Nachtstrom

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Ist Nachtstrom noch rentabel?

Spare in der Zeit, dann hast Du in der Not – auf dieser alten Weisheit baut das Prinzip des Nachtstroms auf. Um die Auslastung von Kraftwerken effizienter zu gestalten, bieten viele Energieversorger Sondertarife an, die nachts billigeren Strom liefern als tagsüber. Voraussetzung für die Nutzung solcher Tarife ist ein Stromzähler, der zwei Tarife unabhängig voneinander messen kann. Meist verfügen solche Zähler über zwei getrennte Anzeigen. Bei der Entscheidung für oder gegen einen Nachtstrom-Tarif sollte allerdings in Erwägung gezogen werden, dass solche Zweitarifzähler oftmals mit zusätzlichen Kosten verbunden sind.

Haus mit Solaranlage erleuchtet © pixelwolf, fotolia.com
Haus erleuchtet in der Nacht © pixelwolf, fotolia.com

Kein überregionaler Nachtstrom-Anbieter

Nachstrom ist ein Relikt aus den 70er-Jahren, das sich nach dem Prinzip der alten Weisheit „Spare in der Zeit, dann hast Du in der Not“ aufbaut. Um eine gleichmäßige Auslastung der Kraftwerken zu gewährleisten, wollte man die Verbraucher mit günstigeren Nachtarifen dazu anregen, auch nachts Strom zu verbrauchen. Denn damals wurde in der Nacht kaum Strom verbraucht.

Das hat sich grundlegend geändert: Der Stromverbrauch ist mit Stand-by-betriebene TVs, PCs, Smartphones und anderen Elektrogeräten ausgeglichener. Auch können die Energieversorger besser auf Verbrauchsspitzen reagieren. Die Folge: Tag- und Nachstrom unterscheiden sich preislich nicht mehr so stark.

Tipp: In der Regel gilt der Nachtstrom-Tarif zwischen 22 Uhr abends bis 6 Uhr morgens, auch am Wochenende. Dies ist aber vom Nachtstromanbieter abhängig, deshalb genau prüfen und vergleichen.
Tipp: Mit unserem Stromtarifrechner finden Sie die günstigsten Tarife

Was kostet Nachtstrom?

Nachtspeicheröfen werden nachts mit günstigerem Nachtstromtarif aufgeladen, um tagsüber die gespeicherte Wärme abzugeben. Dieser Ansatz funktioniert heute nicht mehr, denn in den letzten Jahren stiegen die Preise auf ein Vielfaches an. Der Abstand zu den normalen Haupttarifen ist gering geworden.
Außerdem wird für die Nutzung solcher Tarife entweder ein Stromzähler benötigt, der zwei Tarife unabhängig voneinander messen kann, oder es werden zwei Stromzähler eingesetzt. Denn der Tag- und Nachtstrom muss unabhängig voneinander gemessen werden. Dafür fallen Kosten für einen Grundpreis beziehungsweise eine Zählergebühr an. Diese liegen für einen Zweitarifzähler meist höher als für einen einfachen Zähler.

Stromkosten © Sergej Toporkov, fotolia.com
Was kostet Nachtstrom © Sergej Toporkov, fotolia.com
Tipp: Beim Anbietervergleich für Nachtstrom genau darauf achten, für welche Messweisen Verträge angeboten werden. Wird der Heizstromverbrauch gemeinsam mit dem Haushaltsstrom gemessen oder über einen getrennten Zähler? Wird bei getrennter Messung mit einem Ein- oder Zweitarifzähler gemessen?

Wer bietet Nachtstrom an?

Insgesamt heizen nur noch etwa vier Prozent aller deutschen Haushalte mit Strom und beziehen dafür verbilligte Nachtstrom-Tarife. Für Anbieter ist der Nachtstrom-Tarif offensichtlich ein schwer zu kalkulierendes Risiko. Viele Stromversorger mussten aufgrund der hohen Netznutzungsendgelte feststellen, dass ein solcher Nachtstrom-Sondertarif für sie nicht wirtschaftlich ist. Dies hat dazu geführt, dass kein bundesweiter Anbieter mehr Nachtstrom anbietet. Nachtstrom-Kunden sind in der Regel auf den lokalen Grundversorger angewiesen, der kein Netznutzungsentgelt zahlen muss und daher Nachtstrom nach wie vor zu vertretbaren Kosten anbieten kann. Hinzu kommen einige alternative Nachtstromanbieter. Faktisch hat man damit weniger Auswahl und man ist stark abhängig vom Anbieter. Inzwischen sind reguläre Stromtarife oftmals die günstigere Wahl. Einen Preisvergleich für Nachtstrom kann man ganz einfach über den Heizstromrechner durchführen. Auch Nachtstrom-Tarife werden bei den Berechnungen des Tarifrechners mitberücksichtigt.

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Tipp: Bei gemeinsamer Messung kann der Stromlieferant nicht erkennen, welcher Strom tatsächlich fürs Heizen gebraucht wird. Deshalb gibt es bei einigen Anbietern sogenannte Ausgleichsmengen. Man geht davon aus, dass auch während der Niedrigtarif-Zeit Strom für den Betrieb anderer Geräte gebraucht wird. Deshalb wird der vom Hochtarif-Zähler gemessene Verbrauch um einen festen Anteil von bis zu 25 Prozent erhöht. Die Zahl der Kilowattstunden, die auf den Hochtarif-Verbrauch aufgeschlagen wurden, werden vom Niedrigtarif-Verbrauch abgezogen. Die Verbraucherzentrale warnt, dass sich durch dieses Ausgleichsmengen-System die Heizkosten erhöhen.

Für wen sind verbilligte Heizstrom-Tarife interessant?

Nachtstrom-Tarife sind unter anderem für Betreiber von Nachtspeicherheizungen interessant, da diese zum günstigeren Nachttarif aufgeladen werden können. Am Tag wird dann die nachts gespeicherte Wärme nach Bedarf genutzt. Auch Unternehmen mit einer rund um die Uhr laufenden Produktion oder einem geschäftsbedingt hohen Stromverbrauch in den Nachtstunden können von den gestaffelten Tarifen profitieren. Manche Stromanbieter nennen solche Spezialtarife auch Niederstrom- oder Schwachlasttarife, da sie nicht zwingend nur in der Nacht verbilligten Strom bieten. Es ist durchaus möglich, dass der Versorger aus Erfahrungswerten schließen kann, zu welchen Stunden auch tagsüber wenig Strom von seinen Kunden beansprucht wird – so genannte Schwachlastphasen.

Ist Nachtstrom eine wirtschaftliche Alternative?

Soweit die Theorie. In der Praxis tritt das Nachtstrom-Konzept immer mehr in den Hintergrund. Die Gründe hierfür sind vielfältig. So haben beispielsweise viele Versorger die Preise der entsprechenden Tarife in den letzten Jahren kontinuierlich angehoben. Der Wirtschaftlichkeitsvorteil, den sich mancher Besitzer einer Nachtspeicherheizung versprochen hat, ist für viele weggeschmolzen. Mittlerweile ist zwar eine Vielzahl an Energieversorgern am deutschen Strommarkt aktiv, doch ist ein Anbieterwechsel beim Nachtstrom trotzdem mangels Alternativen meistens nicht möglich.

Tipp: Es ist ratsam, auch normale Stromtarife zu vergleichen, diese können günstiger ausfallen als Nachtstromtarife beim lokalen Anbieter.

Arbeiten Nachtspeicherheizungen effizient?

Eine Nachtspeicherheizung erzeugt aus Strom Wärme. Das ist eine sehr teuere und klimaschädliche Art des Heizens. Die Umwandlung von Strom in Wärme ist eine der ineffizientesten Möglichkeiten der Wärmegewinnung. Der Wirkungsgrad von Nachtspeicherheizungen ist im Vergleich zu anderen Heizungsalternativen gering. Lediglich ein Drittel der eingesetzten Energie kann tatsächlich als Wärme genutzt werden, der Rest geht im Laufe des Erzeugungsprozesses verloren. Zudem verursacht die Stromheizung mehr als das doppelte an Kohlendioxid-Emissionen als fossile Energieträgern wie Öl und Gas.

Nachtspeicherheizung © Jürgen Fälchle, fotolia.com
Nachtspeicherheizung © Jürgen Fälchle, fotolia.com

Fazit

Die Nachtstrom-Tarife waren viele Jahre lang sinnvoll und wurden daher sogar staatlich gefördert. Außerdem ersparten sich Verbraucher die Vorratshaltung und das Schleppen großer Mengen von Kohle oder anderen Heizmitteln. Mittlerweile haben sich aber sowohl die Technik als auch das Lebensweise der Menschen stark gewandelt. Dies lässt spezielle Nachtstrom-Tarife nicht mehr zeitgemäß erscheinen. Wer sein Zuhause derzeit noch mit einer Nachtstromheizung wärmt, sollte über eine Modernisierung seiner Anlage nachdenken. In vielen Fällen kann es sich auch auszahlen, seinen derzeitigen Nachtstrom-Tarif beim lokalen Versorger mit dem Angebot anderer Anbieter zu vergleichen. Eventuell fährt man dabei trotz einheitlichen, nicht nach Uhrzeiten gestaffelten Tarifen günstiger. Alternativ kann man über den Heizstromrechner günstige Nachtstromtarife finden.

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