Die Entwicklung der Gaspreise
Im Gegensatz zu den Strompreisen in Deutschland ist die Kostenentwicklung auf dem Gasmarkt in den vergangenen Jahren deutlich uneinheitlicher verlaufen. Seit der Jahrtausendwende ging der Preis erst einmal deutlich aufwärts. Während sich der Gaspreis von 2015 bis 2021 kaum bewegte, schnellte er ab 2022 enorm nach oben. Von 6,84 Cent je Kilowattstunde im Jahr 2021 stieg der Durchschnittspreis für ein Einfamilienhaus laut BDEW auf 14,35 Cent im Jahr 2023. Seither ist er wieder gesunken und liegt 2026 bisher bei 11,93 Cent – seit dem Frühjahr 2026 allerdings mit steigender Tendenz. Wie soll man darauf reagieren? Fast immer lohnt sich ein Vergleich von Gastarifen, weil der Unterschied zwischen den Tarifen innerhalb einer Region oft immens ist. Solch ein Vergleich ist mit dem Gas-Tarifrechner möglich.
Das Wichtigste in Kürze
- Der Haushaltsgaspreis lag 2015 bis 2021 stabil bei 6 bis 7 Cent, sprang 2023 auf 14,35 Cent und liegt 2026 bei rund 12 Cent (BDEW).
- Die Krise lief über die Beschaffung; seither treiben CO₂-Preis und Netzentgelte den Preis – die Beschaffung ist wieder günstiger, seit Frühjahr 2026 aber steigend.
- Sinkende Großhandelspreise kommen bei Bestandskunden nur verzögert an: 2024 zahlten Neukunden 10,2, Bestandskunden 12,7 Cent (Bundesnetzagentur).
- Faustregel: Jeder Cent je Kilowattstunde kostet ein Einfamilienhaus mit 20.000 Kilowattstunden 200 Euro im Jahr – Tarifvergleich und kurze Laufzeit lohnen.


Erdgas: im Bestand Nummer 1, im Neubau abgelöst
Im Gebäudebestand ist Erdgas nach wie vor der wichtigste Heizenergieträger: Nach dem Zensus 2022 wird mehr als die Hälfte der Gebäude mit Wohnraum (53,9 Prozent) mit Erdgas beheizt, ein weiteres Viertel mit Heizöl. Im Neubau hat sich das Bild dagegen komplett gedreht. Von den 2025 fertiggestellten Wohngebäuden heizen laut Statistischem Bundesamt 73,6 Prozent hauptsächlich mit Wärmepumpen; Gasheizungen kommen nur noch auf 10,5 Prozent, die Fernwärme, die teilweise ebenfalls aus Erdgas erzeugt wird, auf 8,3 Prozent.
Noch 2015 wurde mehr als die Hälfte (51,5 Prozent) der neu gebauten Wohngebäude hauptsächlich mit Erdgas beheizt, 2024 waren es 15,0 Prozent; bei den 2025 genehmigten Wohngebäuden sind es nur noch 2,2 Prozent. Das bedeutet: Der Gasmarkt für die Wohnungsbeheizung lebt vom Bestand, während im Neubau die Wärmepumpe die führende Heiztechnologie ist. Für die Preisentwicklung hat das eine unangenehme Folge: Die Kosten der Gasnetze verteilen sich auf immer weniger Kunden, sodass die Netzentgelte je Kilowattstunde tendenziell steigen. Welche Alternativen es gibt, zeigt der Ratgeber Heizungen im Vergleich.

Der Gaspreis für Haushalte seit 2015: Ruhe, Krise, Entspannung
Die verlässlichste Reihe für den Haushaltsgaspreis liefert die halbjährliche Gaspreisanalyse des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW). Sie bildet den Durchschnitt aller verfügbaren Tarife für ein Einfamilienhaus mit 20.000 Kilowattstunden Jahresverbrauch ab, inklusive Grundpreis, Steuern, Abgaben und Umlagen. Danach war die Zeit von 2015 bis 2021 bemerkenswert ruhig: Der Preis pendelte zwischen 6,22 Cent (2018) und 6,84 Cent je Kilowattstunde (2021), obwohl 2021 bereits der CO₂-Preis hinzukam.
Mit dem russischen Angriff auf die Ukraine und dem Ausfall der Pipelinelieferungen explodierten 2022 die Großhandelspreise. Der Haushaltspreis verdoppelte sich nahezu auf 13,01 Cent und erreichte 2023 mit 14,35 Cent je Kilowattstunde seinen Höchststand – der Anteil der Beschaffung im Preis stieg von 3,12 auf 10,29 Cent. 2024 folgte die Entspannung auf 11,22 Cent; 2025 (11,94 Cent) und 2026 (bisher 11,93 Cent) liegen etwas darüber, weil Netzentgelte und CO₂-Preis gestiegen sind, obwohl die Beschaffung weiter günstiger wurde. Im Januar 2026 lagen die Beschaffungskosten laut BDEW auf dem niedrigsten Stand seit 2021, seit März 2026 steigen sie wieder.
Gaspreis für ein Einfamilienhaus 2015 bis 2026
Durchschnittlicher Gaspreis für ein Einfamilienhaus mit 20.000 Kilowattstunden Jahresverbrauch in Cent je Kilowattstunde – Durchschnitt aller verfügbaren Tarife inklusive Grundpreis, Steuern, Abgaben und Umlagen.
| Jahr | Wert (ct/kWh) |
|---|---|
| 2015 | 6,8 ct/kWh |
| 2016 | 6,5 ct/kWh |
| 2017 | 6,3 ct/kWh |
| 2018 | 6,2 ct/kWh |
| 2019 | 6,6 ct/kWh |
| 2020 | 6,5 ct/kWh |
| 2021 | 6,8 ct/kWh |
| 2022 | 13,0 ct/kWh |
| 2023 | 14,4 ct/kWh |
| 2024 | 11,2 ct/kWh |
| 2025 | 11,9 ct/kWh |
| 2026 | 11,9 ct/kWh |
Seit 2010 sind reine Ölpreis-Klauseln für Verbraucher unwirksam
Die Entwicklung des Erdgaspreises war lange Zeit an die Entwicklung des Ölpreises gebunden. Den Gaspreis ausschließlich vom Ölpreis abhängig zu machen, ist seit 2010 bei Privatkunden nicht mehr legitim. Damals gab es ein Grundsatzurteil des Bundesgerichtshofs (BGH). 2015 bestätigte der BGH für Grundversorger, dass Preisänderungen sich an den Bezugskosten orientieren müssen (Az. VIII ZR 158/11). Gas wird heute unter anderem an Handelsplätzen wie TTF und Trading Hub Europe gehandelt; wie stark Großhandelspreise auf Haushaltstarife durchschlagen, hängt auch von Beschaffungsstrategie und Vertrag ab.

Die Einkaufspreise fallen – die Verkaufspreise mit Verzögerung
Während sich die Einkaufspreise seit 2021 stark erhöhten, befanden sie sich in den Jahren zuvor „im freien Fall“, wie das Magazin „Der Spiegel“ in einem Artikel vom Dezember 2016 schrieb. Gaskunden hatten davon jedoch eine längere Zeit lang eher wenig. Das Magazin zitiert als Beleg eine Studie des Forschungsbüros Energycomment.
Laut dieser Studie reduzierten sich die Kosten beim Gaseinkauf für die Versorger 2014 um 104 Euro, während die Preise für private Haushalte nur um 20 Euro gefallen seien. 2015 lief es etwas besser aus Verbrauchersicht. Die Gasgroßhändler konnten das Gas nochmals 34 Euro günstiger einkaufen, während es für die Endverbraucher eine Ersparnis von immerhin 28 Euro gab.
2016 sanken die Beschaffungskosten für die Großhändler um 94 Euro, von denen 70 Euro an die Endkunden weitergegeben wurden. Das bedeutet: Verbraucher können nicht darauf bauen, dass sie von sinkenden Preisen auf dem Weltmarkt sofort und in vollem Umfang profitieren. Die Energiekrise hat dieses Muster bestätigt – in beide Richtungen.
Als die Großhandelspreise 2023 wieder deutlich fielen, sanken die Preise für Bestandskunden langsamer als die Neukundenangebote: Nach dem von der Bundesnetzagentur modellierten Preisindex lagen Neukundenpreise 2024 im Mittel bei 10,2 Cent je Kilowattstunde, Bestandskundenpreise bei 12,7 Cent. 2025 verringerte sich der Abstand auf 10,6 zu 10,9 Cent; im Januar 2026 lag der modellierte Neukundenpreis bei 9,6 Cent. Das bedeutet: Verbraucher können nicht darauf bauen, dass sie von sinkenden Großhandelspreisen sofort und in vollem Umfang profitieren – der Preisvergleich holt die Ersparnis, die der eigene Vertrag nicht automatisch liefert.
Allerdings profitiert auch nicht jeder Energieversorger von Entwicklungen auf dem Gasmarkt in gleichem Maße. Manche von ihnen haben langfristige Importverträge abgeschlossen, um mehr Planungssicherheit bei der Beschaffung der benötigten Gasmengen auf dem Weltmarkt zu haben. Was bei steigenden Preisen sinnvoll ist, erweist sich bei sinkenden Preisen jedoch als nachteilig. Auf derartige Weise gebundene Versorger können sinkende Preise auf dem Weltmarkt nur bis zu einem gewissen Grad ausnutzen. Viele Anbieter kaufen ihr Gas zudem nicht tagesaktuell, sondern in Tranchen über ein bis drei Jahre im Voraus; Preissprünge wie 2022 schlagen deshalb nicht sofort voll durch, sinkende Preise kommen aber ebenso verzögert an.
Ausblick: Was den Gaspreis in den nächsten Jahren treibt
Wie stark die Preisentwicklung im Geldbeutel ankommt, zeigt das Einfamilienhaus mit 20.000 Kilowattstunden Jahresverbrauch: Beim Preis pro Kilowattstunde von 6,62 Cent im Jahr 2019 kostete das Heizgas 1.324 Euro im Jahr, auf dem Höchststand 2023 waren es 2.870 Euro, und mit dem Durchschnittspreis von 2026 sind es 2.386 Euro – rund 1.000 Euro mehr als vor der Krise. Eine einfache Faustregel für das eigene Risiko: Jeder Cent je Kilowattstunde entspricht bei diesem Verbrauch 200 Euro im Jahr. Drei Treiber sind für die nächsten Jahre absehbar. Für 2026 werden Zertifikate im nationalen Emissionshandel in einem Korridor von 55 bis 65 Euro je Tonne versteigert; das nationale System gilt bis Ende 2027 weiter. Der ETS 2 soll 2028 starten, sein Preis ist offen. Die Netzentgelte stiegen im BDEW-Durchschnitt von 1,52 Cent je Kilowattstunde 2019 auf 2,57 Cent 2026; sie können regional deutlich abweichen. Ihre weitere Entwicklung hängt von regulierten Kosten, Netznutzung und künftigen Festlegungen ab. Und die Beschaffung bleibt der volatile Teil: Sie hängt an Flüssigerdgas-Importen, Speicherfüllständen und geopolitischen Krisen – den Preisanstieg seit dem Frühjahr 2026 führt der BDEW auf den Iran-Krieg zurück.
Natürlich sind solche Prognosen vage, da der Markt von vielen Faktoren abhängt. Interessant könnte auf Nachfrageseite zum Beispiel die Entwicklung von Technologien wie der Brennstoffzelle sein. Sie nutzt Gas (Erdgas, Biogas) für die Produktion von Heizwärme und Strom. Das bedeutet: Werden künftig noch mehr Brennstoffzellen in Neu- und auch Altbauten installiert, könnte der Erdgasverbrauch steigen. Stärker wirkt allerdings die Gegenbewegung: Je mehr Haushalte auf Wärmepumpe oder Fernwärme umsteigen, desto kleiner wird der Kundenkreis, der sich die Netzkosten teilt. Biogas und später Wasserstoff können Erdgas teilweise ersetzen, sind aber deutlich teurer. Wer eine Gasheizung besitzt, sollte die Preisentwicklung deshalb nicht nur beim Tarifvergleich im Blick behalten, sondern auch bei der Frage, wie lange sich die Anlage noch lohnt.

Lohnt sich der Gastarif-Vergleich? Ja. Definitiv
Wie viel man beim Wechsel des Gasanbieters wirklich sparen kann, zeigt ein Blick auf den Gas-Tarifrechner auf KWH-Preis.de. Wie viel man durch einen Tarifvergleich und einen anschließenden Wechsel sparen kann, zeigt am schnellsten ein Test.

Der Anteil der Haushalte, die den Gasanbieter seit der Liberalisierung 2007 gewechselt haben, ist deutlich gestiegen. 2007 waren es 100.000 und die kumulierte Wechselquote lag bei einem Prozent. 2021 betrug die Wechselrate bereits 5,6 Prozent. 2024 wechselten laut Bundesnetzagentur 2,4 Millionen Haushalte ihren Gaslieferanten – ein Rekord, die Wechselquote lag bei rund 17 Prozent; 2025 waren es 2,1 Millionen. Nur noch rund 16 Prozent der Gaskunden beziehen ihr Gas in der meist teuren Grundversorgung.
Das ist ein durchaus guter Anteil. Angesichts des Sparpotenzials geht da aber sicherlich noch mehr. Der modellierte Gaspreis für Neukunden lag im Januar 2026 bei 9,6 Cent je Kilowattstunde und damit rund 13 Prozent unter dem Vorjahreswert; das Einsparpotenzial für Haushalte, die ihren Versorger wechseln, beziffert die Bundesnetzagentur bei 20.000 Kilowattstunden Jahresverbrauch auf etwa 360 Euro im Jahr. Vielleicht sollten auch Sie wechseln? Und falls Sie dann häufiger Entwicklungen auf dem regionalen Gasmarkt ausnutzen möchten, sollten Sie am besten auf eine kurze Vertragslaufzeit achten.
Wechseln, abwarten oder bleiben? Drei Fragen
1. Sind Sie in der Grundversorgung oder in einem Vertrag, der älter als zwei Jahre ist?
2. Liegt Ihr Jahrespreis aus Arbeitspreis und Grundpreis ohne Bonus mehr als etwa 200 Euro über vergleichbaren Angeboten für Ihre Postleitzahl?
3. Hat Ihr Anbieter eine Preiserhöhung angekündigt oder endet Ihre Preisgarantie bald?

Gaspreiserhöhung – Hilfe und Tipps Mit der Energiekrise 2022 sind die Gaspreise für Haushalte stark gestiegen und seitdem nur zum… weiterlesen



