Ratgeber Gasverbrauch – Richtig heizen und dabei Gaskosten sparen
Gas, Wasser, Strom – die Nebenkosten sind zur so genannten zweiten Miete in Deutschland geworden. Das bedeutet, dass diese Kosten inzwischen nicht mehr guten Gewissens als „Nebenkosten“ bezeichnet werden können, da sie in Summe oftmals der Kaltmiete entsprechen. Natürlich betrifft diese Kostenexplosion nicht nur Mieter, sondern auch – und gerade – Immobilieneigentümer. Das Heizen mit Gas gilt als günstiger als das Heizen mit Strom oder Öl. Trotzdem sind auch hier die Kosten noch enorm. Wer mit Gas heizt, zahlt nach der BDEW-Gaspreisanalyse vom August 2026 im Durchschnitt der verfügbaren Tarife knapp 12 Cent je Kilowattstunde – bei 20.000 Kilowattstunden im Einfamilienhaus also rund 2.400 Euro im Jahr. Doch es gibt Tipps und Tricks, um den Gasverbrauch zu senken und die Gaskosten zu reduzieren. Für wen dies in Frage kommt und wie sich Kosten sparen lassen, darüber gibt der Artikel Aufschluss.
Das Wichtigste in Kürze
- Erst einordnen: Der Heizspiegel vergleicht nach Gebäudetyp und -größe – bei Wohnungen zählt die Gesamtfläche des Gebäudes, nicht die Wohnungsfläche.
- Kostenlos wirkt sofort: raumweise Temperatur, Stoßlüften, freie Heizkörper – jedes Grad weniger spart rund sechs Prozent.
- Der unterschätzte Hebel für Eigentümer: hydraulischer Abgleich, niedrigere Heizkurve und Wartung durch den Fachbetrieb.
- Zählerstand monatlich notieren und Tarif vergleichen – Grundversorgung war 2025 rund zwei Cent je Kilowattstunde teurer als andere Anbieter.

Gasverbrauch in deutschen Haushalten
Bevor es darum geht herauszufinden, wo sich im eigenen Haushalt Sparpotentiale beim Gasverbrauch finden, stellt sich eine andere Frage: Ist der eigene Gasverbrauch überhaupt zu hoch oder ist der Verbrauch angemessen? Denn nur im ersten Fall ergeben sich nennenswerte Einsparpotentiale.
Den eigenen Gasverbrauch kann man auf der Jahresabrechnung ablesen oder auf der Gasuhr im eigenen Keller prüfen, wie hoch der Gasverbrauch in einem Monat ist. Im letzten Fall macht es aber natürlich einen Unterschied, ob der Wert im Sommer oder im Winter ermittelt wird. Denn im Sommer dürften die Heizkosten nahe Null sein und Gas wird primär für die Gewinnung von Warmwasser benötigt. Der Sommerverbrauch zeigt also recht genau, wie viel Gas allein das Warmwasser kostet.
Der Gasverbrauch wird in der Regel in kWh angegeben. Daneben ist auch die Abrechnung in m3 gebräuchlich. Für die Umrechnung gilt: m3 × Zustandszahl des Gases × Brennwert des gelieferten Gases = kWh. Beide Faktoren stehen auf der Gasrechnung und kommen vom Netzbetreiber.
Der Gasverbrauch hängt von unterschiedlichen Faktoren ab, dies sind insbesondere:
- Wird das Gas nur für das Heizen oder auch für die Warmwasserzubereitung benutzt
- Die Wohnform (Wohnung oder Haus)
- Wohnfläche (Quadratmeterzahl)
- Personenzahl im Haushalt
- Zustand der Immobilie (Dämmung)
- Individuelles Nutzungsverhalten (Kälteempfinden, Dauer und Häufigkeit des Duschens etc.)

Allein aufgrund dieser Auflistung wird deutlich, dass es nur schwer möglich ist, allgemeingültige Aussagen zu einem „normalen“ Gasverbrauch zu treffen. Dennoch gibt es Durchschnittswerte, mit denen der eigene Gasverbrauch verglichen werden kann:
- Gasverbrauch für Heizung und Warmwasser nach Quadratmeterzahl: ca. 60 – 200 kWh Gas pro Quadratmeter Wohnfläche im Jahr (abhängig von der Dämmung des Hauses). Genauer vergleicht der Heizspiegel 2025 Erdgas-Zentralheizungen nach der Gesamtfläche des Gebäudes: Die obere Grenze der Kategorie „mittel“ liegt je nach Gebäudefläche bei 114 bis 121 kWh je Quadratmeter und Jahr, jeweils inklusive Warmwasser
- Gasverbrauch für das Heizen pro Jahr nach Bewohnerzahl: 2.500 – 5.000 kWh pro Jahr pro Person; maßgeblich ist allerdings die Wohnfläche, nicht die Personenzahl
- Gasverbrauch für Warmwasseraufbereitung nach Bewohnerzahl: Ca. 1.000 kWh pro Jahr für den ersten Bewohner; jeder weitere Bewohner schlägt dann mit einem geringeren Wert zu Buche. Am genauesten lässt sich der Anteil am eigenen Zähler ablesen: der Verbrauch in den Sommermonaten, hochgerechnet aufs Jahr
Gassparen leicht gemacht – Tipps und Tricks
Die effizienteste Möglichkeit, den Gasverbrauch zu optimieren, ist das Sanieren älterer Immobilien. Denn Fenster mit Doppel- oder Dreifachverglasung sowie moderne Fassadendämmungen und Rollläden sorgen dafür, dass möglichst wenig Heizwärme nach außen entweicht. Folglich muss weniger geheizt werden, was die Gaskosten senkt. Allerdings sind solche Sanierungsmaßnahmen einerseits mit hohen Kosten verbunden und andererseits nur bei Wohneigentum möglich. Immobilieneigentümer sollten diese Möglichkeiten trotzdem in Erwägung ziehen – zumal es zahlreiche Fördermittel zur energieeffizienten Wohnraumsanierung gibt. Auch der Wechsel auf ein anderes Heizsystem kann sich lohnen; einen Überblick gibt der Heizungsvergleich.
Heizung optimieren lassen: der unterschätzte Hebel
Zwischen den kostenlosen Verhaltenstipps und der großen Sanierung liegt ein Hebel, den viele Eigentümer übersehen: die Einstellung der vorhandenen Heizungsanlage. Ein Fachbetrieb kann beim hydraulischen Abgleich die Wassermengen so einregulieren, dass alle Heizkörper gleichmäßig warm werden und die Pumpe nicht mehr gegen ungünstige Verhältnisse anarbeitet; die Heizkurve lässt sich so absenken, dass die Vorlauftemperatur nur so hoch ist wie nötig – bei Brennwertkesseln steigt damit zugleich der Wirkungsgrad. Dazu kommen eine geregelte Hocheffizienzpumpe und die Sommerabschaltung des Heizkreises. Laut Verbraucherzentrale spart der hydraulische Abgleich in der Regel mehrere Prozent Heizenergie, in ungünstig eingestellten Anlagen deutlich mehr. Mieter können diese Maßnahmen nicht selbst veranlassen, aber beim Vermieter anregen – auch in dessen Interesse, weil die Heizkostenabrechnung dann für alle Parteien sinkt.
Mieter oder Eigentümer: Welche Maßnahmen Sie selbst umsetzen können
Was Sie sofort tun können – und wo Vermieter oder Hausverwaltung gefragt sind.
Mieter: selbst umsetzbar
Nur Eigentümer bzw. Vermieter
Gemeinsam: Mieter regt an, Vermieter setzt um

Es gibt jedoch noch zahlreiche weitere Einsparmöglichkeiten, die weder hohe Investitionskosten erfordern noch ausschließlich für Immobilieneigentümer geeignet sind:
- Richtig heizen im Tagesverlauf

Eine Absenkung in der Nacht oder bei längerer Abwesenheit kann Energie sparen. Bei kurzen Abwesenheiten ist der Effekt oft klein; die Temperatur sollte nicht so weit sinken, dass Feuchte und Schimmel begünstigt werden.

- Die richtige Temperatur für jeden Raum
Richtiges heizen bedeutet vor allem auch, die Temperatur nicht im gesamten Haus gleich hoch zu halten, sondern diese je nach Nutzungsart des Raumes einzustellen. Während für Schlafzimmer und Flur eine Temperatur von 16 bis 18 Grad ausreichend ist, sollten Kinderzimmer, Wohnzimmer und Badezimmer eine Temperatur von 20 bis 23 Grad haben. Als Faustregel gilt: Jedes Grad weniger Raumtemperatur spart rund sechs Prozent Heizenergie.
Drei Sparfehler, die am Ende Gas kosten
- Räume komplett auskühlen lassenUnter 16 Grad steigt – besonders an kalten Außenwänden und bei hoher Luftfeuchte – das Schimmelrisiko. Und das Wiederaufheizen frisst einen Teil der Ersparnis. Absenken ja, ausschalten nein.
- Thermostat zum Aufheizen auf Stufe 5 drehenDer Raum wird dadurch nicht schneller warm – das Ventil öffnet ohnehin voll –, sondern nur wärmer als gewollt. Wer das Zurückdrehen vergisst, verheizt Gas. Zielstufe einstellen und warten.
- Warmwasser zu heiß, Zirkulation rund um die UhrEin dauerhaft zu heiß eingestellter Speicher und eine dauerhaft laufende Zirkulationspumpe kosten Energie. Bei größeren Anlagen gelten jedoch Hygienevorgaben: 60 °C am Speicherausgang und 55 °C im Leitungssystem. Eine Zeitsteuerung nur nach fachlicher Prüfung einsetzen.
- Richtig lüften

Natürlich ist Lüften wichtig – gerade auch in der kalten Jahreszeit, um Feuchtigkeit, Kohlendioxid und andere Luftbelastungen abzuführen. Allerdings ist es insbesondere aus heiztechnischen Gründen nicht sinnvoll, die Fenster auf Kipp zu stellen. Besser ist regelmäßiges Stoßlüften – also das vorübergehende komplette Öffnen der Fenster. Zum Thema „Richtig lüften“ gehört auch, dass Zimmertüren geschlossen bleiben. Denn sonst entweicht beispielsweise die warme Luft aus dem Wohnzimmer in den Flur, der je gerade nicht so warm sein muss.
- Heizstau vermeiden

Es ist wichtig, dass Heizkörper nicht durch Möbel verstellt oder durch Vorhänge verdeckt werden. Denn dann kann die Wärme nicht im Raum zirkulieren und der Raum wird nicht warm, obwohl die Heizung richtig funktioniert. Um auf die Wohlfühltemperatur zu kommen, muss die Heizung unnötig hochgedreht werden, was den Gasverbrauch erhöht.
- Wärmedämmung „light“
Um die Wärmedämmung des Hauses oder der Wohnung zu verbessern, muss man nicht gleich eine Sanierung anstreben. Es gibt auch einige Möglichkeiten, zur Wärmedämmung, die man kostengünstig und auch in Mietimmobilien umsetzen kann:
- Nutzung von Gardinen und Rollos
- Anbringen von Dämmmaterial hinter den Heizkörpern (Außenwand)
- Auslegen eines ungenutzten kalten Dachbodens mit Styroporplatten
- Heizung entlüften

In dem Rohrsystem, über das die Heizkörper verbunden sind, befindet sich eigentlich eine Flüssigkeit, die die Wärme transportiert. Mit der Zeit sammelt sich aber immer mehr Luft im System, was eine Verminderung der Heizleistung zur Folge hat. Abhilfe lässt sich leicht durch das Entlüften schaffen. Die Entlüftung erfolgt einfach am Ventil des jeweiligen Heizkörpers. Anschließend sollte der Wasserdruck der Anlage geprüft werden. Zudem sollte die Heizungsanlage regelmäßig gewartet werden. Dies muss eine Fachfirma übernehmen.
Verbrauch im Blick behalten
Wer sparen will, muss messen: Notieren Sie den Zählerstand einmal im Monat, am besten immer am selben Tag. So sehen Sie, ob eine Maßnahme wirkt, und erkennen Abweichungen – etwa eine falsch eingestellte Heizung oder eine defekte Zirkulationspumpe – nicht erst mit der Jahresrechnung. Verglichen wird sinnvollerweise mit dem gleichen Monat des Vorjahres, denn ein kalter Winter treibt den Verbrauch unabhängig vom eigenen Verhalten nach oben. Wer einen Smart Meter oder einen digitalen Zähler mit Schnittstelle hat, kann die Werte auch automatisch auslesen lassen. Passt der Verbrauch dauerhaft nicht zum Abschlag, lohnt sich ein Blick in den Ratgeber Abschlag für Gas zu hoch.
Gassparen durch Anbieterwechsel
Seit der Liberalisierung des Energiemarktes können auch Privatverbraucher unter mehreren Gasanbietern auswählen.

Dieser Wettbewerb unter den Anbietern hat zu einem Preiswettkampf unter den Anbietern geführt. Daher lohnt es sich mit dem Gastarifrechner zu prüfen, ob man durch einen Wechsel zu einem anderen Anbieter den Gaspreis senken kann. Nach dem Monitoringbericht 2025 der Bundesnetzagentur zahlten Gas-Haushaltskunden in der Grundversorgung zum Stichtag 1. April 2025 im Schnitt 13,57 Cent je Kilowattstunde, Kunden eines anderen Anbieters 11,56 Cent. Der Wechsel ist kostenlos und technisch binnen 24 Stunden möglich. Beim Vergleich zählt nicht nur der Arbeitspreis: Laufzeit, Preisgarantie und die Bedingungen eines Neukundenbonus entscheiden mit.
Gaskosten berechnen: Was kostet das Gas? Den Gasverbrauch für einen bestimmten Zeitraum zu berechnen und damit Gaskosten zu berechnen, kann… weiterlesen



