Nachtstrom
Nachtstrom – eine lohnende Alternative?
Nachtstrom © Pixelwolf, fotolia.com
Spare in der Zeit, dann hast Du in der Not – auf dieser alten Weisheit baut das Prinzip des Nachtstroms auf. Um die Auslastung von Kraftwerken effizienter zu gestalten, bieten viele Energieversorger Sondertarife an, die nachts billigeren Strom liefern als tagsüber. Voraussetzung für die Nutzung solcher Tarife ist ein Stromzähler, der zwei Tarife unabhängig voneinander messen kann. Meist verfügen solche Zähler über zwei getrennte Anzeigen. Bei der Entscheidung für oder gegen einen Nachtstrom-Tarif sollte allerdings in Erwägung gezogen werden, dass solche Zweitarifzähler oftmals mit zusätzlichen Kosten verbunden sind.
Kein überregionaler Nachtstrom-Anbieter
Nachtstrom-Tarife stellen offensichtlich für viele Anbieter ein schwer zu kalkulierendes Risiko dar. Viele Versorger mussten feststellen, dass ein solcher Nachtstrom Sondertarif unter Einbeziehung der eigenen Kosten für sie nicht wirtschaftlich ist. Dies hat dazu geführt, dass kein einziger bundesweiter Anbieter mehr Nachtstrom anbietet. Nachtstrom-Kunden sind in der Regel auf den lokalen Grundversorger angewiesen, der kein Netznutzungsentgelt zahlen muss und daher Nachtstrom nach wie vor zu vertretbaren Kosten anbieten kann. Faktisch ist man dadurch allerdings stark abhängig von dem jeweiligen Anbieter. Oftmals sind inzwischen reguläre Stromtarife die günstigere Wahl. Einen Preisvergleich kann man ganz einfach über den Stromtarifrechner durchführen. Auch Nachtstrom Tarife werden bei den Berechnungen des Tarifrechners mitberücksichtigt. Man kann die prozentuale Nutzung von Strom in der Nebenzeit beim Tarifrechner zusätzlich angeben.
Zum kostenlosen Stromtarifrechner
Klassische Zielgruppe: Bezieher von Heizstrom
Nachtstrom-Tarife sind unter anderem für Betreiber von Nachtspeicherheizungen interessant, da diese zum günstigeren Nachttarif aufgeladen werden können. Am Tag wird dann die nachts gespeicherte Wärme nach Bedarf genutzt. Auch Unternehmen mit einer rund um die Uhr laufenden Produktion oder einem geschäftsbedingt hohen Stromverbrauch in den Nachtstunden können von den gestaffelten Tarifen profitieren. Manche Stromanbieter nennen solche Spezialtarife auch Niederstrom- oder Schwachlasttarife, da sie nicht zwingend nur in der Nacht verbilligten Strom bieten. Es ist durchaus möglich, dass der Versorger aus Erfahrungswerten schließen kann, zu welchen Stunden auch tagsüber wenig Strom von seinen Kunden beansprucht wird – so genannte Schwachlastphasen.
Kaum noch Wirtschaftlichkeitsvorteile beim Nachtstrom
Soweit die Theorie. In der Praxis tritt das Nachtstrom-Konzept immer mehr in den Hintergrund. Die Gründe hierfür sind vielfältig. So haben beispielsweise viele Versorger die Preise der entsprechenden Tarife in den letzten Jahren kontinuierlich angehoben. Der Wirtschaftlichkeitsvorteil, den sich mancher Besitzer einer Nachtspeicherheizung versprochen hat, ist für viele weggeschmolzen. Mittlerweile ist zwar eine Vielzahl an Energieversorgern am deutschen Strommarkt aktiv, doch ist ein Anbieterwechsel beim Nachtstrom trotzdem mangels Alternativen meistens nicht möglich.
Bundesregierung räumt Nachtspeicherheizungen Galgenfrist ein
Ohnehin scheinen die Tage des Nachtstroms gezählt. 2007 wurde bereits die reduzierte Sonderbesteuerung für diese Stromart gestrichen. Darüber hinaus hat die Bundesregierung aus Energiespargründen den Betrieb von Nachtspeicherheizungen, von einigen Ausnahmen abgesehen, ab dem Jahr 2020 verboten. Dies ist durchaus nachvollziehbar, wenn man bedenkt, dass der Wirkungsgrad von Nachtspeicherheizungen sehr zu wünschen übrig lässt. Lediglich ein Drittel der eingesetzten Energie kann tatsächlich als Wärme genutzt werden, der Rest geht im Laufe des Erzeugungsprozesses verloren. Dieser setzt zusätzlich sehr viel mehr Kohlendioxid frei als bei der Verwendung alternativer Energiequellen wie zum Beispiel Öl.

Bildquelle: Klima sucht Schutz
Fazit
Die Nachtstrom-Tarife waren viele Jahre lang sinnvoll und wurden daher sogar staatlich gefördert. Außerdem ersparten sich Verbraucher die Vorratshaltung und das Schleppen großer Mengen von Kohle oder anderen Heizmitteln. Mittlerweile haben sich aber sowohl die Technik als auch das Bewusstsein der Menschen stark gewandelt. Dies lässt spezielle Nachtstrom-Tarife nicht mehr zeitgemäß erscheinen. Wer sein Zuhause derzeit noch mit einer Nachtstromheizung wärmt, sollte über eine Modernisierung seiner Anlage nachdenken. In vielen Fällen kann es sich auch auszahlen, seinen derzeitigen Nachtstrom-Tarif beim lokalen Versorger mit dem Angebot anderer Anbieter zu vergleichen. Eventuell fährt man dabei trotz einheitlichen, nicht nach Uhrzeiten gestaffelten Tarifen günstiger.














