Agentur prognostiziert für 2016 einen leichten Rückgang der Strompreise auf durchschnittlich 28,5 Cent.


Entwicklung Stromopreise für Privathaushalte – Bildquelle Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e.V.

Liberalisierung mit Folgen

1998 wurde der Strommarkt liberalisiert. Dies führte zunächst zu der politisch erwünschten Wirkung, nämlich mehr Wettbewerb auf dem Strommarkt. In der Folge sanken die Preise bis zum Jahr 2000, da neue Mitbewerber auf den Markt drängten und Konkurrenz bekanntlich das Geschäft belebt. Die Goldgräberstimmung war jedoch schnell verflogen, und es kristallisierte sich auf dem Markt ein Angebotsoligopol heraus. Das heißt: vielen Stromkunden stehen lediglich vier große Energiekonzerne gegenüber: RWE, EnBW, Vattenfall und E.ON. Das zeigt sich auch an den Marktverhältnissen: Der Anteil erneuerbarer Energieträger an der Deckung des Stromverbrauchs im Jahr 2015 betrug beachtliche 32,5 Prozent (Quelle: AG Energiebilanzen).

Der Knackpunkt sind in vielen Fällen die Netze, die in der Hand von Tochtergesellschaften der Energieriesen sind. Seit einigen Jahren ist die Bundesnetzagentur als Regulierungsbehörde dafür zuständig, den Wettbewerb auf dem Strommarkt ins Laufen zu bringen und für einen diskriminierungsfreien Netzzugang alternativer Anbieter zu sorgen. Die Entflechtung des Netzbetriebs vom Kerngeschäft der Stromerzeugung ist eine Maßnahme des reformierten Energiewirtschaftsgesetzes, die die Konkurrenz beleben soll.

Knapp die Hälfte des Strompreises geht an den Staat

Die Marktstruktur ist jedoch bei weitem nicht der einzige Grund für steigende Preise. Hinzu kommen Steuern, Umlagen und Abgaben, die von politischer Seite verantwortet werden. Während die Stromsteuer mit 2,05 Cent pro Kilowattstunde seit 2003 konstant geblieben ist, steigt beispielsweise die Umsatzsteuer kontinuierlich seit über zehn Jahren an. Seit dem Tiefststand nach der Liberalisierung von 1,92 Cent im Jahr 2000 kletterte sie auf 4,59 Cent im Jahr 2013. Die EEG-Umlage, oftmals als Preistreiber Nummer Eins gebrandmarkt, stieg zwischen den Jahren 2003 und 2009 nur moderat von 0,41 auf 1,31 Cent an. Der stark geförderte Ausbau der erneuerbaren Energien in den vergangenen Jahren hat seitdem jedoch für einen teilweise sprunghaften Anstieg gesorgt. Betrug die Umlage im Jahr 2010 noch 2,05 Cent, stieg sie bis 2016 auf mittlerweile 6,354 Cent an. Sie ist jedoch bei weitem nicht alleine für den Strompreisanstieg verantwortlich.

Insgesamt betrug die Steuer- und Abgabenlast bei einem durchschnittlichen Drei-Personen-Haushalt viele Jahre lang konstant um die 40 Prozent, bevor der Anteil in den vergangenen Jahren stark anstieg. 2015 entfielen rund 50 Prozent des Strompreisesauf diese „Nebenkosten“.


Entwicklung Staatsanteil Strompreise – Bildquelle Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e.V.

Ein Blick in die Zukunft

Das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) fertigte im Mai 2012 ein Energiegutachten im Auftrag des Baden-Württembergischen IHK-Tages an. Darin gingen die Wissenschaftler von einer Extremsituation aus und kamen zu dem Ergebnis, dass die Großhandelspreise für Strom in diesem Szenario bis zum Jahr 2025 um 70 Prozent steigen werden. Während dies einige als Panikmache bewerteten, sahen andere in den Ergebnissen eine ernsthafte Gefahr für den Wirtschaftsstandort Deutschland.

Studien zur Strompreisentwicklung gibt es viele. Auch wenn die Forschungsansätze und Schwerpunkte ganz unterschiedlich gewählt sind, so kommen doch nahezu alle zu demselben Ergebnis: Die Strompreise werden weiter steigen. Dies liegt vor allem an zwei Gründen. Zum einen basiert ein großer Teil der Stromerzeugung nach wie vor auf fossilen Rohstoffen. Sie sind nur in begrenztem Maße verfügbar. Da die leicht erreichbaren Quellen zunehmend ausgebeutet sind, steigen die Erschließungskosten für schwerer zugängliche Reservoirs an Erdöl, Erdgas und Kohle. Die Atomkraft scheidet, zumindest in Deutschland, nach dem Beschluss zur Energiewende als Alternative aus.

Es bleiben die regenerativen Energien übrig. Ihr Ausbau wird derzeit massiv vorangetrieben, doch sind bisher weder ausreichend Speichermöglichkeiten vorhanden, noch sind die Stromnetze auf die Einspeisung vieler dezentraler Energiequellen wie Windräder oder Photovoltaik-Anlagen vorbereitet. Die Investitionen sollen sich früher oder später auszahlen, nicht zuletzt durch eine Technologieführerschaft und einen schonenden Umgang mit der Umwelt. Bis dahin wird die Energiewende jedoch einiges kosten. Wie viel, kann derzeit niemand seriös beziffern.

Die Politik versucht seit geraumer Zeit, zumindest die aus dem Ruder laufenden Kosten der Energiewende für die Privathaushalte zu begrenzen.

Weitere Informationen

Strompreis-Dossier Übersicht
Strompreis-Dossier Teil 1: Die Strompreis Entwicklung bei Privathaushalten
Strompreis-Dossier Teil 2: Strompreis Zusammensetzung für Privathaushalte
Strompreis-Dossier Teil 3: Vergleich Strompreise Industrie und Privathaushalt
Strompreis-Dossier Teil 4: Sind die erneuerbaren Energien für den Preisanstieg verantwortlich
Strompreis-Dossier Teil 5: Strompreise im europäischen Vergleich
Strompreis-Dossier Teil 6: Die Strombörse und der Strompreis
Strompreis-Dossier Teil 7: Die wichtigsten Tipps zur Senkung des Strompreises

Artikel teilen: