Strom vom Discounter: Was aus den Angeboten von Aldi, Lidl und Co. wurde
Die Lebensmitteldiscounter Aldi und Lidl standen jahrelang auch für günstigen Strom: Beide verkauften unter eigener Marke Stromtarife, ohne selbst Strom zu produzieren. Damit ist Schluss – Lidl hat sein Strom- und Gasangebot im Frühjahr 2025 beendet, und die Marke ALDI Grüne Energie ging Ende April 2026 in der Online-Marke 123energie der Pfalzwerke auf; neue Tarife unter Discounter-Namen gibt es nicht mehr. Der folgende Artikel zeichnet nach, wie die Discounter-Angebote funktionierten, was aus ihnen geworden ist – und was sich daraus für Strom von branchenfremden Marken lernen lässt.
Das Wichtigste in Kürze
- Discounter-Strom ist Geschichte: Lidl hat sein Angebot im Frühjahr 2025 beendet, die Marke Aldi Grüne Energie ging Ende April 2026 in 123energie auf.
- Frühere Aldi-Verträge laufen bei 123energie unverändert weiter; gekündigte Lidl-Kunden ohne neuen Vertrag beliefert der Grundversorger.
- Hinter Markenstrom steht immer ein Energieunternehmen – bei Aldi die Pfalzwerke-Marke 123energie, bei Lidl war es E.ON.
- Discounter-Strom war nicht automatisch günstig: Ein Tarifvergleich lohnt sich, auch bei bekannten Marken.

Aldi Grünstrom: gestartet mit 123Energie, heute nur noch 123energie
Der Discounter Aldi kooperierte für seinen Aldi Grünstrom mit der Marke 123Energie, die zur Pfalzwerkegruppe (Hauptsitz: Ludwigshafen) gehört. Bei allen Aldi-Grünstromtarifen lieferte 123energie als Vertragspartner nach Anbieterangaben 100 Prozent Ökostrom, dessen Erzeugung aus erneuerbarer Energie der TÜV Süd bescheinigte. Der Strom stammte aus Wasserkraftwerken – Aldi nannte 2020 Anlagen in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Frankreich.
Für das damalige ALDI Ökogas unterstützte 123energie Klimaschutzprojekte, die nach dem Gold Standard zertifiziert waren; dies war kein Qualitätsnachweis für den Stromtarif. Die Aldi-Stromtarife boten Kunden eine Preisgarantie und hatten unterschiedliche Laufzeiten; teils gab es einen Neukundenbonus, zeitweise auch Ökogas. Ende April 2026 wurde die Marke umgestellt: Neue Verträge unter dem Namen ALDI Grüne Energie waren bis zum 30. April 2026 möglich, seither läuft das Geschäft ausschließlich unter 123energie. Für Bestandskunden ändert sich laut Anbieter nur der Markenname – Vertrag, Preise und Zugangsdaten bleiben unverändert.

Lidl-Strom mit E.ON: 2017 gestartet, 2025 eingestellt
Günstigen Ökostrom versprach auch der Discounter Lidl. Lidl-Stromtarife boten dem Kunden ebenfalls eine Preisgarantie, und es gab sie in Varianten mit und ohne Mindestlaufzeit. Darüber hinaus lockte Lidl beispielsweise mit Wechselboni und Einkaufsgutscheinen. Der Tarif wurde als Ökostrom aus TÜV-SÜD-zertifizierter Wasserkraft beworben; neben Ökostrom gab es zeitweise auch Ökogas. Für den Lidl-Strom kooperierte der Discounter von 2017 bis 2025 mit dem Energiekonzern E.ON. Im Frühjahr 2025 wurde das Angebot beendet, bestehende Verträge wurden gekündigt – wer damals keinen neuen Anbieter wählte, wird seither in der Grundversorgung seines örtlichen Versorgers beliefert; sie kann teurer sein als ein neu abgeschlossener Wettbewerbstarif.
Netto, Rewe und Penny: Aktionen statt eigener Strommarke
Der Discounter Netto hatte in der Vergangenheit ebenfalls Stromtarife im Angebot. Das Angebot existiert derzeit aber nicht mehr. Rewe und die Konzerntochter Penny hatten dagegen nie eine eigene Strommarke: 2010 gaben sie in ihren Filialen zwei Wochen lang Vorteilscodes für den Ökostromtarif Easy Natur von Vattenfall aus — Vertragspartner war der Energiekonzern, nicht der Händler. Worauf Sie achten sollten: Bei solchen Aktionen entscheidet allein der Versorger dahinter über Preis, Abrechnung und Kündigung; der Händler vermittelt nur. Mit dem Rückzug von Lidl und dem Markenwechsel bei Aldi ist die Ära der Discounter-Strommarken vorerst beendet – die Beispiele zeigen zugleich, dass Handelsmarken ihre Angebote einstellen oder unter anderem Namen fortführen können. Was das für die Wahl eines Markenstrom-Tarifs bedeutet, steht weiter unten unter „Markenstrom heute“.
Tchibo Energie: 2015 an LichtBlick verkauft
Kein Discounter, aber ebenfalls branchenfremd war Tchibo. Der Hamburger Kaffeeröster verkaufte ab 2010 unter der Marke Tchibo Energie Strom und Ökogas; zum 1. September 2015 übernahm der Ökostromanbieter LichtBlick das Geschäft samt Kundenbestand, für die Kunden liefen Belieferung und Preisgarantien unverändert weiter. Tchibo begründete den Ausstieg damit, dass Energie nicht zum Kerngeschäft gehöre. Worauf Sie achten sollten: Eine Übernahme ist der glimpfliche Fall — der Vertrag läuft weiter, nur der Absender der Rechnung wechselt. Das Porträt zum Käufer steht unter LichtBlick.
WEB.DE und GMX: Was aus dem Strom hinter der E-Mail-Adresse wurde
Auch außerhalb des Lebensmittelhandels gibt es Markenstrom: WEB.DE Strom und GMX Strom sind Vertriebsmarken, keine eigenen Versorger. Bis 2025 stand dahinter die 1&1 Energy GmbH aus Montabaur, die zur United Internet AG gehörte; United Internet hat das Geschäftsfeld Energy im Oktober 2025 verkauft. Das Energiegeschäft führt seither die NEO Energy DE GmbH, die inzwischen von Hamburg aus auftritt. Worauf Sie achten sollten: Prüfen Sie vor dem Abschluss in den Vertragsunterlagen, welche Gesellschaft Ihr Vertragspartner ist — bei Vertriebsmarken kann sie wechseln, ohne dass sich die Marke ändert. Bei diesen beiden ist genau das zweimal passiert. Ausführlich im Porträt WEB.DE Strom.
Strom von Handelsmarken: Aufstieg und Rückzug
- 2015Tchibo Energie geht im Ökostromanbieter LichtBlick auf – die Kaffeemarke verlässt den Strommarkt.
- 2017Lidl startet gemeinsam mit E.ON eigene Strom- und Gastarife unter der Marke Lidl-Strom.
- Frühjahr 2025Lidl beendet sein Strom- und Gasangebot; bestehende Verträge werden gekündigt.
- 30. April 2026Letzte Neuabschlüsse unter der Marke ALDI Grüne Energie – seither führt 123energie die Verträge unter eigenem Namen weiter.
- HeuteStromtarife der Lebensmittel-Discounter Aldi, Lidl und Netto gibt es nicht mehr; Tchibo war schon Jahre zuvor ausgestiegen.

Discounter-Tarif gegen den Markt geprüft?
Ob Handelsmarke oder Stadtwerk: Was zählt, ist der Gesamtpreis bei Ihrem Jahresverbrauch in Ihrer Postleitzahl. Der Vergleich zeigt ihn für alle Anbieter nebeneinander.
Stromtarife für meine Postleitzahl vergleichenMarkenstrom heute: Worauf Sie bei branchenfremden Anbietern achten sollten
Strom unter fremder Marke gibt es weiterhin – von Automobilclubs über Onlinehändler bis zu Möbelhäusern. Rechtlich schließen Sie den Vertrag dabei fast immer mit dem dahinterstehenden Energieversorger, der auch Rechnung, Abschläge und Kündigung abwickelt. Genau hinzusehen lohnt sich deshalb doppelt: Der Markenname sagt nichts über den Preis, und zieht sich die Marke zurück, entscheidet der eigentliche Versorger, wie es mit dem Vertrag weitergeht – bei Aldi lief er einfach unter neuem Namen weiter, bei Lidl wurde er beendet. Vergleichen Sie solche Angebote daher wie jeden anderen Tarif – wie Sie günstige und seriöse Stromanbieter finden, zeigt unser Ratgeber.
Häufige Fragen zum Discounter-Strom
Kann ich aktuell Strom bei Aldi oder Lidl abschließen?
Ich war Aldi- oder Lidl-Kunde – was gilt für meinen Vertrag? Stand 8/2026
Woran erkenne ich, wer hinter einem Markenstrom-Angebot steckt? Anbieter prüfen
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