Der deutsche Gasmarkt
Während sich der Verbraucher einfach nur für einen Anbieter und einen Tarif entscheiden muss, um zu Hause die Gasheizung anzustellen oder die Gasflamme zu entzünden, ist der Weg vom Abbau des Erdgases über den Import nach Deutschland bis hin zur überregionalen Verteilung ein wenig komplizierter. Zudem zeigt die Geschichte des deutschen Gasmarktes einige bewegte Zeiten auf, denn bis zur freien Gasanbieterwahl, wie wir sie heute kennen, vergingen einige Jahre. Heute ist die freie Anbieterwahl selbstverständlich – und der Markt hat sich seit 2022 noch einmal grundlegend neu sortiert: Deutschland importierte 2025 unmittelbar kein Erdgas aus Russland; die größten Lieferwege waren Norwegen, die Niederlande und Belgien, hinzu kamen eigene LNG-Terminals. Wer den Gasanbieter wechseln möchte, profitiert von diesem Wettbewerb bis heute.
Das Wichtigste in Kürze
- Deutschland importierte 2025 unmittelbar kein Gas aus Russland; größte Lieferwege waren Norwegen, die Niederlande und Belgien.
- Gut 10 Prozent der Importe kamen 2025 als verflüssigtes Erdgas (LNG) über die deutschen Terminals ins Netz.
- Ihren Liefervertrag schließen Sie mit einem frei wählbaren Gasanbieter – das Netz ist reguliert und bleibt beim Wechsel gleich.

Die Anfänge des Gasmarktes
Alles begann in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, als die Gasbeleuchtung Einzug hielt. Hannover setzte 1826 als erste Stadt auf dem europäischen Festland Leuchtgas für die Straßenbeleuchtung ein. In den 1960er-Jahren breitete sich die Nutzung von Erdgas zum Heizen und für industrielle Zwecke in Europa immer stärker aus. Während für den Betrieb der Gaslaternen noch vor Ort aus Kohle erzeugtes Stadtgas zum Einsatz kam, bildete sich nunmehr ein immer umfangreicheres grenzübergreifendes Erdgas-Verbundnetz, um die Versorgung in Deutschland mit Erdgas aus ausländischen Quellen sicherzustellen.
Herkunft des Erdgases
Um 1970 überwog die inländische Förderung von Erdgas noch die Importe aus anderen Ländern, jedoch hielt dieser Zustand nicht lange an. Holland war das erste Land, aus dem Erdgas bezogen wurde – die Lieferungen nach Deutschland begannen bereits Anfang der 60er-Jahre. Wenig später folgten andere Länder, wie Norwegen und Russland.
Jahrzehntelang war Russland der wichtigste Lieferant – bis die Pipeline-Lieferungen im Spätsommer 2022 endeten. Seitdem hat Deutschland seine Bezugsquellen neu geordnet: 2025 importierte Deutschland nach Zahlen der Bundesnetzagentur 1.031 Terawattstunden Gas, vor allem aus Norwegen (44 Prozent), den Niederlanden (24 Prozent) und Belgien (21 Prozent). Gut 10 Prozent kamen als verflüssigtes Erdgas (LNG) über die deutschen LNG-Terminals in Wilhelmshaven, Brunsbüttel, Lubmin und Mukran an. Die inländische Förderung deckt mit 34 Terawattstunden nur noch einen kleinen Teil des Jahresverbrauchs von zuletzt 864 Terawattstunden.
Gasimporte 2025: Woher Deutschlands Erdgas kommt
Anteile an den deutschen Gasimporten von 1.031 Terawattstunden im Jahr 2025.
| Anteil | Prozent |
|---|---|
| Norwegen | 44 % |
| Niederlande | 24 % |
| Belgien | 21 % |
| Deutsche LNG-Terminals | 10,3 % |

Der Weg von der Förderquelle bis zum regionalen Gasanbieter
In den Fördergebieten, die ein großes Gasvorkommen aufweisen, wird das Erdgas per Tiefenbohrtechnik gewonnen und für den Transport vorbereitet. Das bedeutet, dass Feststoffe wie Sand oder auch zu viel Wasser entfernt werden. Über ein unterirdisches Pipelinesystem gelangt das Erdgas in die Erdgasspeicher nach Deutschland. Es wird nicht nur nach Bedarf geliefert, sondern auch auf Vorrat, damit selbst in einem sehr kalten Winter keine Engpässe auftreten. Zudem bestehen zwischen den ausländischen Gasunternehmen und Deutschland lange Lieferverträge, die eine planbare Versorgung unterstützen. Seit Oktober 2021 bildet Deutschland dabei ein einheitliches Gasmarktgebiet (Trading Hub Europe). Vom Fernleitungsnetz gelangt das Erdgas in die regionalen Verteilnetze und von dort bis zum Hausanschluss. Wichtig zu wissen: Der Netzbetreiber transportiert das Gas nur – den Liefervertrag schließen Endkunden mit einem Gasanbieter ihrer Wahl.
Wer macht was im deutschen Gasmarkt?
1Gasanbieter (Lieferant)
Ihr Vertragspartner: Er kauft Gas am Großhandelsplatz ein und verkauft es an Endkunden weiter. Anbieter und Tarif wählen Sie selbst – hier entsteht der Wettbewerb.
2Netzbetreiber
Fernleitungs- und Verteilnetzbetreiber transportieren das Gas bis zum Hausanschluss. Sie stehen regional fest und lassen sich nicht auswählen; ihre Entgelte sind reguliert und stecken im Gaspreis.
3Bundesnetzagentur
Die Regulierungsbehörde überwacht Netzbetreiber und Marktregeln, legt Erlösobergrenzen fest, kontrolliert die Entgeltbildung und hilft bei Streitigkeiten über den Verbraucherservice Energie.
Beim Anbieterwechsel wechselt nur der Vertragspartner – Netzanschluss, Leitung und Gasqualität bleiben unverändert.
Wettbewerb durch Anbietervielfalt
Die Liberalisierung des Gasmarktes wurde durch die Neuregelung des Energiewirtschaftsgesetzes 1998 angestoßen; wirksamer Wettbewerb entwickelte sich beim Gas allerdings erst ab etwa 2006/2007. Heute können Verbraucher zwischen vielen Gasanbietern und Tarifen wählen und ihren Versorger regelmäßig wechseln: Im Bundesschnitt hatten Haushalte 2024 laut Monitoringbericht 2025 von Bundesnetzagentur und Bundeskartellamt die Wahl unter 108 Gasanbietern am eigenen Wohnort. Die Bundesnetzagentur überwacht als Regulierungsbehörde den Markt: Sie sorgt für einen diskriminierungsfreien Netzzugang und reguliert die Netzentgelte, damit alle Anbieter – egal ob groß oder klein – das Gasnetz zu gleichen Bedingungen nutzen können.

LNG und Flüssiggas: nicht dasselbe
Zwei Begriffe werden häufig vermischt, obwohl sie verschiedene Produkte bezeichnen. LNG (Liquefied Natural Gas) ist Erdgas, das für den Schiffstransport auf rund minus 162 Grad Celsius abgekühlt und dadurch verflüssigt wird. An LNG-Terminals wird es wieder in den gasförmigen Zustand gebracht und in das normale Gasnetz eingespeist – bei den Kunden kommt es also als gewöhnliches Erdgas an. Seit Ende 2022 verfügt Deutschland über eigene LNG-Terminals; 2025 kamen darüber gut 10 Prozent der Gasimporte ins Land. Flüssiggas (LPG) ist dagegen ein anderes Produkt: ein Propan-Butan-Gemisch, das in Tanks oder Flaschen gelagert wird und vor allem dort zum Heizen dient, wo kein Gasnetz liegt – etwa in ländlichen Regionen. Wer einen Flüssiggastank betreibt, ist damit kein Kunde des Gasnetzes; Preise und Anbieterwechsel funktionieren dort nach eigenen Regeln.

Bio- und Ökogas
Wer bei der Wahl seines Energieträgers einen Beitrag zum Umweltschutz leisten möchte, sollte sich mit Bio- und Ökogastarifen beschäftigen – und vor allem ihren Unterschied kennen. Während ein Biogastarif je nach Angebot einen Anteil oder bis zu 100 Prozent Biomethan enthalten kann – erzeugt durch Vergärung organischer Stoffe wie Gülle, Bioabfällen oder Energiepflanzen –, handelt es sich bei Ökogas in der Regel um herkömmliches Erdgas, dessen CO₂-Ausstoß der Anbieter über Klimaschutzprojekte rechnerisch ausgleichen lässt. Wie viel solche Kompensationszertifikate tatsächlich bewirken, hängt stark von der Qualität der Projekte ab – prüfen Sie deshalb anerkannte Standards und hinterfragen Sie pauschale Werbeversprechen wie „klimaneutral“.

Inzwischen bieten viele große Gasanbieter neben herkömmlichem Erdgas auch Bio- und Ökogas an, einige Anbieter haben sich sogar ausschließlich darauf spezialisiert. Wer einen solchen Tarif besitzt, kann bei seinem Versorger erfragen, wie das Mischungsverhältnis des Biogases aussieht oder wie genau der CO₂-Ausgleich bei den Ökogastarifen erfolgt.


Was der Gasmarkt für Verbraucher bedeutet
Für Haushalte ist vom komplexen Weltmarkt vor allem eines spürbar: der Preis. Beschaffungskosten, Netzentgelte, Steuern und Umlagen sowie der CO₂-Preis auf Erdgas bestimmen gemeinsam, was eine Kilowattstunde kostet – und die Unterschiede zwischen den Tarifen bleiben erheblich. Es lohnt sich deshalb, die eigene Gasrechnung zu verstehen und regelmäßig zu prüfen, ob der laufende Tarif noch konkurrenzfähig ist. Wie ein Wechsel im Einzelnen abläuft, zeigt Schritt für Schritt der Ratgeber So funktioniert der Gasanbieterwechsel.
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