Die Erdwärme oder Geothermie ist die im zugänglichen Teil der Erdkruste gespeicherte Wärme. Im Vergleich zu fast allen anderen regenerativen Energien ist sie, abgesehen von oberflächennahen Bereichen, nicht ursprünglich auf eingestrahlte Sonnenenergie zurückzuführen. Die Erdwärme stammt sowohl aus radioaktivem Zerfall als auch aus Restwärme der Erdentstehung. Heute geht man davon aus, dass im Erdinneren, im Kern der Erde, Temperaturen von etwa 5000 – 6000 °C erreicht werden. Diese in der Erde gespeicherte Wärme ist nach menschlichen Maßstäben unerschöpflich.
Das Wichtigste in Kürze
- Erdwärme liefert wetterunabhängig rund um die Uhr Energie – in Deutschland vor allem als Wärme; die Stromerzeugung steht mit rund 47 Megawatt am Anfang.
- Zwölf tiefe Geothermie-Anlagen erzeugen hierzulande Strom; 18 weitere Anlagen sind im Bau, mehr als 170 Projekte in Planung.
- Strom fließt im Netz nicht getrennt; bei Ökostrom belegen Herkunftsnachweise die erneuerbare Energiequelle.

Nutzung der Geothermie
Die Geothermie kann sowohl direkt genutzt werden, etwa zum Heizen und Kühlen im Wärmemarkt (Wärmepumpenheizung), als auch zur Erzeugung von elektrischem Strom oder in einer Kraft-Wärme-Kopplung. Ob tiefe Geothermie sinnvoll ist, hängt vor allem von Temperatur, Durchlässigkeit des Gesteins und einem passenden Wärmeabnehmer ab. In vulkanischen Gebieten nutzt man zum Beispiel Dampf- oder Heißwasserlagerstätten. In Deutschland steht die Stromproduktion aus Erdwärme noch am Anfang, wohingegen die geothermische Nutzung von Wärme hier bereits eine feste Größe bildet. Unterschieden wird die oberflächennahe Geothermie – typischerweise eine Wärmepumpenheizung am einzelnen Gebäude – von der tiefen Geothermie, die Wärmenetze speist und Strom erzeugen kann. Mitte 2026 sind in Deutschland 45 tiefe Geothermie-Anlagen mit Bohrungen von meist mehreren tausend Metern in Betrieb; zwölf davon erzeugen auch Strom (zehn Heizkraftwerke sowie zwei reine Kraftwerke). Bei den oberflächennahen, oft privaten Erdwärmeheizungen kamen allein im Jahr 2025 rund 16.000 neue Erdwärmepumpen hinzu. Wie sich Bestand und Leistung auf beide Formen der Geothermie verteilen, zeigt die Übersicht (Bundesverband Geothermie, Stand Juni 2026).
Oberflächennahe und tiefe Geothermie im Vergleich
| Merkmal | Oberflächennahe Geothermie | Tiefe Geothermie |
|---|---|---|
| Bohrtiefe | bis 400 Meter | über 400 Meter, im Schnitt rund 2.500 Meter |
| Typische Nutzung | Heizen und Kühlen einzelner Gebäude per Wärmepumpe | Wärmenetze und – bei ausreichender Temperatur – Stromerzeugung |
| Verbreitung in Deutschland | rund 490.000 Anlagen ca. 5 GW Wärmeleistung | 45 Anlagen 442 MW Wärme, 47 MW Strom |
| Wer nutzt sie? | vor allem private Hausbesitzer | Stadtwerke, Kommunen und Energieversorger |

Geothermische Anlagen
Geothermische Anlagen nutzen Erdwärme zum Heizen; zur Stromerzeugung braucht es eine ausreichend heiße Wärmequelle und passende Kraftwerkstechnik. Meistens wird in einem Primärkreislauf die Wärmeenergie an die Oberfläche gebracht und dort über Wärmetauscher an Wärmeverbraucher abgegeben. In Deutschland werden vor allem Wärmepumpen genutzt. Die größte Geothermie-Anlage Deutschlands betreiben die Stadtwerke München am Energiestandort Süd an der Schäftlarnstraße: Mehrere Bohrungen fördern dort heißes Thermalwasser aus mehreren tausend Metern Tiefe, das Fernwärme für rund 80.000 Menschen liefert. Zur Stromerzeugung wird heißes Tiefenwasser in Kraftwerken wie Sauerlach oder Insheim genutzt; weil die Temperaturen dafür in Deutschland vergleichsweise niedrig sind, treibt das Thermalwasser über einen zweiten Kreislauf mit einem früher siedenden Arbeitsmittel die Turbine an. Je nach Oberflächenstruktur, Gestein und Grundwasserspiegel werden unterschiedliche Verfahren zur Wärme- und Stromgewinnung angewendet.
Ökonomische Nutzung der Geothermie in Deutschland
Zentrum der tiefen Geothermie ist das süddeutsche Molassebecken rund um München – die Stadtwerke München wollen ihre Fernwärme bis 2040 klimaneutral erzeugen, zu einem großen Teil aus Erdwärme. Strom liefern daneben unter anderem die Standorte Sauerlach, Dürrnhaar, Kirchstockach, Insheim und Bruchsal; Heizwerke wie Pullach oder Unterföhring speisen ausschließlich Wärmenetze. Die Geothermie trägt zwar bislang nur einen geringen Anteil zur produzierten Strommenge in Deutschland bei, der Ausbau gewinnt aber deutlich an Tempo: 18 Anlagen sind derzeit im Bau, mehr als 170 weitere Projekte in Planung (Bundesverband Geothermie, Stand Februar 2026).
Grenzen und Risiken der Tiefengeothermie
- Fündigkeitsrisiko:Ob eine Bohrung genügend heißes Wasser erschließt, zeigt sich erst in der Tiefe – Fehlbohrungen kosten Millionen.
- Hohe Anfangsinvestitionen:Bohrungen in mehrere tausend Meter Tiefe machen Projekte kapitalintensiv; die Kosten amortisieren sich erst über lange Laufzeiten.
- Spürbare Erschütterungen möglich:Einzelne Projekte haben leichte induzierte Erdbeben ausgelöst; moderne Verfahren und seismisches Monitoring sollen das Risiko minimieren.
- Lange Vorlaufzeiten:Von der Erkundung bis zum Betrieb vergehen oft viele Jahre – Genehmigungen und Bohrkapazitäten sind Engpässe.
Grundlastfähig und wetterunabhängig: die Stärke der Geothermie
Anders als Wind- und Sonnenstrom steht Erdwärme rund um die Uhr zur Verfügung – unabhängig von Wetter, Tages- und Jahreszeit. Geothermiekraftwerke können deshalb Grundlast liefern und ergänzen die stark schwankende Einspeisung aus Photovoltaik und Windkraft. Diese Verlässlichkeit macht die Erdwärme auch für die kommunale Wärmeplanung interessant: Viele Städte und Gemeinden prüfen derzeit, ob sich ihre Wärmenetze künftig aus tiefer Geothermie speisen lassen.
Strom aus Erdwärme beziehen
Über das öffentliche Netz erhalten Sie keinen physisch getrennten Strom aus einzelnen Geothermiekraftwerken. Herkunftsnachweise können die erneuerbare Eigenschaft und die Energiequelle eines Ökostromprodukts belegen, werden aber unabhängig vom Strom gehandelt. Ob ein Stromanbieter Herkunftsnachweise aus Geothermie nutzt, sollten Sie daher direkt beim Anbieter prüfen. Ökostromanbieter können Sie über unseren Stromrechner finden.
Bioenergie bezeichnet die energetische Nutzung von Biomasse. Als Biomasse werden vor allem Holz, Stroh, Mais, Bioabfälle, Gülle, Raps und Olivenkerne… weiterlesen



